Uttinger Schmucker-Siedlung hat einen Preisträger

Favorit mit poetischer Kraft

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So sehen nach Plänen von Architekt Gerold Heugenhauser Segmente der Schmucker-Siedlung aus.
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Gerold Heugenhauser (Mitte), Sieger des Architekten-Wettbewerbs strahlt. Links Jury-Vorsitzender Johannes Ernst, rechts Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger.

Utting – „Die Schmucker-Siedlung wird ein echtes Schmuckstück. Das meint der Ernst sehr ernst.“ Dieser doppelte Bonmot von Johannes Ernst, dem Vorsitzenden der Jury für den Architekten-Wettbewerb zur Bebauung des Schmucker-Areals, zeugte von der harmonischen und euphorischen Stimmung der Jury bei der Auswahl und Beurteilung der eingereichten Arbeiten. Wie mehrfach berichtet, hatte die Gemeinde Utting einen Architekten-Wettbewerb für das 20-Millionen-Projekt ausgelobt. Mit 11:0 Stimmen der Preisrichter ging der mit 33.000 Euro dotierte erste Platz an den Münchner Architekten Gerold Heugenhauser.

Der öffentlichen Präsentation der 14 Entwürfe in der Sporthalle der Grundschule Utting ging eine zwölfstündige Mammutsitzung des Preisgerichts voraus. Das setzte sich aus sogenannten Fach- und Sachpreisrichtern zusammen. Zum Fachbereich mit Roman Dienersberger von der Regierung von Oberbayern gehörten fünf renommierte Architekten. Der Sachbereich unter Bürgermeister Josef Lutzenberger war mit den Gemeinderäten Peter Noll, Matthias Hornsteiner, Helmut Schiller und Andreas Streicher besetzt. Jeder Einreicher hatte neben den großflächigen Plänen und Ansichten auch ein maßstabsgetreues Modell abgeliefert, das in ein von der Gemeinde für knapp 10.000 Euro angefertigtes Modell des gesamten Karrees Landsberger-, Schondorfer- und Hechenwanger Straße eingepasst werden konnte.

Die Architekten hatten keine leichte Aufgabe bei dem schmalen und unterschiedlich breiten Gelände innerhalb der nahen Nachbarbebauung. Der Siegerentwurf mit 85 barrierefreien Wohnungen ging von einer „Perlenkette“ aus, die in fünf unterschiedlich langen Segmenten eine spannende Raumsequenz auf dem lang gestreckten Grundstück entwickelt. Die einzelnen Glieder der Kette werden in verschobene Baukörper übersetzt, die vielfältige Wohn- und Belichtungssituationen ermöglichen. Jeder durch die Verschiebung entstandene Teilkörper erhält ein eigenes Pultdach, wodurch eine kleinteilige und gegliederte Körnung der Baukörper erreicht wird, die sich optimal in den Uttinger Ortskern einfügt. 

Die Häuser haben Erdgeschoss, ersten Stock und ein Dachgeschoss. Direkt zu den bestehenden Nachbarhäusern wird teils auf das oberste Stockwerk verzichtet. Die Schwerpunktsetzung des öffentlichen Raums mittig im Grundstück ist laut Jury gut gelöst, ebenso ihre Einbindung in das Wegenetz des gesamten Areals. Urteil der Jury: „Insgesamt eine Arbeit mit sehr hoher Architekturqualität, die einen eigenständigen Beitrag zum Thema Geschosswohnungsbau in dörflicher Umgebung leistet.“ Vorsitzender Johannes Ernst: „Der Siegerentwurf hat seine eigene Dynamik und besticht durch Leichtigkeit und poetische Kraft. Diese Siedlung bedeutet einen Mehrwert für die gesamte Gemeinde.“

Sollte der Siegerentwurf realisiert werden – und da gibt es Gemeinde-intern keine Zweifel – entstehen auf dem Schmucker-Areal elf Einzimmer-, 30 Zweizimmer-, 24 Dreizimmer-, 16 Vierzimmer- und vier Fünfzimmer-Mietwohnungen. Es wird 134 Kfz-Stellplätze geben, davon 118 in einer Tiefgarage. Auch an 120 Fahrradstellpätze wurde gedacht.

Dass man den Siegerentwurf favorisiert, zeigt schon die Tatsache, dass man keinen zweiten Preis, sondern zwei dritte Preise vergeben hat. Sie sind mit jeweils 16.500 Euro dotiert und gingen an Breining & Buchmaier in Berlin sowie an Behles & Jochimsen, ebenfalls Berlin. Zusätzlich hat die Jury zwei sogenannte Anerkennungen mit 9.000 bzw. 7.500 Euro ausgelobt für „­Zwischenräume Architekten und Stadtplaner“ in München sowie das Atelier Lüps in Schondorf.

Laut Bürgermeister Josef Lutzenberger werden nunmehr die drei Preisträger zu Gesprächen eingeladen, um die endgültige Entscheidung zu treffen. Dann folgen die üblichen Genehmigungsverfahren, bis im Jahr 2019 der erste Spatenstich erfolgt. Die Gemeinde tritt selbst als Bauherr auf, was am aktuellen kommunalen Wohnraumförderungsprogramm des Freistaats Bayern liegt. Für Grunderwerb und Bau gibt es 30 Prozent staatliche Förderung, dazu für 60 Prozent ein zinsgünstiges Darlehen. Letztendlich braucht die Gemeinde nur zehn Prozent Eigenkapital, also zwei Millionen Euro.

Bürger gefragt

Die Modelle und Planentwürfe der Endrunde sowie die Siegerarbeit sind noch bis zum 15. Dezember in der Sporthalle der Grundschule Utting für die Öffentlichkeit ausgestellt (14 bis 18 Uhr). Es liegt ein Gästebuch aus, in dem die Bürger ihre Meinung zu den Arbeiten kundtun können.

Dieter Roettig

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