Steinsäge fällt auf Bauarbeiter

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Landsberg – Beim Abladen von einem Kleinlastwagen begrub im August letzten Jahres eine 295 Kilogramm schwere Steinsäge einen 63-jährigen Arbeiter unter sich. Grund für den schweren Unfall soll die ungeeignete Verfahrensweise seiner Kollegen beim Abladen des schweren Geräts gewesen sein. 

Wegen fahrlässiger Körperverletzung war deshalb nun der Arbeitgeber angeklagt. Dieser legte Einspruch gegen den gegen ihn ergangenen Strafbefehl ein, weswegen es nun zur Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht kam. Am Ende wurde das Verfahren gegen Zahlung von 3000 Euro vorläufig eingestellt.

Zunächst hatte der 27-jährige Vorarbeiter ausgesagt, er und seine beiden Kollegen hätten das schwere Gerät mit Hilfe von Laderampen abgeladen. Das war aber so nicht richtig, wie er schließlich vor Gericht einräumte. Die Baufirma des 38-jährigen Angeklagten war damit beauftragt worden, ein Haus in Dettenschwang komplett umzubauen. Am Abend zuvor hatte der Bauunternehmer deshalb noch die zu erledigenden Aufgaben mit seinem Mitarbeiter durchgesprochen. Dieser fuhr am nächsten Tag mit seinem bosnischen Kollegen zu der Baustelle. Mit dabei hatten die beiden auch die Steinsäge, die auf jeder Baustelle zum Einsatz kommt, wie alle Beteiligten vor Gericht übereinstimmend aussagten. 

Normalerweise werde die Säge entweder mit dem Kleinlaster oder einem Anhänger zu den Baustellen transportiert. Normalerweise werde sie auch mit dem Kran abgeladen. So aber nicht an diesem Tag: Denn auf der Baustelle war kein Kran mehr. Seinen Mitarbeitern wäre klar, was sie in einer solchen Situation zu tun hätten, sagte der angeklagte Arbeitgeber aus: Nämlich die Steinsäge auf dem Anhänger mitnehmen und sie auch dort betreiben. 

Doch eine solche „Selbstverständlichkeit“ wie für ihren Chef war es für die Arbeitnehmer offenbar nicht. Sie transportierten die schwere Maschine mit dem Kleinlaster vom Lager in Weil bis nach Dettenschwang und wollten diese dann vom Laster abladen. Als sie merkten, dass kein Kran mehr auf der Baustelle vorhanden war, beschloss der 27-jährige Vorarbeiter, die Maschine mit einem Mini-Bagger zu befördern. Dazu befestigten er und sein bosnischer Kollege einen Spanngurt an Bagger und Säge. 

In diesem Moment kam, nach eigenen Aussagen vor Gericht, der 63-Jährige hinzu. Er war mit seinem eigenen Auto zu der Baustelle gefahren. Auf Anweisungen des Vorarbeiters sollte der Bosnier den Lkw ein Stück vorfahren. Er selbst hatte die Säge mit dem Mini-Bagger bereits ein Stück angehoben. Beim Anfahren sei der Fahrer dann von der Kupplung gerutscht oder habe zu viel Gas gegeben, die Säge geriet in Schräglage. Der 27-jährige Baggerführer wies daraufhin seinen 63-jährigen Kollegen an, die Maschine mit der Hand zu drehen. Genau in diesem Moment löste sich der Spanngurt. Aus fast einem Meter Höhe stürzte das 295 Kilo Gerät auf den Boden und begrub den 63-Jährigen unter sich. 

Der Italiener zog sich dabei unter anderem eine Fraktur mehrerer Wirbel, eine Rippenserienfraktur und eine Außenknöchel-Fraktur zu. An den Folgen des Unfalls leide er immer noch, erklärte der Geschädigte, der am Stock gehend vor Gericht erschien. 

Für den Verteidiger des Bauunternehmers, Matthias Noell, hieß das Ziel ganz klar „Freispruch“: Es sei eine spontane Entscheidung vor Ort gewesen, die Säge auf diese Art und Weise von dem Laster abzuladen. Die dafür vorgesehenen Laderampen seien zudem auch nicht verwendet worden. Einen Freispruch sah Richterin Sabine Grub jedoch nicht. Lediglich den Fahrlässigkeitsvorwurf müsse man etwas „vorverlagern“, so Grub, und weiter: „Es wäre seine Verpflichtung gewesen, darauf hinzu- weisen, dass kein Kran da ist.“ Grub regte aber an, dass das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig eingestellt werden könne. 

Darauf konnten sich Richterin Sabine Grub, Staatsantwältin Regina Grandl und Verteidiger Matthias Noell schließlich einigen. Der 38-jährige Bauunternehmer muss nun 3000 Euro in sechs Raten an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Das entspricht auch der Summe, die zuvor im Strafbefehl festgelegt worden war.

Astrid Erhard

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