Das Ruethenfeststück von Herbert Walter

"Der Schwed" punktet mit Bühnenbild und spielfreudigen Kindern

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Das Ruethenfest-Theaterstück "Der Schwed" besticht mit ästhetischen Bildern und der großen Spielfreude der Kinder.
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Das Ruethenfest-Theaterstück "Der Schwed" besticht mit ästhetischen Bildern und der großen Spielfreude der Kinder.
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Das Ruethenfest-Theaterstück "Der Schwed" besticht mit ästhetischen Bildern und der großen Spielfreude der Kinder.
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Das Ruethenfest-Theaterstück "Der Schwed" besticht mit ästhetischen Bildern und der großen Spielfreude der Kinder.

Landsberg – Da liegt er, mitten in den Lechauen: der Schwed. Schwer verwundet, dem Tode nah. Aber der Feind. Und hätte auch manch Erwachsener den unliebsamen Gast gern ins Jenseits befördert: Die Kinder sehen in ihm das, was er ist: ein Mensch. Herbert Walters Ruethenfesttheater „Der Schwed“ spielt mit der Geschichte, zitiert Mythen, beschreibt Realität und zeichnet Alpträume. Ein großes Potpourri an beeindruckenden Bildern, die die etwas dünne Handlung aufpolieren.

Dass „Der Schwed“ kein Schenkelklopfer ist, wird schnell klar. Da krächzen Krähen, „die Seelen der erschlagenen Schweden“. Sie werden abgelöst von der Stimme der Großmutter (Mirjam Kendler), die Märchen erzählt – eher eine apokalyptische Horrorstory: „Es war einmal ein arm Kind und hat kei Vater und keine Mutter war Alles tot und war Niemand mehr auf der Welt.“ Es ist „Der Hafen“, das Märchen aus Büchners „Woyzeck“. Nach der letzten Zeile tritt eine Schwangere auf. Das Kind will sie nicht und auch nicht ihr Leben

Düster ist die Welt des 30-jährigen Krieges. Allein die Kinder stehen dagegen. Sie sitzen am Lech – der einen Kopf hat, türkis, einem Sofakissen nicht unähnlich. Der sprechen kann, Schnaps trinkt und Schmutz, den man hineinwirft, wieder ausspuckt. In ihm schwimmt allerlei: bunte Fische, einer mit Fesselballon – ein fliegender Fisch. Quallen mit fluffigen Tentakeln, sogar U-Boot-Rohre, oder? Auf jeden Fall ein Krokodil, „ein Geschenk des Klimawandels.“ Aber auch über der Kinderwelt steht das Grauen: gezeigt in Alptraumsequenzen mit Eiskönigin, Widderkopfmenschen, zweibeinigen Menschenhasen. Garniert von drei Betschwestern, die das ‚Gegrüßet seist du Maria‘ lamentieren.

Um die Alpträume zu vertreiben, fordert der Lehrer (Robert Steer) die Kinder auf: „Ihr sollt träumen von einer besseren Welt.“ „Ich will Stadtschreiber werden!“, ruft Tobias (Luis Steer). Ein Mädchen will heiraten (Johanna Reimler), ein anderes Bürgermeisterin werden. „Ich will Kasperl werden, nicht Gretel!“, juchzt ein Mädchen (Emilia Huber). Und ein Bub (Jonas Herzig) träumt vom Fliegen. Man nennt ihn Wolfmüller.

Walter packt neben historischen Figuren auch Realität ins Stück: Markttreiben mit geifernden Marktfrauen, ein Flößer, der sich ‚bestechend‘ durchs Leben laviert. Und natürlich der Schwed (Götz Hofmann), der von „zerquetschten Schädeln und heraushängendem Gedärm“ erzählt. Der verletzt ist und den Bürgermeister (Andreas Bahmann) und Ratsherr (Welf Wacker) dem Tod überlassen wollen. Aber da sind die Kinder. Die ihn verstecken, um ihn gesund zu pflegen. Und darum geht es: Um ein Zeichen gegen die Hässlichkeit von Gewalt Krieg, Gier und Tod zu setzen. Für eine bessere Welt. Was im Stück damit belohnt wird, dass die Schweden unverrichteter Dinge abziehen.

Herbert Walter, der auch mit Julia Andres und Florian Werner Regie führt, packt enorm viel ins Stück: Träume und Alpträume, Geschichte, Fantasie, Moral und Religion, Krieg und Frieden. Da gibt es viel Gelungenes: die Obrigkeit (Andreas Popp) auf seinem polyglotten Pappmaché-Pferd, die Eisfischer in Fell. Die Puppen des Stadtschreibers und des Pfarrers, ein beeindruckendes Bühnenbild, schöne Kostüme. Und auch einzelne Szenen wie die, in der der Schwed deutsch lernt und Leberkässemmel isst, das Geld dafür wird aus dem Opferstock geklaut. Oder wenn der Lech den Straßenkehrer zur Ordnung pfeift. Und natürlich das Krokodil.

Dennoch wirkt das Stück ein wenig abgehackt, ein Kaleidoskop, das bei jedem Blick ein zwar schönes, aber neues Bild zeigt, ein Stück, das Augenblicke aneinanderreiht. Und darüber den Roten Faden verliert. Ein Genuss ist, den Kindern beim Spielen zuzusehen. Denn sie lieben ganz offensichtlich jede Sekunde auf den Brettern, die kurzzeitig ihre Welt sind.

Susanne Greiner

Weitere Termine unter www.stadttheater-landsberg.de/programm.

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