Fast wie am ersten Schultag

Schule im Landkreis Landsberg: Was passiert am 11. Mai? 

PantherMedia B169315116
+
Ab Montag sollen die Prüfungsvorbereitungen für die diesjährigen Abschlussjahrgänge beginnen, am 11. Mai startet die Schule für die Abschlussjahrgänge 2021

Landkreis – Am 11. Mai ist es soweit: Die Schulen öffnen ihre Pforten – allerdings nur für die Schüler, die im kommenden Jahr ihre Abschlussprüfung ablegen werden. Für den Rest heißt es warten. Wie wird dieser eingeschränkte Neuanfang ablaufen? Der KREISBOTE sprach mit der stellvertretenden Schulamtsdirektorin Brigitte Sulzenbacher (Grund- und Mittelschulen) und mit der Schulleiterin des Ignaz-Kögler-Gymnasiums, Ursula Triller.

Wie wird der erste Schultag, der 11. Mai, ablaufen? Und wie könnten die Prüfungsvorbereitungen, die bereits Ende April möglich sein sollen, vonstattengehen?

Ursula Triller: „Der 11. Mai wird leider noch nicht für alle Schüler der ,erste Schultag‘ zurück am IKG sein können. An diesem Tag werden die Gymnasien für die Q11 geöffnet. Wann und wie der Präsenz­unterricht für die niedrigeren Jahrgangsstufen wieder losgehen kann, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Schon ab Montag, dem 27. April können wir, unter strengen Vorsichtsmaßnahmen, die Abiturvorbereitung für unsere Q12 in den Klassenzimmern wieder aufnehmen. Die Abiturienten besuchen ausschließlich den Unterricht in ihren Abiturfächern, es finden keine Leistungserhebungen statt. Zum Schutz unserer Schüler und Lehrkräfte gelten dabei besondere Rahmenbedingungen wie geteilte Klassen mit maximal 15 Schülern an Einzeltischen. Diese neue Klassensituation hat auch einen positiven Nebeneffekt: eine bisher so nicht mögliche individuelle Förderung in der Abiturvorbereitung!“

Brigitte Sulzenbacher: „Absolute Priorität hat der Schutz der Gesundheit. Die Schüler dürfen sich nicht infizieren und das Virus in ihren Familien weiterverbreiten. Deshalb wird der 11. Mai nicht für alle Schüler der Beginn des Unterrichts sein. Zwischenzeitlich werden die Schulen an der Umsetzung arbeiten, wobei Hygienemaßnahmen Priorität haben. Die Vorbereitung für die anstehenden Prüfungen an den Mittelschulen wird sich in erster Linie an den geforderten Prüfungsinhalten orientieren. Für die Schüler der Abschlussklassen wurde bereits in den vergangenen ‚schulfreien‘ Wochen das dafür notwendige Unterrichtsmaterial in digitaler oder anderer Form zur Verfügung gestellt.“

Einige wünschen sich auch die Öffnung von Grundschulen und Kita. Ist das sinnvoll?

Sulzenbacher: „Da eine Infektionsgefahr an Grundschulen oder auch in Kindertagesstätten viel zu hoch ist, ist die Entscheidung für die weitere Schließung vernünftig und sachgerecht.“

Halten Sie es angesichts der geringeren Vorbereitungszeit für gerecht, dass es kein Not-Abi geben wird?

Triller: „In Gesprächen zwischen dem bayerischen Landesschülerrat, Vertretern von Direktoren-, Lehrer- und Elternverbänden sowie der Staatsregierung war man sich einig: Ein Not-Abi kommt für Bayern nicht infrage. Das sehe ich auch so: Das objektive Interesse unserer Schüler kann nicht sein, ein ‚Abi­tur light‘ zu erwerben, sondern ein echtes, vollgültiges Abitur, das jedem Vergleich standhält. In den vier Wochen der Schulschließung waren unsere Abiturienten mit ihren Kursleitern in Kontakt und haben Arbeitsaufträge und Materialien erhalten, sodass sie sich gut vorbereiten und auch eventuell bestehende Lücken schließen konnten. Der Beginn der Abiturprüfungen wurde um drei Wochen nach hinten verlegt. Ich bin gewiss, dass sich unsere Schüler mit dem, was sie bisher gelernt haben und bis zum 20. Mai noch lernen werden, getrost den Prüfungen stellen können.“

Wie sieht es bei den anderen Prüfungen aus?

Triller: „Das Kultusministerium hat für die Q12 mitgeteilt, dass im Kurshalbjahr 12.2 keine Leistungserhebungen mehr stattfinden, und für die Notenbildung verschiedene Optionen genannt, bei denen jeweils die für den einzelnen Schüler günstigere Berechnungsvariante gewählt wird.“

Empfehlen Sie schlechteren Schülern, das Schuljahr zu wiederholen, da sie zu viel verpasst haben?

