Wochenmarkt schon wieder passé?

 "Perspektivlosigkeit" macht Schondorfer Wochenmarkt zu schaffen

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Tote Hose am vorerst letzten Tag des Schondorfer Dorfmarktes. Kaum Anbieter und wenige Besucher vermiesten Veranstalter Peter Kaun die Stimmung. Ob es mit dem Markt weitergeht, liegt an den Verhandlungen mit der Gemeinde.

Schondorf – Liegt es an der unpopulären Bahnhofsgegend, am inzwischen ausgedünnten Angebot der Stände oder schlicht am fehlenden Interesse der Bürger? Jetzt, nach dem zumindest vorläufigen Ende des Schondorfer Wochenmarktes, darf über das Scheitern spekuliert werden. Nur 42 Freitage konnte Veranstalter Peter Kaun den Markt organisieren, also nicht mal das mit der Gemeinde vereinbarte Probejahr. Kaun, der in Dießen sehr erfolgreich jeden Mittwoch einen Viktualienmarkt betreibt, sprach über das Scheitern mit dem KREISBOTEN.

„Es ist schlicht und ergreifend die Perspektivlosigkeit, die mich dazu bewogen hat, das Projekt Dorfmarkt Schondorf einzustellen.“ So seien mit dem Biogemüsestand „Hand und Erde“ aus Windach und der Landmetzgerei „Konradhof“ aus Seefeld zwei wichtige Anbieter abgesprungen. Ersatz hätte Kaun sicher gefunden, aber es waren andere Probleme, die ihm die Lust am Weitermachen verdarben.

Trotz Absperrung hätten viele Autofahrer das Durchfahrtsverbot an den Marktfreitagen einfach ignoriert. Die Masse an Fahrzeugen auf den Besucherflächen sei gefährlich und nicht tolerierbar. Kaun: „Alle meine Bemühungen, hier eine Verbesserung zu erzielen, stießen auf Unwillen und verliefen sich ins Leere.“ Auch beim Busverkehr durch den Markt und die Bushaltestelle beim Bahnhof habe es immer wieder Komplikationen gegeben. Kaun: „Mir wurde zugesagt, dass man für die Busse an den Freitagen eine Lösung suchen würde. Aber bis dato sind noch nicht mal Verbesserung in Aussicht gestellt. Eine Lösung könnte sein, dass die Busse nur noch in eine Richtung durchfahren. An wen ich mich auch wende, alles löst sich im Nirwana auf.“

Bis heute ungelöst ist laut Peter Kaun die Strom-Problematik. Der aktuelle Baustromverteiler sei ein teurer Notbehelf mit vielen Kabelmetern, aber keine Dauerlösung. Schließlich moniert Kaun die Ablehnung des Gemeinderates für eine Überplanung des Bahnhofsareals: „Das ist auch ein klares Votum gegen den Dorfmarkt. Da sehe ich keine Zukunft.“ Klar gebe es in Schondorf schönere Plätze für einen Wochenmarkt. Aber denen fehle es an Infrastruktur wie Strom, Wasser, Besucher- und Anbietertoiletten oder Stellplätzen. „Für die Durchführung eines Marktes ist die Fläche vor dem Bahnhof einfach ideal“, betont Peter Kaun.

Der Aderlass beim Angebot sei tragisch und treffe auch andere Märkte. Dennoch hatte Schondorf einen tollen, wenn auch kleinen Markt. „Mit Engagement und guter Arbeit wäre das wieder ausbaufähig. Aber wir Marktleute haben keine Chance, wenn Vorurteile wie das Mantra der angeblich teuren Preise die Basis für politische Entscheidungen sind.“ Nach Kauns und anderer Marktleute Erfahrung dauere es drei Jahre, bis ein Wochenmarkt bei der Bevölkerung angekommen sei.

Der berühmte Tropfen zum Überlaufen des Fasses war für Peter Kaun die deutliche Ablehnung des Gemeinderates mit 19:1 Stimmen für die Ausrichtung des Dorffestes am 15. August. Hier habe Kaun die große Chance gesehen, für den Dorfmarkt ordentlich zu werben mit frischen selbstgemachten Nudeln, gehobelten Käse, mediterranen Vorspeisen, griechischem Wein oder hausgemachten Kuchen. „Für mich persönlich war das Dorffest der letzte Grund, mich weiter für den Dorfmarkt zu engagieren und die dürren Sommermonate zu überdauern.“ Diese Möglichkeit falle jetzt weg, nachdem man das Dorffest vom örtlichen Restaurant „Schondorfer“ ausrichten lasse. Kaun werde vom Gemeinderat wohl als „auswärtiger Invasor“ wahrgenommen, obwohl seine Frau als Mitgesellschafterin eine Schondorferin sei.

Kurz nach dem Interview des KREISBOTEN am letzten Markttag meldete sich Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann bei Peter Kaun und lud ihn zu einem Gespräch ein. Der damit etwas besänftige Kaun: „Er scheint durchaus gewillt, die Probleme anzugehen. Es gibt also Hoffnung.“

Dieter Roettig

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