Ecstasy im Auto

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Landsberg – Ein schwerer Verkehrsunfall vor einem Jahr hatte jetzt ein juristisches Nachspiel. Der Autofahrer, der auf der A96 bei Schöffelding ein Motorrad gerammt hatte, stand wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Landsberg. Außerdem war er wegen Drogenbesitzes angeklagt – bei dem Unfall hatte man nämlich zufällig auch noch Ecstasy-Tabletten in seinem Auto gefunden.

Der Unfall geschah spätabends im September 2014. Der 23-jährige, aus Konstanz stammende Angeklagte war mit zwei Freunden auf dem Weg vom Bodensee nach München. Ein vor ihm fahrendes Motorrad sah er zu spät. Bei dem Versuch, auszuweichen, geriet sein Wagen ins Schleudern und prallte mit dem Motorrad zusammen. Dessen Fahrer erlitt zahlreiche Knochenbrüche am rechten Bein. Der Unfallfahrer und die beiden anderen Insassen blieben praktisch unverletzt. Der Wagen brannte allerdings komplett aus. 

Die Tüte mit den verdächtigen Tabletten, größtenteils zu Pulver zermahlen, fand ein Feuerwehrmann, nachdem das Auto gelöscht war. Von der Polizei darauf angesprochen, beeilte sich der 23-Jährige zu versichern, er sei nicht unter Drogeneinfluss gefahren. Die Tabletten würden ihm zwar gehören, er habe sie aber nur „verticken“ wollen. 

Eine Analyse des Pulvers fand daraufhin gar nicht erst statt – ein Umstand, den Verteidiger Salih Saydam nun vor Gericht nutzen wollte. Man könne schließlich nicht wissen, ob es sich bei dem Inhalt des Beutelchens überhaupt um Drogen gehandelt habe. „Sie wissen selbst am besten, ob Ecstasy oder Traubenzucker in der Tüte war“, wandte sich daraufhin Richter Alexander Kessler an den Angeklagten. Der hatte die fahrlässige Körperverletzung zwar eingeräumt, wollte zu dem Drogenthema aber zunächst nichts sagen. 

Man werde dann eben eine Analyse des Pulvers machen lassen und die Verhandlung in einigen Monaten fortsetzen, so Kessler. Ohne Geständnis falle das Strafmaß dann aber entsprechend höher aus. Daraufhin hatte der Angeklagte ein Einsehen. Und auch, weil sich Richter, Staatsanwalt und Verteidiger zuvor darauf geeinigt hatten, dass bei einem Geständnis lediglich eine Geldstrafe zwischen 80 und maximal 100 Tagessätzen verhängt werden würde. Das Urteil lag schließlich genau in der Mitte – 90 Tagessätze à 20 Euro. Die sieben Vorstrafen, die der Angeklagte mitbrachte, fielen kaum ins Gewicht. Sie waren nicht einschlägig und größtenteils „Jugendsünden“, so Kessler. 

Auf die vom Staatsanwalt geforderte Verhängung eines zweimonatigen Fahrverbots verzichtete er. Dies mache nach so langer Zeit keinen Sinn mehr. Außerdem hatte ein Urintest seinerzeit ergeben, dass der 23-Jährige am Steuer tatsächlich nicht unter Drogen gestanden hatte.

Ulrike Osman

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