Lebensmittel retten

In Schondorf gibt es jetzt einen Kühlschrank zur Selbstbedienung

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Jeder darf sich im „Schondorfer Kühlschrank zur Rettung von Lebensmitteln“ bedienen. Offiziell in Betrieb genommen wurde er von Bürgermeister Alexander Herrmann, Ilse Baumgarten vom Bürgerbudget und von Projektpatin Eva Maria Zotter (von rechts).

Schondorf – 313 Kilogramm noch genießbare Lebensmittel werfen die Deutschen laut einer WWF-Studio jede Sekunde auf den Müll. Das sind nicht nur Brot und Backwaren oder Obst und Gemüse. Vor allem verpackte Produkte mit Mindestablaufdatum landen in der Tonne, obwohl sie bekanntermaßen noch viel länger haltbar sind. Auch für Supermärkte heißt dieses Datum leider „raus aus Kühlung oder Regal und rein in den Container“. Wer sich hier heimlich bedient, macht sich strafbar. „Containern“ wird als Diebstahl bewertet.

Ganz legal und gratis kann man sich jetzt in Schondorf bedienen. Im Innenhof bzw. Parkplatz des Rathauses steht ein für jederfrau/mann frei zugänglicher Kühlschrank, bestückt mit Lebensmitteln aller Art. Die Idee zu dieser „Abgabestelle zur Rettung von Lebensmitteln“ hatte Eva Maria Zotter. Sie kam beim letztjährigen von der Gemeinde initiierten Bürgerbudget mit ihrem Konzept „Schondorfer Kühlschrank“ auf Platz 2. Der Kühlschrank wurde aus den vom Gemeinderat bereitgestellten Mitteln gekauft, für den wettergeschützten Platz mit extra installiertem Stromanschluss sorgte Bürgermeister Alexander Herrmann.

Er war bei der offiziellen Inbetriebnahme dabei und dankte Eva Maria Zotter, die sich als „Projektpatin“ auch weiterhin um die Abgabestelle kümmern wird. Ihr zur Seite stehen Jo-Ann Meding als Referentin für das Bürgerbudget und Ilse Baumgarten, die den Kühlschrank mit Spenden aus einem Uttinger Supermarkt „initial befüllt“ hatte. Vom dritten Preisträger David Bensmann und seinem Projekt „Schondorfer Gemüsegarten“ kam zur Eröffnung noch ein großes Netz mit frisch geernteten Vitaminspendern.

Keine Tafel-Konkurrenz

Eva Maria Zotter, langjährige Botschafterin für Foodsharing im Landkreis Landsberg, betonte in ihrer Rede, dass die Schondorfer Abgabestelle keine Konkurrenz zu den Tafeln sei, sondern eine sinnvolle Ergänzung: „Unser Kühlschrank steht nicht nur Bedürftigen zu Verfügung, sondern jedem, dem die Rettung von Lebensmitteln ein Anliegen ist.“ Alle Bürger seien herzlichst willkommen, sich hier zu bedienen, aber auch dazu, selbst unbenötigte Produkte einzustellen. Natürlich werde der Kühlschrank regelmäßig kontrolliert und eventuell aussortiert.

Eine zufällig vorbei kommende Passantin war spontan begeistert: „Ich fahre bald in Urlaub. Da bringe ich den noch länger genieß- und haltbaren Inhalt meines Kühlschranks hierher.“ Der Standplatz im Innenhof bzw. Parkplatz des Rathauses sei ideal, da man mit dem Pkw direkt zum Kühlschrank fahren kann.

Ernährungsministerin Julia Klöckner wäre sicher angetan vom Schondorfer Kühlschrank. Sie betont immer wieder, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, weniger Lebensmittel wegzuwerfen: „Wir kaufen oft zuviel ein und verwerten die übrig gebliebenen Reste nicht weiter.“ Großspurig verkündet sie das Ziel der Regierung, dass aus Handel und Haushalten bis 2030 nur noch halb soviel Essen im Müll landen soll. Ein Rezept dazu aber präsentiert sie nicht. Im Gegensatz zu Eva Maria Zotter, die mit der Kühlschrank-Idee wenigstens ihren regionalen Beitrag dazu leistet.
Dieter Roettig

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