Schneise im Dießener Schilf

Umweltfrevel oder doch nur Bürgerwille? Ein Unbekannter war wohl die Diskussion leid und griff selbst zur Sense. Er schlug bei den Seeanlagen eine etwa zwei Meter breite Schneise durchs Schilf und schaffte einen, wenn auch nur kleinen Ausblick auf den See. Und zwar just dort, wo die Gemeinde eine 80000 Euro teure Aussichtsplattform vorsieht.

Im Januar war von Edgar Maginot (CSU) angeregt worden, das Schilf am Festplatz zu mähen, damit der Bürger den Ammersee auch ohne Podest sehen könne. Doch damals hatten die Behörden auf Anfrage des KREISBOTEN bereits signalisiert, dass man einer Zerstö­rung des schützenswerten und intakten Schilfgürtels wohl nicht zustimmen werde. „Da hat wohl jetzt jemand für sich eine Entscheidung gefällt“, reagierte Werner Steinbach von der Unteren Naturschutzbehörde im Landsberger Landratsamt entsetzt, als er von dem unerlaubten Schilfschnitt erfuhr. Der Eingriff in die Natur habe gerade für die Vögel, die im Schilf brüten, eine Folgewirkung, zumal das junge, nachwachsende Schilf äußerst sensibel sei. Das Schilf im Bereich Festplatz gehört zu einem von nur noch drei größeren, zusammenhängenden Schilfflächen zwischen dem Naturschutzgebiet Seeholz und dem Ammersee-Süd­ufer. Seit den 60er Jahren ist nach einer Untersuchung am Ammersee der Schilfbestand auf zehn Prozent seiner ursprünglichen Fläche zusam­men­geschrumpft. Steinbach wollte sich den Schaden umgehend vor Ort ansehen, gemeinsam mit Johann Hensel von der Schlösser- und Seenverwaltung. Der Uferstreifen ist Eigentum des Freistaates, der von der Ammerseeverwaltung vertreten wird. Steinbach: „Falls wir denjenigen erwischen, wird er wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt.“ Nach dem Motto „geringe Investiton, maximaler Erfolg“, bleibt Steinbach bei seinem Lösungsvorschlag, statt der teuren Plattform einen günstigen Erdhügel anzulegen. Der Dießener Verwaltungs­chef Erich Neugebauer berichtet, dass sich die Behörden in punkto Schilfmahd auch ge­gen­über der Marktgemeinde ablehnend geäußert hätten. Im Gegenteil, man habe gar erfahren, dass man statt zu mähen das Schilf an dieser Stelle eher noch weiter schützen müsse, etwa durch eine Einzäunung von der Seeseite her. Neugebauer ist davon überzeugt, dass das Schilf trotz des unerlaubten Schnittes erhalten bleibt. „Es ist wohl doch so, dass sich manchmal der Bürgerwille bahn bricht.“ Steinbach ist da anderer Meinung: „Das ist eine Spontanaktion. Wäre es Bürgerwille, wäre der Verursacher binnen einer Woche bekannt – dann gibt es zu viel Mitwisser.“ Der Behördenvertreter will Anzeige erstatten und sucht nach Zeugen.

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