"Wir haben‘s uns nicht leichtgemacht"

Sparkassen-Fusion: Sechs Verwaltungsräte bitten um Zustimmung

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Alles im Fluss: Für eine Fusion der Sparkasse Landsberg-Dießen mit Dachau und Fürstenfeldbruck haben sich heute sechs von sieben Verwaltungsratsmitgliedern öffentlich ausgesprochen.

Landkreis – Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Nachdem Landrat Thomas Eichinger als einziger von sieben Mitgliedern des Verwaltungsrats der Sparkasse Landsberg-Dießen gegen die Fusion gestimmt und danach die Presse als Medium für seine Bedenken genutzt hat, haben sich nun die anderen sechs Mitglieder – Renate Standfest, Herbert Kirsch, Harald Reitmeir, Michael Riedle, Michael Gerum und Mathias Neuner – auf gleichem Weg öffentlich zu Wort gemeldet.

In einer heute herausgegebenen Presseerklärung heißt es: „Nach über 16-monatigen Fusionsüberlegungen, Gutachten­erstellungen und politischer Diskussion stehen die Fusionsentscheidungen vor ihrer finalen Phase. Wir, die unterzeichnenden Verwaltungsräte der Sparkasse Landsberg-Dießen, möchten unsere Entscheidungsgründe der Öffentlichkeit darlegen.“

Ausgangspunkt aller Überlegungen sei die Frage, vor welchen großen Veränderungen und Herausforderungen die Banken und Sparkassen stehen und welche Folgen diese haben. Das seien

• die aktuelle Niedrigzinsphase,

• die zu erheblichen Mehrkosten führende „uferlose“ Regulatorik,

• die mit einem veränderten Kundenverhalten einhergehende teure Digitalisierung,

• die angespannte personelle Situation (wenig Azubis und Bewerber),

• der deutlich steigende Wettbewerb infolge neuer Anbieter und Geschäftsmodelle sowie

• die fehlenden Synergien und Effizienzen kleinerer Retail-Banken mit deutlichen ergebnisreduzierenden Folgen.

„Alle vorliegenden Gutachten bestätigen diese Auswirkungen. Ebenso verdeutlichen sie die wirtschaftlichen Vorteile, die Anteilsberechnung und die nennenswerten Mehrwerte und Synergien zum Nutzen aller Beteiligten“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Für Kunden bedeute das die Aufrechterhaltung der Kunden­nähe und wettbewerbsfähige Pro­dukte. Für Mitarbeiter würden dadurch Investitionen in Weiterbildung, mehr Karriere­chancen sowie attraktivere und sicherere Arbeitsplätze möglich. Die Träger könnten mit der Fusion die Aufrechterhaltung des öffentlichen Auftrags bei gleichzeitiger angemessener Eigenkapitalbildung gewährleisten. Für die Sparkasse selbst sei die Fusion eine Investition in ihre Zukunftsfähigkeit.

„Aus unserer Sicht kann nur eine dauerhaft starke und ausreichend große Sparkasse diesen Ansprüchen gerecht werden“, so die Verwaltungsräte wörtlich. Von daher habe es ge­golten, das Gesprächsangebot der Sparkassen Dachau und Fürstenfeldbruck nach Absagen aus Kaufbeuren, Weilheim und Schongau umfänglich zu prüfen. Besonders überzeugt habe

• die „ideale Konstellation, dass keine Sparkasse die Mehrheit besitzt (DAH 40,5 Prozent, FFB 37,5 % und LL 22 %)“

•die beanstandungslose Prüfungsberichte der Jahre 2015/2016,

• die Tatsache, dass Dachau die ertragsstärkste Sparkasse Bayerns ist und mit der Sparkasse Fürstenfeldbruck eine gute Ertragsbasis zur Hebung der Mehrwerte bietet,

• die attraktiven Geschäftsgebiete der Fusionssparkassen im Münchener Speckgürtel,

• die „hervorragende Ergänzung“ der unterschiedlichen Stärken,

• die deutlichen Mehrwerte bis zu 33 Millionen Euro bei einer Fusion,

• die steigenden Gewerbesteuereinnahmen für alle Standortgemeinden in den Folgejahren der Fusion.

Darüber hinaus hoben die sechs Verwaltungsratsmitglieder die erreichten Ergebnisse im Fusionsvertrages, „besonders aus Landsberger Sicht“, hervor:

• Die Drei-Säulen-Sparkasse mit dem verbindlichen Fortbestehen des Standortes Landsberg mit Stabs- und Marktfolgeabteilungen sowie den anteiligen Mitarbeitern und Führungskräften, sei garantiert.

• Es gebe zahlreiche Vetrorechte bis hin zum Recht, Geschäftsstellenschließungen bis zum Jahr 2026 verhindern zu können.

• Landsberg habe ein 25-Prozent-Stimmrecht bei nur 22 Prozent Anteil.

• Es gebe einen klaren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gegenüber den Mitarbeitern.

• Und der Verwaltungsrats- und Zweckverbandsvorsitz des Oberbürgermeisters sei gedrittelt, obwohl Landsberg weniger als ein Viertel der Anteile hält.

Diese Punkte unterstrichen die Sinnhaftigkeit einer Fusion, die verbesserte Zukunftsfähigkeit einer vereinten Sparkasse und die überwiegenden Vorteile für alle Beteiligten, Kunden, Mitarbeiter und Träger.

Den Argumenten folgen

„Wir haben es uns in den letzten 16 Monaten nicht leicht gemacht und auch durchaus die emotionale Komponente zu unserer Sparkasse abgewogen, haben aber unter Abwägung aller sachlichen Fakten uns zur Nutzung dieser vielleicht einmaligen Chance für eine jetzige Fusion ausgesprochen“, schreiben die sechs Verwaltungsräte in ihrer Presseerklärung.

Auch das neue gemeinsame Institut bleibe eine Sparkasse, verbunden mit einem öffentlichen Auftrag, der ihr eigenen Kundennähe, einem verantwortungsvollen Umgang mit den Mitarbeitern und einer engen Bindung an ihre Träger.

Alle zukünftigen Fusionen könnten unter Beachtung der langen Vorlaufzeiten, eines möglichen höheren wirtschaftlichen Drucks und der absehba­ren Tatsache, dass Landsberg auch dann immer der deutlich kleinere Partner bleibe, nachteilig für die Sparkasse sein.

„Wir appellieren daher an alle Entscheidungsträger im Stadtrat, im Kreistag und der Marktgemeinde Dießen, den sachlichen Argumenten zu folgen und die besondere Chance zum Wohle aller Beteiligten zu nutzen.“

Werner Lauff

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