Wenn die Schuldenfalle zuschnappt

Die Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas hilft in finanziellen Notlagen

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Eine finanzielle Notlage ist manchmal schneller da als erwartet. Die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Caritas versucht, gemeinsam Lösungen zu finden.

Landkreis – Vor 24 Jahren fing die Caritas Landsberg mit der Schuldnerberatung an. Damals mit 32 Klienten. Heuer waren es bis jetzt bereits 175. Kaum zu schaffen für Sybille Stengelin von der Beratungsstelle. Sie arbeitet 20 Stunden pro Woche in der Schuldnerberatung – finanziert durch den Landkreis – und sieben Stunden in der Insolvenzberatung, finanziert über Fallpauschalen und die Caritas. Weshalb sich die Beratungsstelle vom Landkreis eine Aufstockung wünscht. Idealerweise auf zwei Vollzeitstellen.

Eine Aufstockung sei vor allem deshalb notwendig, weil die bisherige Finanzierung seit 1994 unverändert bestehe, „obwohl wir inzwischen ein Drittel mehr Einwohner im Landkreis haben“, erklärt die Beraterin. Hatte der Landkreis im ersten Jahr 1994 noch 88.000 Einwohner, sind es heute knapp 120.000. Dazu komme noch die Organisation und Durchführung von Präventionsveranstaltungen an Schulen und anderen Einrichtungen, betont Stengelin. Machbar sei das alles nur noch Dank eines sehr engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiters.

Seit 1. Juli ist die Insolvenzberatung auch gesetzlich Aufgabe des Landkreises. Zuvor waren Schuldner- und Insolvenzberatung getrennt, letztere fiel in die Zuständigkeit des Freistaates. Das Gesetz vereint nun beide sowieso kaum zu trennenden Bereiche. Und schiebt die Finanzierung an den Landkreis durch. Umgesetzt wird die Gesetzesentscheidung ab Januar 2019. Insolvenzberatung bei der Caritas umfasst die sogenante Verbraucherinsolvenz, ein vereinfachtes Insolvenzverfahren für Privatpersionen. Aber auch ehemals Selbstständige erhalten Unterstützung in einer Insolvenz. Vorausgesetzt, sie haben weniger als 20 Gläubiger.

Laut Gesetz vorgesehen ist pro 130.000 Einwohnern eine Vollzeitstelle. Für den Landkreis hieße das also eine 0,92-Vollzeitstelle, die er ab 2019 finanzieren muss. Zusammen mit der bestehenden Finanzierung von 20 Stunden fehlt nicht mehr viel zu den zwei Vollzeitstellen, die sich die Cartias wünscht. Denn dann wäre sie nicht mehr im Verbund anderer Beratungsstellen, sondern eigenständig.

Als eigenständige Beratungsstelle müsse sie keine komplizierten und umständlichen Absprachen mehr treffen, erläutert die Caritas-Mitarbeiterin. Dann wäre auch eine offene Sprechstunde möglich, ebenso ein Außensprechtag in Dießen. Denn viele Bedürftige hätten enorme Probleme, mit den öfffentlichen Verkehrsmitteln nach Landsberg zu kommen. Und auch der generelle Ablauf wäre leichter zu stemmen: „Die Wartezeit für einen Beratungstermin beträgt im Moment acht bis zehn Wochen.“ Für Menschen in finanziellen Notlagen sei es dann oft zu spät.

Nicht nur mehr Menschen leben im Landkreis. Auch immer mehr geraten in extreme finanzielle Notsituationen. Die Hauptursachen dafür liegen laut Caritas in überteuertem Wohnraum, Trennungen und Erkrankungen. Aber auch Niedrigeinkommen führten längerfristig zum Ruin. Und gut sieben Prozent der Klienten machen gescheiterte Selbstständige aus. Die meisten seien zwischen 40 und 50 Jahre alt, „aber das ältere Klien­tel nimmt immer mehr zu“, erzählt Stengelin. Die Altersarmut mache sich eben auch hier bemerkbar.

Die Caritas bemühe sich um eine „ganzheitliche“ Beratung. Denn die Probleme, die zur Finanzmisere geführt haben, seien meistens von tieferer Struktur, sagt Stengelin. Es gehe um ein psychosoziales Problem, zum Beispiel um die Vereinsamung und damit einhergehende Ausgrenzung, in die ihre Klienten oft rutschten. „Natürlich kann die Caritas nicht die Schulden übernehmen“, aber Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Insbesondere auch zur Steigerung des Selbstwertgefühls beitragen – eine Grundvoraussetzung, um wieder Fuß fassen zu können.

Wichtig sei die Existenzsicherung, Miete und Strom. Die Caritas erarbeite mit dem Klien­ten Möglichkeiten der Unterstützung durch öffentliche Gelder aus. Ob eventuell ein Bezug von oder eine Aufstockung durch ALG II möglich ist. Ebenfalls werden die Schreiben der Gläubiger, also die Rechtmäßigkeit der Forderungen geprüft. Und schließlich findet eine Budgetberatung statt. Ein Gesamtpaket, dass den Klienten wieder die Kontrolle über die eigenen Finanzen verschaffen kann.

Die Beratungsstelle der Caritas in Landsberg befindet sich in der Brudergasse 215 und ist unter Telefon 08191/9734558 zu erreichen. 

Susanne Greiner

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