"Sechs Halbe tun’s auch!"

Hauptsache es dröhnt… Cartoon: Pfeffer

Zwei Jahre zur Bewährung mag als Strafe auf den ersten Blick nicht wenig erscheinen, für den 39-jährigen Lechstädter jedoch, der in der vergangenen Woche vor dem Landsberger Schöffengericht stand, war es ein mildes Urteil. Über zwei Jahre hinweg hatte der türkischstämmige Angeklagte regelmäßig Drogen erworben und diese teils gewinnbringend weiterverkauft.

Auf die Schliche kam die Justiz dem Mann eher zufällig. Zollbeamte überwachten im Rahmen einer größeren Aktion das Telefon eines Landsbergers, der – wie sich später herausstellte – zweimal 50 Gramm Amphetamine über den Angeklagten bezog. Rund drei Monate habe man daraufhin auch das Telefon des 39-Jährigen überwacht, schilderte eine als Zeugin geladene Fahnderin vor der Gericht. In dieser Zeit sammelten die Ermittler auch Informationen über die beiden Dealer, bei denen sich der Angeklagte mit den Drogen eindeckte. Ende Januar durchsuchten die Beamten schließlich die Wohnung des 39-Jährigen, wobei sie Drogen und einen verbotenen Wurfstern fanden. Sie nahmen ihn vorübergehend fest. Er sei sofort „offen und geständig“ ge­wesen, hob der Zollbeamte, der den Angeklagten damals verhört hatte, vor Gericht hervor. Seine Aussagen seien wichtig gewesen für die Überführung der beiden Drogenhänd­- ler, die vor dem Augsburger Landgericht mittlerweile zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden seien. Vor dem Schöffengericht gab der Angeklagte auch bereitwillig Auskunft über seine eigene Rolle. Er bestätigte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, zwischen 2007 und Ende 2009 in 158 Fällen Amphetamine und Marihuana erworben zu haben. Bis auf jene zwei Ausnahmen, bei denen er insgesamt 100 Gramm Amphetamine weiterverkauft habe, habe er den Stoff jedoch immer selbst konsumiert, erklärte der Angeklagte. Er war bereits mehrmals wegen Drogendelikten mit dem Gesetz in Konflikt geraten und hatte wegen seiner Sucht bereits eine Therapie hinter sich. Als Richter Dr. Wolfgang Daum den Angeklagten auf seinen aktuellen Drogenkonsum ansprach, negierte dieser jeglichen Amphetaminmissbrauch, um gleich darauf zuzugeben, stattdessen nun mehr Alkohol zu trinken. „Nach fünf bis sechs Halben stellt sich da ja auch ein Hochgefühl ein.“ Nicht nur Daum konnte sich ob einer so entwaffnenden Ehrlichkeit ein Lächeln nicht verkneifen. Die Aufrichtigkeit seines Mandanten hob auch Verteidiger Rudolf Fichtl in seinem Schlussplädoyer noch einmal hervor. Der Angeklagte habe „komplett die Hosen heruntergelassen“, eine Bereitschaft, die honoriert werden müsse. Dass der 39-Jährige erst kurz vor der Hauptverhandlung damit begonnen habe, sich nach einem geeigneten Therapieplatz umzuschauen, wie Staatsanwalt Dr. Lars Baumann kritisierte, sei „naiv“ gewesen, aber auch Schuld seines vorhergehenden Anwalts, der ihm nicht dazu geraten habe. Ansonsten schloss sich Fichtl den Forderungen des Staatsanwalts an, der zuvor eine zweijährige Bewährungsstrafe, verbunden mit freiwilligen Dro­- gentests und 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit gefordert hatte. Die Anklage wegen unerlaubten Waffenbesitzes ließ das Gericht fallen. Bei seinem Urteil folgte Richter Daum den Forderungen der beiden Anwälte. Die Bewährung begründete er ausschließlich mit dem umfassenden Geständnis des Angeklagten. Da dieser bereits wegen diverser Delikte einschlägig vorbestraft sei, wäre eine Haftstrafe ansonsten unumgänglich gewesen. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung verzichteten auf weitere Rechtsmittel, weshalb das Urteil bereits rechtskräftig ist.

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