Wo Schwein noch Schwein sein darf

Geschäftiges Treiben umgibt das Schloss, ein Bagger schaufelt Erde von einer Seite zur anderen, Stimmen hinter dem Hühnerstall zeugen von arbeitenden Menschen. Tür und Tor des alten Gemäuers stehen weit und einladend offen, Geräusche von Waschmaschine und Staubsauger dringen nach außen. Statt einer Türglocke befindet sich ein Codenummernschloss am Eingang. Eilig kommt ein großer, schlanker und lässig gekleideter Mann die Auffahrt herauf. Der „Schlossherr“ ist überraschend jung. Mit einem ernsten, aber offenen Gesicht lächelt er vorsichtig, bevor er die Hand zum Gruß reicht. „Ich bin Robert Schmid!“

Seit Jahrhunderten thront, von weitem sichtbar, das herrschaftliche Schloss Unterdießen auf der höchsten Kuppe einer Anhöhe über dem Lech, der durch die Gletscher der Eiszeit aufgeschichtet wurde. Von der Schlossterrasse aus ist die Aussicht atemberaubend. Im Süden die schneebedeckten Berge, im Norden erahnt man die Stadt Landsberg, nach Osten scheint es keine Grenze zu geben. Weich fällt die Endmoränenlandschaft in sanften Abstufungen gegen den Lech und darüber hinaus in die Endlosigkeit. Dieses Panorama lässt die Gedanken frei fliegen, die Welt in ihrer Gesamtheit erfassen, bewegt Ro- bert Schmid, den Eigentümer des prächtigen Anwesens, wie sich im Gespräch mit dem KREISBOTEN zeigt. Seine mit lehmiger Erde verschmutzten Schnürstiefel lassen keinen Zweifel, er ist nicht nur Schlossherr, sondern jemand, der selbst anpackt. „Soll ich Ihnen das Gelände zeigen?“ fragt er mit einem zweifelnden Blick auf das bescheidene Schuhwerk seines Besuches. Mit Fußbekleidung kennt sich der Einzelhandelsunternehmer aus, ist er doch das Oberhaupt eines Familienunternehmens, das überwiegend in den beiden letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im südbayrischen Raum sein Geld mit dem Handel von Schuhen gemacht hat. Kein Wurm im Boden In ruhigen Worten erzählt Schmid von seinen Beweggründen, hier oben Landwirtschaft nach den strengen Kriterien des Demeterverbandes zu betreiben. Aus persönlicher Erfahrung ist er zu dem Schluss gekommen: „Die Voraussetzungen für ein gesundes Leben sind gesunde Lebensmittel!“ Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, auf die sich der älteste Bio-Anbauverband Deutschlands beruft, stammt aus der griechischen Mythologie. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand die Bewegung als Gegenpol zu der sich rasch ausbreitenden industriellen Landwirtschaft mit Monokulturen und Massentierhaltung. „Hier im Boden war überhaupt kein Regenwurm mehr da,“ schildert er die anfänglichen Schwierigkeiten, „ durch den einseitigen Anbau von Mais, ist er völlig verdichtet und ausgelaugt gewesen. In- zwischen aber siedeln sie sich, dank der konsequenten Einarbeitung von Kompost, allmählich an.“ Der Vater von drei Kindern möchte etwas Bleibendes schaffen, kurzfristiger Erfolg interessiert ihn nicht. „Es befriedigt mich, wenn meine Kinder einst den vollen Ertrag meiner Arbeit ernten können,“ sagt er lächelnd. Ein Ort der Ruhe Vor sieben Jahren hat Schmid das Schloss gekauft und insgesamt fünfeinhalb Jahre nach denkmalpflegerischen Forderungen und seinen Bedürfnissen renoviert und umgebaut. „Meine Frau und ich wohnen seit eineinhalb Jahren mit unserem kleinen Sohn und meinen beiden fast erwachsenen Töchtern hier im Schloss. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich nach einem anstrengenden Tag aus meiner Firma in diese Ruhe zurückkehren kann. Oft bin ich so müde, dass ich mit meinem Sohn gleich um acht Uhr abends einschlafe.“ Einem Garten ähnlicher denn einem klassischen Feld- und Obstanbau, findet man auf dem weiten Areal verteilt großzügige Gehege, in denen freilaufende Schweine den Boden pflügen, Dammwild und Schafe auf einer mit alten Sorten bepflanzten Streuobstwiese äsen und zottige Hochlandrinder auf der Weide genüsslich wiederkäuen. Alleen von Ebereschen warten auf ihre Blüte, Erdbeeren verhindern Erosion und Austrocknung des Bodens der im Spalier gepflanzten Apfelbäume, dazwischen halten Rosen die Läuse von den Blüten fern. Die richtige Mischung von Feldwirtschaft, Obstanbau und Tierhaltung garantieren ein nahezu autarkes Wirtschaften. Demeterbauer Schmid scheut keine landwirtschaftliche Herausforderung. Einige Reihen Spargel sind angesetzt, weiteres Gemüse folgt im Jahreslauf. Am Südhang des Schlosses hat er nach allen Regeln der Kunst einen Weinberg mit roten und weißen Trauben angelegt. Walnüsse und Aronia vervollständigen den edengleichen Garten. „Kennen sie Aronia? Diese Frucht ist ein kleines Wunder, sie wirkt nicht nur vorbeugend gegen Krebs“, führt Schmid mit der festen Stimme der Überzeugung aus, „sondern, sie heilt auch, wenn man daran erkrankt ist.“ Viele Hände werden nötig sein, um all diese Schätze zu pflegen und ernten. Obwohl man nach einer Stunde Gespräch der Meinung sein könnte, Robert Schmid hätte nie etwas anderes gemacht, stellt sich doch die Frage, wie er als Unternehmer im Einzelhandel zur Landwirtschaft kommt. Er antwortet schlicht: „Meine Großeltern haben auf einem Bauerndorf gelebt und ich habe viel Zeit bei ihnen verbracht – und in Brasilien“, fügt er hinzu, „habe ich Fleisch gegessen, das schmeckte ohne jede weitere Zutat einfach nur gut. Das will ich erreichen, gesunde und schmackhafte Lebensmittel.“ Die ersten, die seiner Meinung waren, hatte er nicht eingeladen. Rehe und Wühlmäuse aus dem nahen Wald fraßen die jungen Triebe der Obstbäume und labten sich an deren Wurzeln. Er lernte Theorie und Praxis in vernünftigem Maße einzuzäunen… Hofladen geplant Bei aller Idylle, die er geschaffen hat, ist Robert Schmid Realist. Mit seinem Hof will er nicht nur einen Traum leben, er soll sich auch tragen. Im zukünftigen Hofladen, gegenüber der Einfahrt zum Schlossgelände, sollen die Produkte an- geboten werden, weitere Vermarktungswege sind im Aufbau. Demnächst werden fünf Schweine geschlachtet, deren Fleisch im Direkt- vertrieb zu erhalten ist. Obendrein will Schmid seine Mitarbeiter im Unternehmen über die hauseigenen Kantinen mit den selbst produzierten Lebensmitteln versorgen. Er betrachtet sein Land nicht als rein wirtschaftliche Größe, es sei ihm vielmehr von der Göttin Demeter zur Verfügung gestellt, um es durch seiner Hände Arbeit zu ehren.

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