Von schwebenden Violinen – Das "Schwarze Theater Prag" verzauberte mit "Lustigen Träumen"

Das Prinzip ist rund 1300 Jahre alt, die Idee scheint simpel: Vor einem schwarzen Hintergrund agieren schwarz gekleidete Schauspieler mit leuchtenden Gegenständen. Doch das Ganze in bezaubernde kleine Geschichten zu fassen ist das Erfolgsgeheimnis des Schwarzen Theaters Prag.

Das Schwarze Theater Prag existiert bereits seit 1961 und übernahm eine Tradition des Chinesischen Theaters. Bereits in der Tang-Zeit gab es in China eine Vorform des Varietés, bei dem unter anderem helle Gegenstände eingesetzt wurden, die von schwarz gekleideten Akteuren bewegt wurden. Das Ensemble von Ji_í Srnec hat diese Methode weitergeführt und perfektioniert. Seine Schauspieler agieren in kleinen Etuden gemeinsam mit Requisiten, die dank einer phosphoreszierenden Farbe aus dem schwarzen Hintergrund heraus leuchten und von unsichtbaren Puppenspielern zum Leben erweckt werden. Daraus ergeben sich verblüffende Effekte voller Witz und Magie: da laufen die Unterhosen auf der Wäscheleine hin und her, krabbeln plötzlich kleine Babystrumpfhosen aus dem Wäschekorb. Der Geiger kämpft mit seinem widerspenstigen Halstuch und der Violine, die sich für einen Hund hält. Aus einer Eisenkugel am Fußgelenk des Sträflings wird ein Sparringspartner, später schlüpft daraus eine kleine Puppe. Ein Betrunkener tanzt mit den Straßenlaternen, ein großer Fisch entführt den Taxifahrer in eine surrealistische Unterwasserwelt und verwandelt sich in eine Seejungfrau. Aus einem Tischtuch und vier Bierkrügen entsteht ein Pferd und damit ein ganzer Cowboyfilm. Ohne Worte, nur getragen von akustischen Effekten und Musik entstehen Szenen von nostalgischem Charme, die den Geist des Fin de Siècle atmen. Die Schauspieler agieren in der Tradition der klassischen Pantomime, dazu ein bisschen Clownerie, ein bisschen Commedia dell’Arte. Auch sie nutzen die Möglichkeiten des Schwarzen Kabinetts, verschwinden plötzlich, um an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Allerdings sind manche Szenen etwas zu lang geraten, sodass die Schauspieler die Spannung zum Teil nicht aufrechterhalten konnten. Die akustischen Effekte klangen des Öfteren zu schrill, zu laut und störten die zauberische Atmosphäre. Doch „Lustige Träume“ waren es allemal, die das Schwarze Theater Prag da ins Stadttheater zauberte – ein Abend voller Phantasie und Magie.

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