Konzert im Stadttheater Landsberg

Schuberts „Nacht“ am frühen Abend

Cellistin Anja Lechner und Gitarrist Pablo Márquez
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Wie ein Leuchten in der Dunkelheit: Cellistin Anja Lechner und Gitarrist Pablo Márquez brillierten im Stadttheater mit Musik von Schubert bis Villa-Lobos.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Einen „Neustart aus der Stille heraus“ kündigt Musikorganisator des Stadttheaters Edmund Epple an: Cellistin Anja Lechner und Gitarrist Pablo Márquez mit „Die Nacht“. Und das auch noch, zeitlich perfekt, zur Blauen Stunde am frühen Sonntagabend. Schuberts Lieder sind die Einleitung zu einer Reise nach Argentinien, Brasilien und – am Ende – wieder zurück nach Wien.

Dunkelheit, im Hintergrund der Vorhang mit dunkelrotem Schimmer, vor ihm Lechner und Márquez mit ihren Instrumenten und einem Klang aus Samt. Entspannter kann ein Sonntag nicht enden. Auch nicht harmonischer. Dass die beiden schon seit 18 Jahren zusammen spielen, ist zu hören: ein Miteinander-Spielen, das seinesgleichen sucht. Und bei dem keiner in den Vordergrund drängt.

Den Anfang macht eine Nocturne des Regensburgers Friedrich Burgmüller: ein Zeitgenosse von Franz Schubert, dessen „Nacht“ die beiden Musiker ohne erkennbare Pause an die Nocturne anschließen. Im Gegensatz zu Burgmüller, dessen Werk im Original für Cello und Gitarre geschrieben ist, haben Lechner und Márquez Schuberts Lieder, eigentlich für Klavier und Stimme, neu arrangiert. Das funktioniert blendend: Die ‚Stimme‘ übernimmt Lechner mit ihrem Cello, schlicht, teilweise im Pianissimo, bei dem sich die Haare des Bogens mit den Saiten ‚verzahnen‘ und ein Rauschen erzeugen – wie die Pfeifen beim Schlusslied, dem „Leierkastenmann“, bei dem Márquez‘ Gitarre ausnahmsweise selbst die Stimme übernehmen darf.

Auf nach Südamerika

Spannend wird es nach Schubert: Mit einem gezupften Impro leitet Lechner das für Sologambe geschriebene Präludium von Carl Friedrich Abel, einem Zeitgenossen des jüngsten Bachsohns Johann Christian, ein. Leichte Triolen in auf- und absteigenden Dreiklängen, die Lechners Bogen wippen lassen, stehen neben breiten Klängen. Beeindruckend ist Márquez anschließendes Solo, eine Milonga von Piazzolla, samt einer Textpassage von Jorge Luis Borges‘ „Jacinto Chiclana“, die Márquez selbst spricht. Wobei seine Worte nahezu die dritte Stimme zu sein scheinen: Schließt man die Augen, meint man, zwei Gitarristen spielten, so virtuos setzt Márquez Melodie und Begleitung um.

Carlos Guastavinos Lied „Milonga de dos Ermanos“ schließt diesen zweiten, südamerikanischen Konzertteil. Ein Lied, bei dem die ‚Stimme‘ des Cello an den klagenden Fado erinnert.

Im dritten Teil reisen Lechner und Márquez nach Brasilien – und ersetzen spielend eine Stimme und sechs Celli: bei den „Bachianas Brasileiras“ des als Vater der brasilianischen Musik geltenden Komponisten und Cellisten Heitor Villa-Lobos. Ein Stück, dass sich mit einem leisen letzten Teil, das dem Cello fast die Stimme zu rauben scheint, in die Stille schleicht.

Dass Gnattali Radamés‘ Sonate für Cello und Gitarre geschrieben wurde, ist deutlich zu hören: Der zeitgenössische brasilianische Komponist setzt die Stärken der beiden Instrumente gezielt ein. Wobei das Cello auch Spielweisen der Gitarre übernimmt – und Lechner unisono mit Márquez zupfen und sogar ‚schrammeln‘ darf.

Das Publikum lässt sich auf den Sog der Töne ein. Zwischen einzelnen Stücken ist kein Laut zu hören. Erst am Ende braust Applaus. Die Zugabe reist wieder nach Wien: zu Ferdinand Rebay, Chormeister des Wiener Schubertbundes. Und so leicht und augenzwinkernd die beiden das Stück spielen, meint man fast, Hans Mosers heisere Stimme der „Reblaus“ zu hören.

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