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Die Nackte, der Jäger und der Maler

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Von: Dieter Roettig

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Schondorf Seeanlagen Votivtafel Heinz Rose
Die Votivtafel mit Leibl als Maler und Freiherr von Perfall als Jäger ist wieder auf der Seepromenade zu bestaunen. Hier Andreas Kloker und Dorothee Mayer-Tasch nach der Montage. © Roettig

Schondorf – Ein berühmter Kunstmaler malte einst einen noch berühmteren Kollegen beim Malen, der indessen etwas ganz anderes als sein Modell malt – nämlich eine nackte Frau. Das klingt verwirrend, ist aber jetzt wieder auf der Schondorfer Seepromenade zu besichtigen. Künstler Andreas Kloker hat das wie eine Votivtafel anmutende Werk von Heinz Rose an einer rund 80 Jahre alten Weide direkt beim Dampfersteg befestigt, nachdem es monatelang im gemeindlichen Bauhof geschlummert hatte. Die Weide, an der es ursprünglich befestigt war, musste gefällt werden.

Initiiert hatte die Wiederauferstehung der „Schondorfer Kreis für Kultur- und Landschaftspflege“ um Dorothee Mayer-Tasch. Sie ist ein absoluter Fan des Schondorfer „Hauskünstlers“ Heinz Rose (1902 – 1971), der das Bild seines Kollegen Wilhelm Leibl (1844 – 1900) beim 1876 stattgefundenen Porträtieren des Freiherrn Anton von Perfall als Jäger gemalt hatte. Allerdings ist hier auf der Leinwand Leibls im Bild nicht der Weidmann von Perfall zu sehen, sondern – warum auch immer – die Skizze einer nackten Frau.

Dazu sagt Dorothee Mayer-Tasch: „Heinz Rose war eine sehr humorvolle Malerpersönlichkeit und hatte wohl keine Lust, auf seiner Votivtafel nochmals den Jäger zu malen.“ Das wirkliche Leibl-Porträt seines Freundes Perfall mit dem Titel „Der große Jäger“ ist verschollen. Eine Kopie aber soll im Greifenberger Schloss der von Perfalls hängen.

Wilhelm Maria Hubertus Leibl, als Maler ein bedeutender Vertreter des Realismus in Deutschland, lebte ab 1875 nur für zwei Jahre im damaligen Unterschondorf, nachdem er sich aus dem hektischen Münchner Kulturbetrieb zurückgezogen hatte. Er wohnte im Eckhaus „Beim Fischer“ an der Seestraße, wo sein abendliches Quantum angeblich bei sechs Maß Bier lag.

Der Maler Leibl verliebte sich gegen den Willen ihrer Eltern unsterblich in die Wirtstochter Resi, die dann auch bald von ihm schwanger wurde. Als der Säugling mit nur neun Monaten starb, wurde Leibl depressiv und zog von Schondorf weg. Zur Aufarbeitung dieser Zeit malte er ein Bild mit dem Titel „Das ungleiche Paar“. Es zeigt ihn als ungepflegten alten Mann, der seinen Arm um die junge Geliebte legt. Das Gemälde hängt heute im Städel, offiziell das „Städelsche Kunstinstitut“ in Frankfurt am Main.

Heute erinnert noch der Wilhelm-Leibl-Platz und eben die Bildtafel auf der Promenade an sein zweijähriges Ammersee-Gastspiel. In der Fachwelt kursieren die unterschiedlichsten Beurteilungen über Leibls Schaffen. Die einen nennen ihn gar den „bedeutendsten Maler seit Rembrandt“, andere den „Meister bajuwarischer Folklore“ wegen seiner unzähligen kaum geschönten Porträts von Bäuerinnen, Händlern oder Apothekern. Der laut eigener Aussage „Menschendarsteller“ war dabei besessen von der Akribie, jede Gesichtsfalte und jedes Haar fotorealistisch wiederzugeben. Er gilt auf jeden Fall als einer der bedeutendsten Maler des Realismus und reinmalerischen Stils in Deutschland.

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