Vom Schüler zum Forscher

So macht Schule Spaß: Die Elftklässler des W-Seminars „Klimawandel in den Alpen“ absolvierten eine Woche lang ein spannendes Gletscherpraktikum im Venter Tal. Foto: kb

In langjähriger DZG-Tradition und bereits zum zweiten Mal im Rahmen eines W-Seminars hat sich kürzlich eine Schülergruppe an den Vernagt-Ferner ins Venter Tal, einem Seitental des Ötztals, aufgemacht. Für die Schüler des W-Seminars „Klimawandel in den Alpen“ stand die willkommene Abwechslung zum Schulalltag auf dem Plan: mit den langjährigen Partnern der Kommission für Glaziologie ging es zum Gletscherpraktikum auf den Vernagtferner im Ötztal.

In Begleitung von Seminarleiterin Regina Reichert und dem bereits Himalaya-erfahrenen Peter Weber wollte die Gruppe aus 14 Schülern zunächst zur 2755 Meter hoch gelegenen Vernagthütte aufsteigen, die für die gesamte Praktikumswoche als Stützpunkt dienen sollte. So hieß es: Wanderschuhe schnüren, Rucksack auf und los! Denn die rund 750 Höhenmeter, die die Truppe von der Unterkunft, der Vernagthütte trennten, waren selbstverständlich nur zu Fuß zu bewältigen. „Auch wenn uns der Aufstieg ganz schön ins Schwitzen brachte, wurde er doch von allen ohne größere Probleme zurückgelegt, und wir erreichten am frühen Nachmittag die Vernagthütte“, berichtet Schüler Dominik Sirch. Bereits am zweiten Tag trafen die Schüler auf die Wissenschaftler vor Ort: den Wissenschaftlichen Leiter der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Dr. Ludwig Braun sowie den extra aus Berlin angereisten Warmuth Koch vom Deutschen Alpenverein. Unter-stützt wurden sie von den beiden Studentinnen Jacqueline und Paula. „Aufgeteilt in vier Gruppen sollten wir uns von nun ab immer abwechselnd mit den verschiedensten Arbeitsaufträgen befassen“, erklärt Sirch. „So wanderten wir von der Hütte entweder hinunter zur Pegelmessstation am Vernagtbach oder hinauf zum Gletscher beziehungsweise dem Gletschervorfeld.“ An der Pegelstation bekam die Gruppe von Dr. Braun eine Einführung in die Methoden zur Messung des Wasserdurchflusses sowie die Funktionsweisen der vielen verschiedenen meteorologischen Messgeräte. „Alles, womit wir uns in der Vorbereitung während des Jahres nur theoretisch beschäftigt hatten, konnten wir uns nun in echt von einem professionellen Wissenschaftler erklären lassen.“ Nachdem Ludwig Braun die Wettermessungen erklärt hatte, wurden Reicherts Schüler auch sofort selbst beauftragt einige Messungen durchzuführen. „Unsere Ergebnisse wurden daraufhin in die der Forscher mit aufgenommen“, sagt Dominik Sirch. „Man kann also sagen, dass wir nun auch einen klitzekleinen Beitrag zur Wissenschaft geleitet haben.“ Auch befassten sich die Wanderlustigen mit den Methoden der Gletscherforschung, wie etwa das Bohren von Löchern in die Eisdecke zur Befestigung von Messlatten oder dem Vermessen der Oberfläche. „Auch im Gletschervorfeld waren wir unterwegs, wo wir unter anderem die dort vorkommenden Pflanzen bestimmten und aufnahmen.“ Damit auch die Kreativität nicht zu kurz kam, zogen die Seminarteilnehmer mit Warmuth Koch los, um das gewaltige Bergpanorama zu zeichnen und zu fotografieren. „Auch wenn viele Schüler zuvor Unbehagen vor einer Kunststunde in den Bergen hatten, waren hinterher doch alle mit ihren Werken zufrieden.“ Allerdings wurde die Arbeit auf dem Gletscher kurzzeitig von einer anderen Aktion unterbrochen. „Wir durften uns, begleitet von zwei erfahrenen Bergführern, als richtige Bergsteiger versuchen und bestiegen bei strahlendem Sonnenschein den Fluchtkogel mit knapp 3500 Meter Höhe“, so Sirch. Damit keiner in eine Gletscherspalte fallen konnte, ging es angeseilt über den Gußlarferner und dann weiter nach oben bis zum Gipfel des Fluchtkogels. Der mühsame Aufstieg wurde mit einem beeindruckendem Ausblick belohnt. Der Abschied von den Bergen, dem Gletscher, den Forschern und der Hütte löste gemischte Gefühle bei den Schülern aus und die meisten nahmen sich vor, bald mal wieder in die Berge zu gehen. „Doch so sehr wir uns an unser Lager auf der Hütte gewöhnt hatten und so sehr wir die Woche am Gletscher genossen hatten, war es doch für einige von uns an der Zeit für eine – warme – Dusche.“

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