Den Berufsstand in Misskredit gebracht

Untreue und Waffenbesitz: Haftstrafe für Landsberger Anwalt

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Untreue und widerrechtlicher Waffenbesitz: In einer mehrstündigen Verhandlung verurteilte das Schöffengericht Landsberg in der vergangenen Woche einen ehemaligen Rechtsanwalt zu einer auf Bewährung ausgesetzten Haftstrafe.

Landsberg – Weil er Gelder von Mandanten in die eigene Tasche gesteckt hat, ist ein früherer Landsberger Rechtsanwalt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 62-Jährige hatte unter anderem von den Mandanten geleistete Kostenvorschüsse, die er an Gerichte hätte weiterleiten müssen, für sich behalten. Die mehrstündige Verhandlung vor dem Schöffengericht offenbarte neben den Straftaten auch den persönlichen Absturz eines Menschen, der scheinbar alles hatte.

Der Mann führte vormals eine erfolgreiche Kanzlei. Doch dann brach privat wie auch beruflich alles zusammen, nicht selten sollte Alkohol die Sorgen lindern. Das gelang natürlich nicht. Zuletzt lebte der Angeklagte in einem Campingbus und in seiner Kanzlei – und trank immer mehr, wie er vor Gericht schilderte.

In dieser Zeit begann der 62-Jährige, Mandantengelder zu veruntreuen. Um private Löcher zu stopfen, behielt er in sieben Fällen Beträge für sich, die ihm zur Weiterleitung anvertraut worden waren – insgesamt rund 28.000 Euro. „Sie haben das Vertrauen der Mandanten missbraucht und Ihren ganzen Berufsstand in Misskredit gebracht“, rügte Staatsanwalt Michael Nißl.

Und die Geschädigten waren gleich doppelt gelackmeiert, denn ihr Geld war weg und in ihren jeweiligen Rechtsstreitigkeiten ging nichts voran. Stattdessen kam noch die Auseinandersetzung mit dem straffälligen Juristen hinzu. „Die Leute mussten sich andere Anwälte suchen, die natürlich auch wieder Geld kosteten“, führte Nißl dem Angeklagten vor Augen. Dies sei für die Geschädigten eine extrem belastende Situation gewesen.

Im November 2017 war der 62-Jährige ganz unten angekommen. Seine Kanzlei wurde zwangsgeräumt, weil er die Miete nicht mehr zahlen konnte. Seine Zulassung als Anwalt war ihm bereits Monate zuvor entzogen worden, das Strafverfahren lief. Und weil er nun keinen festen Wohnsitz mehr hatte, kam der Anwalt in Untersuchungshaft.

„Die Alternative wäre die Obdachlosenunterkunft in der Jahnstraße gewesen“, sagte der Vorsitzende Richter Alexander Kessler, der damals auch den Haftbefehl ausgestellt hatte. „Das Gefängnis hat Sie vor dem Komplettabsturz bewahrt.“

Das sieht inzwischen auch der Angeklagte ein. In der Haft musste er zwangsläufig ohne Alkohol auskommen und hatte Zeit zum Nachdenken. Die „gewisse Geborgenheit in der JVA“ habe ihm geholfen. „Ich bin wieder auf dem Boden“, beteuerte der 62-Jährige.

Von dem angerichteten Schaden hat er inzwischen 11.000 Euro wieder zurückgezahlt. Und er schwor Stein und Bein, dass er auch den Rest begleichen will, sobald ihm sein Anteil am Wert seines Hauses ausgezahlt worden sei. Mit Hilfe seines Verteidigers Patrick Freutsmiedl hat der Angeklagte eine kleine Wohnung gefunden, Arbeit will er sich suchen.

Zu viele Krimis?

Die Anklageschrift gegen den 62-Jährigen enthielt noch einen weiteren Punkt: widerrechtlichen Waffenbesitz. Er hatte in seinem Auto „aus Sicherheitsgründen“ eine Schreckschusspistole – damals fuhr er noch eine teure Mercedes G-Klasse und befürchtete, „dass mir jemand an der Ampel reinspringt und das Auto klaut“. Kessler bescheinigte dem Juristen daraufhin, „zu viele Krimis“ gesehen zu haben.

Das Urteil lautete schließlich auf ein Jahr und drei Monate Haft, die für drei Jahre zur Be­wäh­rung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der Angeklagte den restlichen Schaden wiedergutmachen, 120 Stunden soziale Hilfsdienste leisten und sein Alkoholproblem behandeln lassen. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass das hundertprozentig ausgeräumt ist“, so Kessler. Für zwei Jahre wird dem 62-Jährigen ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Der Verurteilte nahm die Strafe an, und auch Staatsanwalt Nißl will kein Rechtsmittel einlegen, denn das Urteil entsprach exakt seinem Antrag. Es ist damit rechtskräftig.

Ulrike Osman

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