Schreckliches Ende eines Ausfluges

Die schwer beschädigten Wracks auf der Fahrbahn der Kreisstraße OAL1 bei Seeg im Allgäu zeugen von der Wucht des Aufpralls. Foto: Knoll

Unfassbar: Drei Brüder unternehmen gemeinsam eine Motorradtour und nur einer kehrt lebend zurück. Bei einem schweren Verkehrsunfall nahe Seeg im Allgäu sind am Dienstagnachmittag der 76-jährige Xaver Kößl und sein Bruder Michael Kößl (73) ums Leben gekommen. Rudolf Kößl (64) kam mit leichten Verletzungen davon. Denklingen ist geschockt und in tiefer Trauer.

Laut dem derzeitigen Kenntnisstand der Polizei dürfte eine „Fehleinschätzung beim Überholen“ Ursache des schrecklichen Unfalls gewesen sein. Die drei Motorradfahrer aus dem Lechrain waren gegen 14 Uhr auf der Kreisstraße OAL1 in der Nähe von Seeg unterwegs. Als der Fahrer eines VW Golf auf Höhe des Schwaltenweihers nach links abbiegen wollte, musste er wegen eines entgegenkommenden Autos anhalten. Deshalb bremste auch der Fahrer des nachfolgenden VW Passat ab. Die drei nachfolgenden Kößl-Brüder wollten diese Autos laut Polizei überholen und übersahen offensichtlich ein entgegenkommendes Fahrzeug. Während der vorne fahrende Rudolf Kößl noch auswei­chen konnte, prallten seine Brüder Xaver und Michael nach dem derzeitigen Ermittlungsstand sowohl in einen vor ihnen langsam fahrenden VW Passat als auch in den entgegenkommenden Wagen. Sie verstarben trotz sofortiger Erster Hilfe noch am Unfallort. Rudolf Kößl und der 66-jährige Fahrer des entgegenkommenden Autos, dessen Beifah­rerin sowie der Lenker des abbiegenden Golfs verletzten sich leicht beziehungsweise erlitten einen Schock. Sie wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kempten beauftragte einen Gutachter, um den Unfallhergang zu analysieren. Denklingen ist erschüttert und trauert um Xaver und Michael Kößl „Wir sind zutiefst geschockt.“ Das hat man nach dem schrecklichen Motorradunfall in Seeg überall im Ort gehört. Schließlich gibt es in Denklingen nur ganz wenige, die die Brüder Kößl nicht kannten. Xaver und Michael Kößl waren in Denklingen äußerst aktiv und stark in das Ortsgeschehen eingebunden. „Die beiden haben enorm viel in die Dorfgemeinschaft eingebracht und waren allseits bekannt und beliebt“, sagte Bürgermeisterin Viktoria Horber – „das ganze Dorf fühlt jetzt mit den Familien mit“. „Ich kann es immer noch nicht fassen, mir schnürt es den Hals ab“, trauert Peter Brich. Der tödlich verunglückte Michael Kößl war sein „bester Spezl“, mit ihm und seinen Brüdern war Brich oft mit dem Motorrad unterwegs. Erst vor 14 Tagen war er noch mit seinem verstorbenen Freund mit dem Motorrad in Sardinien. „Die Kößls waren immer schon Motorradfahrer, das war ihr Leben“, erzählt Brich, der die Brüder aber trotzdem immer als besonnene Fahrer erlebt hat: „Das waren keine wilden Fahrer“, betont der Freund, der sich einfach nicht erklären kann, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Im Schützenverein, den Michael Kößl 14 Jahre lang als Vorsitzender führte, erlebte Peter Brich, selbst Gauschützenmeister, den Verstorbenen als ein „Vorzeigevereinsmitglied“, der sich immer uneigennützig für die Belange des Vereins eingesetzt habe. Ein „Vereinsmensch durch und durch“ war auch Xaver Kößl, der sich über Jahrzehnte hinweg stark im Sportverein engagierte und dort seit 1998 auch Ehrenmitglied war. „Er war die gute Seele des VfL Denklingen“, erklärt Bürgermeisterin Horber. Besonders profitierten die Langläufer in Denklingen und Umgebung von Xaver Kößl. Nach ergiebigen Schneefällen war er stets mit dem Spurgerät unterwegs war. Die von ihm bestens präparierten Loipen waren weit über den Landkreis hinaus bekannt und immer gut besucht. „Er war ein Supertyp, und vielen von uns auch eine Vaterfigur“, erinnert sich der Kassier des Sportvereins, Peter Gleich (50). Wie viele andere Fußballer im Ort auch wurde er als kleiner Bub vom „Xari“ trainiert. Nach Bekanntwerden der Todesfälle trafen sich die Verantwortlichen des Sportvereins am Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung, um die bevorstehenden Fußballnachwuchsspiele abzusagen. Abgesagt wurde in Denklingen auch das große Jubiläum des Frauenbundes, das am Samstag gefeiert werden sollte. Auch Rudolf Kößl (64), der das Unglück als einziger leicht verletzt überlebte, ist allseits bekannt: Lange Zeit war er Hausmeister an der Grundschule, und wie seine Brüder ist er auch sportlich sehr engagiert, insbesondere im Eishockey.

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