Zoff zwischen Ritter und Jungfer

Seebühne Utting überzeugt mit Nestoys Lohengrin-Parodie

+
Vorsichtiges Abtasten vor dem Duell: Karl Wilhelm als Ritter Mordigall, Michael Schulz als Gaugraf Hanns der Gerechte, Claudia Mabell als Elsa Fürstin von Dragant und Ruben Hagspiel in der Titelrolle des Lohengrin (von links).

Utting – Den großen Meister hasst oder liebt man. Spätestens seit „Lohengrin“ sprechen Wagnerianer von seiner unantastbaren Genialität. Den Gegnern stehen bei soviel schwulstigem Pathos hingegen die Haare zu Berge. Johann Nestroy konnte nicht anders, als Richard Wagners romantischer Oper um Gralsritter Lohengrin und schutzbedürftige Jungfer Elsa eine gepfefferte Parodie entgegenzusetzen. 1858 feierte die Version im Wiener Carl- theater Premiere, wobei Nestroy selbst die Titelrolle übernahm. Dem Publikum gefiel es, die Kritiker waren zweigeteilt. Einer lobte immerhin Nestroy, der „mit einem Seziermesser Schwulst und Wortgekringel der Wagnerischen Kunst freigelegt hat“. Die Lohengrin-Parodie feierte jetzt in der Uttinger Seebühne Premiere, inszeniert von Florian Münzer.

Der mischte ein paar Szenen aus Nestroys „Theatergeschichten“ dazu und so begann das Stück mit einem verzweifelten Theaterdirektor (Holger Schmidt-Lutz), dem kurz vor der Premiere sein Hauptdarsteller abhandengekommen ist. Im Publikum entdeckt er einen Kollegen aus vergangenen, erfolgreichen Zeiten und überredet ihn, für die Titelrolle einzuspringen. Schauspiel-Profi Ruben Hagspiel mimt den Gralsritter Lohengrin ebenso grandios wie die stimmgewaltige Claudia Mabell als Elsa Fürstin von Dragant. Den beiden Profis steht die Laientruppe der Seebühne in Nichts nach. Publikumsliebling wie schon so oft ist Karl Wilhelm, diesmal als Ritter Mordigall leider dem Bühnentod geweiht. Dany Mayland als seine Gattin oder Michael Schulz als Gaugraf Hanns der Gerechte ziehen alle Register der Schauspielkunst.

Hochzeitsnacht mit Hindernissen: Gralsritter Lohengrin und seine Auserwählte Fürstin Elsa, die von Neugier fast platzt.

Es macht Laune, dem Treiben auf der Seebühne direkt am Wasser zu folgen, während Segelschiffe vorbeiziehen und der letzte Dampfer nebenan Station macht. Sowie der Mann im Publikum die Aufführung gerettet hat, rettet Ritter Lohengrin die Fürstin Elsa von Dragant. Seine Bedingung: Sie darf niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen. Schließlich ist er ja in geheimer Mission für den Gralshüter-Orden unterwegs. An der Seebühne macht er Halt in einem von einem Schwan gezogenen Boot. Es folgen Liebe auf den ersten Blick, furchtlose Schwertkämpfe, eine geplatzte Hochzeitsnacht und ein furioses Finale. Das alles garniert mit Spiel- und Wortgags, die für Lacher und Spontanbeifall sorgen. Komplimente bei der Premiere gab es von Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger. Er war begeistert von der „Lohengrin“-Parodie, die Seebühnen-Intendant und Regisseur Florian Münzer gelungen inszeniert hat.

Viel zur Stimmung trägt auch das Blasorchester Utting mit der Klarinettistin Jeanette Höfer bei. Unter der bewährten Leitung von Michael Bauer begleiten die Musiker das mehr oder weniger heldenhafte Geschehen auf der Bühne – unterstützt von einem vielstimmigen Chor aus Rittern, Edelleuten und Burgfräuleins. Der gute alte Wagner jedenfalls würde vor Schreck von seiner Himmelwolke fallen, wenn er die Parodie seiner durchaus todernst gemeinten Oper sehen könnte.

In den humorigen Genuss von Nestroys Stück können Freunde lockerer Theaterunterhaltung noch bis zum 10. August kommen. Die Uttinger Seebühne spielt außer montags täglich um 20 Uhr. Karten gibt es unter www.seebuehne-utting.de sowie an der Abendkasse.

Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

Jonathan und Jakob Bueß-Kovács aus Schondorf starten durch
Jonathan und Jakob Bueß-Kovács aus Schondorf starten durch
Erstes Wochenende des "Landsberger Sommers" ist Erfolg
Erstes Wochenende des "Landsberger Sommers" ist Erfolg
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
15-Jähriger verbringt Stunden auf dem Ammersee
15-Jähriger verbringt Stunden auf dem Ammersee

Kommentare