Damit die Schule wieder öffnet...

Schüler der Katharinenschule Landsberg haben fast 1.500 Papierkraniche gefaltet

1.458 Origami-Kraniche  an der Decke der Katharinengrundschule Landsberg.
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1.458 Origami-Kraniche fliegen an der Decke der Katharinengrundschule Landsberg.
  • vonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Der Kranich steht für ein langes Leben und Gesundheit. In China ist er gar göttlicher Himmelsbote, in Japan spricht man ihm 1.000 Lebensjahre zu. Und daraus ist wohl auch das Versprechen erwachsen: „Faltest du 1.000 Kraniche, wird dir ein Wunsch erfüllt.“ Ein Versprechen, das sich alle 235 Schüler der Katharinengrundschule Landsberg zu Herzen genommen haben. Ihr sehnlichster Wunsch war es, wieder in die Schule gehen zu dürfen. Und siehe da, zahlreiche Kraniche später hat es funktioniert – wenn auch bisher nur im Wechselunterricht.

Die Initiatorin der Kranich-Bastel-Challenge war Lehrerin Heidi Bridgeman. „Wir hatten uns schon zum Jahreswechsel überlegt, was wir machen könnten.“ Eventuell Glücksschweinchen basteln? Aber dann bekam Bridgeman von einer Bekannten einen Origami-Kranich geschenkt. Und dazu eine Geschichte aus Japan:

Sadako Sasaki ist zwei Jahre alt, als die Atombombe Hiroshima zerstörte. Zehn Jahre später erkrankt sie an der Strahlenkrankheit, Leukämie. Durch das Falten von 1.000 Kranichen hoffte sie, wieder gesund zu werden. Laut einem Buch von Eleanor Coerr fängt Sadako noch in der Klinik mit dem Falten an. 644 Kraniche schafft sie, danach ist sie zu schwach. Die restlichen falten ihre Freunde – und begraben Sadako mit 1.000 Kranichen. Seit 1958 steht im Friedenspark von Hiroshima die Statue von Sadako. Auf ihrem erhobenen Arm sitzt ein Kranich. Und jedes Jahr zum Friedensfest hängen dort Girlanden aus Papierkranichen.

Die Geschichte beeindruckt und berührt Bridgeman. Und weil sie die Sehnsucht ihrer Schüler nach der Öffnung der Schule kennt, startet sie die Kranich-Challenge: „Wir basteln jetzt 1.000 Kraniche, dann macht die Schule wieder auf“, schlägt sie den Schülern in den elf Klassen vor. Und es klappt: Alle 235 Schüler machen mit und falten zuhause, was das Zeug hält. Zwischenzeitlich sei sogar im Drogeriemarkt das Origamipapier ausverkauft gewesen, habe ihr eine Kollegin erzählt.

Insgesamt haben elf Klassen und 235 Schüler mitgebastelt.

„Das war ein toller Zusammenhalt der ganzen Schüler“, erinnert sich die Lehrerin. Und auch das Versprechen der 1.000 Kraniche erfüllt sich: „Als wir so ungefähr bei 1.200 waren, kam die Schul-Öffnung. Das ist natürlich ein pädagogischer Knaller“, sagt Bridgeman und lacht.

Die Lehrerin hat jeden einzelnen Papierkranich in die Hand genommen und immer mehrere zusammen aufgefädelt. „Das war schon ziemlich viel Arbeit“, erinnert sich Bridgeman. Bei 1.458 Kranichen zog sie die Reißleine – „auch wenn die Kinder gerne noch weitergebastelt hätten.“ Das Aufhängen sei dann „ein richtiges Kunstwerk“ gewesen. Jetzt schweben die Vögel an einem Gitter. Dass es so funktionieren könnte, war schnell klar. „Aber woher so ein Gitter bekommen? Die Baumärkte hatten ja zu“, sagt Bridgeman. Über zig Ecken hätte sie dann das Gitter bekommen. Sodass jetzt ein Schwarm kunterbunter Origami-Kraniche am Himmel der Kathariengrundschule flattert.

Gewonnen hat die Challenge übrigens die Klasse 3c mit 377 gefalteten Kranichen. Aber jede Klasse soll eine Urkunde mit der Anzahl der gefalteten Kraniche bekommen, sagt Bridgeman. Wenn wieder alle in der Schule sind. Und wer weiß, vielleicht geht ja auch dieser Wunsch bald in Erfüllung. Es sind ja noch 458 Kraniche ‚übrig‘.
Susanne Greiner

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