Das Jahr der alten Bäume

Schwifting: Wenn Bäume ihre Geschichten erzählen

Kreuzlinde bei Schwifting
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Auf ein Alter von 200 Jahren wird die Kreuzlinde am Ortsrand von Schwifting geschätzt. Sie ist als Naturdenkmal geschützt.

Schwifting – Sie filtern die Luft, spenden Schatten, sind Lebensraum für viele Tierarten, gut fürs Kleinklima und einfach schön – Bäume verdienen Beachtung und Schutz. Das vermittelten Thomas Janscheck, studierter Gartenbauer, Autor und Baumexperte, und Monika Sedlmaier, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, auf einer gut besuchten Führung durch die Natur vor der Haustür Schwiftings.

Der Landkreis hat – nach dem Jahr der Biene und dem Jahr des Spechts – 2020 zum Jahr der alten Bäume erklärt. Ein solches Exemplar begrüßt jeden, der aus Richtung Landsberg nach Schwifting kommt. Die herrliche Winterlinde – bekannt als Kreuzlinde - wird auf ein Alter von 200 Jahren geschätzt und ist als Naturdenkmal geschützt. Die Vorstellung, dass sich die mächtige Krone in einem ebenso ausgedehnten Wurzelwerk unterirdirsch spiegelt, macht den Baum noch imposanter.

Die Linde ist aus vielerlei Gründen eine besondere Baumart, wie Thomas Janscheck erklärte. Nicht nur, dass sie in Deutschland „der häufigste Taufpate für Wirtshäuser und Ortschaften“ ist. Ihr Holz wurde für Schnitzarbeiten in Kirchen verwendet, weil es als einziges die Luftfeuchtigkeit in den alten Gemäuern aushält. Im Mittelalter vor 1.500 erfüllte die Linde auch wichtige soziale Funktionen. In ihrem Schatten wurde Recht gesprochen. Delinquenten erhielten ihre Strafen, je nach dem, wie viel sie „auf dem Kerbholz“ hatten – Rechtsbrüche wurden während des Jahres in ein Stück Holz eingekerbt.

Gericht unterm Baum

Im Herbst fand unter der Gerichtslinde die Aburteilung statt, wobei es nicht um Rache ging, sondern um Ausgleich und Balance, wofür die Linde aufgrund ihres Wuchses symbolisch steht. Entpuppte sich jemand allerdings als unbelehrbar, spaltete man ihm zur Strafe das Ohr. So war er in Zukunft überall als Schlitzohr zu erkennen.

Nicht weit entfernt von der Kreuzlinde liegt die Marienlinde – beziehungsweise das, was von ihr übrig ist, seit sie von einem Sturm gefällt wurde. Die Schwiftinger setzten durch, dass der Baum liegen bleibt. Er ist immer noch wertvoll, da er vielen Lebensformen Heimat bietet.

Volksmund und Symbolik ranken sich um Gehölze wie Holunder und Haselnuss. Letztere galt lange als Lebenskraftspender, während man im Holunder das Eingangstor zur Unterwelt sah. Verstorbenen wurde ein Stück vom Hausholunder mit in den Sarg gelegt – es sollte den Übergang erleichtern. Die Trauernden hingegen stärkten sich mit Holunderblütentee, der wärmt und Hoffnung schenkt.

Die Allee, die von Schwifting Richtung Landsberg führt, diente in früheren Zeiten der Verkehrssicherheit. Die Bäume gaben Orientierung in zugeschneiter Landschaft. Heute ist es eher umgekehrt – Bäume müssen weichen, wenn Straßen ausgebaut werden oder auf ihnen viele Unfälle passieren.

Dabei kann keine Ausgleichspflanzung den Verlust eines lange gewachsenen, alten Baums wirklich aufwiegen, zumindest nicht in akzeptabler Zeit. „Ein großer alter Baum hat 80 Kubikmeter Blattmasse“, rechnete Monika Sedlmaier vor. „Ein junger Baum hat einen Kubikmeter. Eigentlich müsste man also für jeden gefällten Baum 80 neue pflanzen.“

Stress durch Dürre

Da Bäume CO2 und andere Treibhausgase aufnehmen und Sauerstoff produzieren, schenken sie uns buchstäblich die Luft zum Atmen und sind „die Klimaanlage schlechthin“, wie Sedlmaier betonte. Durch Hitze und Dürre geraten sie jedoch unter Stress, was unter anderen an der Ausbildung von Totholz sichtbar wird. „Sich für Bäume einzusetzen, heißt auch, am eigenen Verhalten zu drehen“, appellierte Sedlmaier. Und Thomas Janscheck gab den gut 30 Baum-Interessierten den Rat mit auf den Weg: „Pflanzen Sie Bäume, wo immer es geht.“ Ulrike Osman

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