Sulzenbacher: „Dazu kann keine generelle Aussage getätigt werden, vielmehr muss der Einzelfall in Rücksprache mit den Lehrkräften und auch mit den Beratungslehrkräften und Schulpsychologen betrachtet werden.“

Triller: „Ich weiß, dass sich momentan viele Eltern Sorgen um das schulische Fortkommen ihrer Kinder machen, und ich kann sie hier ein Stück weit entlasten: Die derzeitige Lage soll nicht zulasten der weiteren Schullaufbahn unserer Schüler gehen, darin sind sich alle einig. Ministerpräsident Söder hat betont, niemand solle aufgrund der Coronakrise ein Schuljahr wiederholen müssen, und er hat besondere Maßnahmen, auch Lehrplananpassungen, angekündigt. Das ‚Lernen zuhause‘ kann den Unterricht vor Ort nicht ersetzen und bedarf auf jeden Fall einer sorgfältigen Nachbereitung, wenn die Schulen wieder für den regulären Betrieb geöffnet werden.“

Wie läuft der Kontakt zwischen Schulamt und Grund- und Mittelschulen?

Sulzenbacher: „Das Staatliche Schulamt steht im regelmäßigen Kontakt mit den Rektoren der Grund- und Mittelschulen. Wichtige Themen waren unter anderem die Organisation der Notbetreuung und Personalfragen. Problematisch ist, dass geplante Unterrichtsbesuche und Lehrproben nicht stattfinden können, auch hier bleibt abzuwarten, welche Regelungen durch das Staatsministerium getroffen werden.

Wie läuft das Home schooling? Welche Probleme gab es Ihrer Meinung nach, welche Resonanz kam von den Eltern?

Sulzenbacher: „Home schooling ist für alle eine enorme Herausforderung. Die Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen nehmen auf verschiedene Weise Kontakt zu ihren Schülern auf. Es hat sich gezeigt, dass einige Schulen bereits über eine sehr gute digitale Ausstattung verfügen, andere müssen alternative Möglichkeiten suchen, um den Unterrichtsstoff in adäquater Weise zu vermitteln. Nicht in allen Elternhäusern sind die entsprechenden Voraussetzungen für die Hardware vorhanden. In der Regel war die Resonanz bei den Eltern positiv, wenngleich in einzelnen Fällen eine intensivere Betreuung durch die Lehrkräfte erwünscht war.“

Triller: „Wir alle haben da Neuland betreten, unsere gewohnten Abläufe verlassen und neue Strukturen schaffen müssen. Trotz allem habe ich den Eindruck, dass das ‚Lernen zuhause‘ im Rahmen des Möglichen gut läuft, da sich sehr viele sehr engagiert einbringen: die Schüler, die sich auf neue Unterrichtsformen einlassen, die Lehrkräfte, die das Lernangebot zur Verfügung stellen und mit ihren Schülern in Kontakt bleiben, die Eltern, die einen möglichst geeigneten Lernrahmen für ihre Kinder schaffen und sie motivieren. Gerade haben wir von einer Schülermutter per E-Mail ein Feedback erhalten: ‚Ich habe das Gefühl, dass sich wirklich alle Lehrer etwas überlegen, wie wir diese Zeit bestmöglich überstehen und gut nutzen können. Vielen herzlichen Dank!‘

Dennoch, beim Home schooling bleiben viele Fragen offen, Rückmeldungen können nicht wie sonst gegeben werden. Wir alle vermissen den persönlichen Kontakt, die direkte, ‚reale‘ Kommunikation und Interaktion – und sei es nur durch ein Schulterzucken. Wir sehnen uns nach der Normalität, aber wir werden uns leider noch ein bisschen gedulden müssen.

Damit wir am IKG als Schulgemeinschaft verbunden bleiben, haben wir auf unserer Homepage www.ikg-landsberg.de ein ‚virtuelles Schulhaus‘ eingerichtet, in dem Schüler, Eltern und Lehrkräfte Bilder vom ‚Lernen zuhause‘ veröffentlichen oder kurze Mitteilungen über ihren ‚Home-schooling‘-Alltag hinterlassen können. Dort gibt es auch unsere ‚Virtuelle Informationstour‘ durch das IKG, die wir für Viertklässler und ihre Eltern zum Übertritt ans Gymnasium erstellt haben.“

Ist im Home schooling vielleicht auch etwas für zukünftige Methoden entstanden?

Sulzenbacher: „Die jetzige Situation trägt mit Sicherheit dazu bei, künftig über andere Methoden im Unterricht nachzudenken. Das digitale Lernen bildet seit längerer Zeit einen Schwerpunkt in der Lehrerfortbildung. Die Betreuung der Schulen durch den Berater ‚Digitale Bildung‘ erfolgt nun verstärkt, sodass das digitale Lernen auch künftig in den Fokus rücken wird.“

Triller: „Auf jeden Fall kann ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass die Corona-Krise für alle Schüler, Lehrkräfte, Eltern und für die Schulleitung eine Fortbildung in Sachen digitale Medien bedeutet.“

Was haben Sie aus dieser Situa­tion gelernt? Was könnte beim ‚nächsten Mal‘ besser laufen?

Sulzenbacher: „Zunächst ist abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und wann Schulalltag wieder stattfinden kann. Erst dann macht es Sinn, die Maßnahmen zu evaluieren und zu reflektieren.“
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company

Kommentare