Politische Teilhabe möglich machen

Schondorfs Bürgerbudget geht in die zweite Runde

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Regen Zuspruch findet die Bücherbox in der Wartehalle des Schondorfer Bahnhofs. Gebaut hat sie der Schondorfer Metallkünstler Thomas Lenhart.

Schondorf – Die anfangs von Skeptikern belächelte Idee, Bürger um Vorschläge für Projekte und Aktionen zur Gemeinde-Belebung zu bitten, scheint ein Erfolgsmodell zu werden. Aus den vielfältigen Einreichungen des vergangenen Jahres wurden einige schon realisiert – dank eines vom Gemeinderat genehmigten Budgets in Höhe von 10.000 Euro. Jetzt hat Schondorf für die gleiche Summe die nächste Runde des Bürger-Budgets ausgerufen und hofft wieder auf originelle Einreichungen bis zum 31. Juli.

Bürgermeister Alexander Herrmann freut sich auf Ideen, die das Miteinander in der Gemeinde fördern, das Leben im Dorf vielfältiger machen und möglichst klima- und umweltverträglich sind. Alle Schondorfer ab 14 Jahren sowie gemeinnützige Vereine, Initiativen und Nachbarschaften können sich beteiligen, wobei sie bei Annahme die Projektpatenschaft und Umsetzung innerhalb eines Jahres übernehmen müssen. Das Spektrum reicht dabei von einer Parkbank über ein Spiele-Event bis zu einem nachhaltigen Öko-Projekt.

Die Einreichungen können von den Ideengebern im Internet unter www.buergerbudget.schondorf-ammersee.de eingestellt oder schriftlich im Rathaus abgegeben werden. Nach der Vorprüfung durch die Gemeinde findet am 17. Oktober eine öffentliche Veranstaltung statt. Bei diesem „Marktplatz der Ideen“ kann man mit den Einreichern diskutieren und anschließend seinen Favoriten wählen. Wer am Veranstaltungstag verhindert ist, kann in der Folgewoche zur Stimmabgabe ins Rathaus kommen. Wobei natürlich nur in Schondorf gemeldete Bürger abstimmen dürfen.

Im nächsten Schritt wählt der Gemeinderat aus den zehn gewählten Favoriten die realisierbaren Projekte für das kommende Haushaltjahr aus. Dabei kann ein einzelnes Projekt maximal die Hälfte des verfügbaren Budgets bekommen.

Aus dem ersten Bürger-Budget gibt es bereits eine Reihe von Vorzeigeprojekten als nachahmenswerte Beispiele. Wie den „Schondorfer Gemüsegarten“ von David Bensmann in der Verlängerung der Blombergstraße, wo 32 Hobbygärtner ihr eigenes Gemüse anbauen. Natürlich mit einem Blühstreifen für Insekten.

Regen Zuspruch findet auch die Büchervitrine im Bahnhof nach der Idee von Sabine Pittroff. Motto: „Nimm eins, bring eins.“ Die Umschlaggeschwindigkeit, mit der Bücher eingestellt und mitgenommen werden, ist erstaunlich hoch. Die Aktion „50 Bäume für Schondorf“ steht kurz vor der Umsetzung, nachdem die Gemeindeverwaltung gerade eine Liste mit den Wunschpflanzplätzen prüft.

Das Projekt „Fairteiler“ für noch genießbare, aber nicht mehr verkäufliche Lebensmittel steht in den Startlöchern. Was noch fehlt, ist ein geeigneter Standort mit Stromanschluss als Umschlagplatz für die Lebensmittel.

Bürger-Budgets als Instrument der politischen Teilhabe gibt es bereits bundesweit in kleinen wie großen Kommunen. Die Verfahren ähneln sich, wobei das Kernstück drei Punkte sind: Bereitstellung eines Etats im Haushalt, rechtliche und satzungsgemäße Prüfung der Vorschläge sowie Bürgerbeteiligung zur Verwendung der Finanzmittel. In Schondorf wurde das Bürger-Budget von der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ initiiert.
Dieter Roettig

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