"Schwül ist es, irgendwie"

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PATRICIA ECKSTEIN Landsberg – Eine Szene in verschiedenen Varianten zu spielen, gehört zum Standardrepertoire von Schauspielworkshops und Klassenfahrten. Was geschehen kann, bevor die Szene beginnt und dabei verschiedene Ansichten aufeinanderprallen, zeigt die Sommerinszenierung der Landsberger Bühne „Gretchen 89 ff“. Was nimmt man als Basis, wenn man eine Farce oder eine Parodie auf das Theater selbst schreiben will? Natürlich einen Klassiker. Lutz Hübner wählte sich DAS deutsche Theaterstück schlechthin, Goethes „Faust“, um einen Aneinanderreihung von Dialogen zu schaffen, die alle um die berühmte Kästchenszene kreisen, ohne sie jedoch komplett zu übernehmen. Klingt banal, ist es auch. Jedes Rollenfach bedient Aufeinander treffen dabei verschiedene Regisseure, Aktricen und andere Theaterangehörige, die so ziemlich jedes Rollenfach bedienen: Der modernistisch-reduktive Typ trifft auf die pummelige Naive, ein Wim-Wenders-Verschnitt muss sich mit der übermotivierten Debutantin herumplagen, während der schüchterne Nachwuchsregisseur von der Diva schier überrollt wird, der alterne Bonvivant begrabscht die zunächst ernsthafte Jungschauspielerin und so weiter und so weiter. Dass das nicht langweilig wird, liegt vor allem an der Besetzung der Landsberger Bühne. Jeder der cievielen Darsteller hat die Möglichkeit, sich seinen Stärken entsprechend „auszutoben“. Und so kam bei der Inszenierung, für die die drei Regisseure Sabine Kittel, Franz Krauß und Florian Werner verantwortlich zeichnen, ein amüsanter Reigen heraus, mit teilweise spitzen Anspielungen auf Kulturpolitik und Theaterbetrieb. Zusammengehalten werden die Szenen von dem Erzähler, einem resignierten Mephisto (Matthias Spandl), der kommentiert und das Publikum konfrontiert. Highlights setzte Jarah Maria Schmid als einziges „echtes“ Gretchen auf der Suche nach ihrem Kästchen. Insgesamt eine gute Leistung und ein witziger Abend, der allerdings nicht an die überragende Qualität der letzten Inszenierung heranreicht. Wer den echten Faust vermisste, weiß jedenfalls, wo die Szene zu finden ist, die sich an diesem Abend mühelos auf die Sätze „Schwül ist es, irgendwie. Mutter ist weg. Toller Mann. Ach wir Armen“.

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