Schmucker-Siedlung:

Parknotstand durch Neubau?

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Die Bürgerinitiative „Parknotstand Utting“ fordert mehr Parkplätze in der künftigen Schmucker-Siedlung: Dr. Georg Kritikos, Sprecher Felix Raulf, Traudl Raulf, Dieter Kellermann, Hans A. Neunzig und Anja Schnappinger (v. links).

Utting – Der erste Spatenstich ist für Mai 2020 avisiert, doch jetzt bereits regt sich Widerstand bei einigen Anwohnern der künftigen Schmucker-Siedlung. Nicht gegen die geplanten etwa 80 Mietwohnungen in Geschossbauweise für Geringverdiener, sondern für die ihrer Meinung nach zu erwartenden Parkplatzprobleme. Deshalb haben sie die Initiative „Parknotstand Utting“ gegründet und sammeln derzeit Unterschriften. Mit der Aktion wollen sie laut ihrem Sprecher Felix Raulf „den Gemeinderat dafür gewinnen, die Parkmöglichkeiten für den geplanten Sozial­wohnungskomplex auf den ortsüblichen Stand von zwei Pkw-Stellplätzen je Wohneinheit auszurichten.“

Wie berichtet, hat die Gemeinde Utting das Schmucker-Gelände im Karree Landsberger-, Schondorfer- und Hechenwanger Straße für rund fünf Millionen Euro erworben. Hier soll ein dringend benötigter sozial orientierter Wohnungsbau realisiert werden. Dass die Gemeinde selbst als Bauherr auftritt, liegt am aktuellen kommunalen Wohnraumförderungsprogramm des Freistaats Bayern. Für Grunderwerb und Bau gibt es 30 Prozent staatliche Förderung, dazu für 60 Prozent ein zinsgünstiges Darlehen. Letztendlich braucht die Gemeinde nur zehn Prozent Eigenkapital, das bei 20 Millionen Euro geschätzten Gesamtkosten rund zwei Millionen ausmachen wird. Für die optimale Realisierung hat die Gemeinde einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

Auf dem knapp 13.000 Quadratmeter großen Areal sollen rund 80 Wohnungen für 250 bis 300 Bewohner in mehrgeschossigen Häusern mit Aufzug und Tiefgaragen gebaut werden, die von der Gemeinde in eigener Regie vermietet werden. Die Unterschriftenaktion der Anwohner-Initiative richtet sich gegen den ihrer Meinung nach zu niedrig angesetzten Grundschlüssel von 1,25 Parkplätzen je Wohneinheit, obwohl mindestens zwei Pkw-Stellplätze pro Einheit ortsüblich seien. Felix Raulf: „Bereits jetzt ist die Parksituation in der Landsberger Straße sowie in den angrenzenden Straßen problematisch. Besonders die Landsberger Straße ist im östlichen Teil auf der rechten Seite Richtung Achselschwang bis Höhe Ringstraße fast durchgehend zugeparkt. Unter der Woche ist auch der Bereich der Landsberger Straße westlich der Einfahrt zur Ringstraße vermehrt von parkenden Arbeitskräften aus der Umgebung sowie von parkenden Lkw und abgestellten Lkw-Anhängern betroffen.“ Raulf prognostiziert mit der Schmucker-Siedlung eine „deutliche Verschlimmerung und extreme Verkehrsbehinderungen durch Parkplatzmangel“. Betroffen seien davon insbesondere die Anwohner der Landsberger Straße mit Ringstraße und Moosgraben sowie die gesamte Hechenwanger Straße.

Dem widerspricht Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger gegenüber dem KREISBOTEN: „Wir planen Mietwohnungen für Geringverdiener, die sich als Familie eher nur ein als zwei Autos leisten werden. Fast die Hälfte – 45 Prozent – der Einheiten werden Ein- und Zweizimmer-Wohnungen sein, wobei hier maximal ein Pkw zu erwarten ist. Teil des Projekts wird auch ein gefördertes Car-Sharing-Angebot sein, das viele nur gelegentlich genutzte Autos überflüssig werden lässt.“ Diese Ausgangslage sei mit der Regierung von Oberbayern abgesprochen, die obendrein darauf hinweise, dass es sich beim Schmucker-Projekt um staatlich geförderte Wohnungen handelt, deren Mieten durch Steuermittel gering gehalten werden. Daher sollten auch die Stellplätze und die damit verbundenen Kosten möglichst gering gehalten werden. Die Argumentation von Regierung und Gemeinde werde im Übrigen von der „Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung“ getragen. Mitarbeiterinnen hätten darüber im Schmucker-Ausschuss referiert, darunter eine Spezialistin für Quartierskonzepte. Lutzenberger: „Was sich hoffentlich schon erkennen lässt, dass sich Verwaltung, Ausschuss und Gemeinderat sehr wohlüberlegt mit der Sache beschäftigt haben.“

Der Bürgermeister: „Dennoch hat der Gemeinderat auf Anregung des Schmucker-Ausschusses und der Anwohner den Stellplatzschlüssel mit Gemeinschaftsfahrzeugstellplätzen und vier Behindertenstellplätzen auf gut 1,5 Stellplätze pro Wohnung angehoben. Ich wage nicht zu glauben, dass das alles die Unterschriften sammelnden Anwohner überzeugt.“ Er scheint damit recht zu haben, denn für die Initiative reicht dieses Entgegenkommen nicht. Raulf: „Mit dem Schmucker-Projekt muss durch die von Parkplatzmangel verursachte Verlagerung von parkenden Autos in alle Straßen der Umgebung mit extremen Verkehrsbehinderungen und Gefährdungen gerechnet werden.“ Im Flugblatt heißt es gar: „Es sollte im Interesse der Gemeinde liegen, dass sich die finanzielle Situation der neuen Bewohner stetig verbessert, wodurch sich mit der Zeit sicherlich ein noch höherer Bedarf an Pkw-Stellplätzen ergibt als zum Zeitpunkt der Erstbelegung“. Um einer Arbeit nachzugehen, müsse ein Großteil der Bewohner mit dem Auto pendeln. Unter anderem, weil die öffentliche Verkehrsanbindung nach Landsberg sehr zu wünschen übrig lasse.

Dieter Roettig

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