Von Seelfrauen und Scharfrichtern

Die Stadtführerinnen Sieglinde Soyer (hinten links) und Gaby Grübmeyer (hinten rechts) wurden musikalisch unterstützt von „Licca Percussiva“. Foto: Eckstein

Wo steht eigentlich das älteste, noch erhaltene Haus der Stadt? Wo wohnte der Scharfrichter? Warum waren ab 1720 die Landsberger Mädchen schlauer als die Buben? Diesen und vielen anderen Fragen und Geschichten nachspüren kann man mit der Stadtführung „Mit Pauken und Trompeten“, die der Verein Landsberger Gästeführer anbietet.

Prächtig gewandet, eine im Renaissancegewand, die andere im Barockkostüm, erwarten die Stadtführerinnen Sieglinde Soyer und Gaby Grübmeyer ihre Gäste am Leonhardiplatz, wo die Trommlergruppe der Musikschule „Licca Percussiva“ zur Einstimmung ein rhythmisches „Hallo, ihr seid‘s, Servus“ zum Besten gibt. Zunächst geht es zum Klösterl und Seelberg, wo es Informationen und Geschichten zur ersten Besiedelung der Lechstadt gibt und auch das Geheimnis der kleinen Türen gelüftet wird – das an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Hier erfährt man auch, warum die Seelfrauen den Landsbergern immer ein wenig suspekt waren und wo der Scharfrichter wohnte. Die Bewohnerin eines der historischen Häuser erklärt die Raumaufteilung und baulichen Besonderheiten ihres Heimes und schlägt so den Bogen zur Ge­gen­wart. Über die Gogglgasse geht es zum Hauptplatz und ins Hexenviertel, wobei die Trommler und Trompeter mit kleinen Soloeinlagen jeweils ein neues Thema ankündigen und im Hexenviertel sogar einen „Hexentanz“ aufführen. „Frau Sieglinde“ und „Frau Gaby“ erzählen und erklären lebendig und anschaulich, mit viel Humor und Charme und übersetzen auch mal das Bayerische für die holländischen Gäste, die sich der Führung angeschlossen haben. Um den Besuchern ein besseres Bild alter Stadtansichten zu vermitteln, haben sie Kopien historischer Stiche dabei, die jeder in Ruhe betrachten kann. Ein Highlight ist sicherlich der Gang durch die „Enge Reihe“, einer nahezu original mittelalterlichen Gasse, die nur im Rahmen dieser Sonderführungen zugänglich ist. Nach altem Rezept Eine kleine Stärkung gibt es in der Ledergasse: „Frau Sieglinde“ hat ein sogenanntes „Hungerbrot“ nach altem Rezept gebacken, das Standardessen der Landsberger während der Belagerung durch die Franzosen. Vor Betreten der Blatterngasse gibt es außerdem noch ein Abwehrmittel gegen Krankheit. Über den Roßmarkt geht es dann durch das Bäckertor bis zum Färbertor, wo die Führung schließlich endet – mit „Pauken und Trompeten“. Eine Führung, die nicht nur für Touristen interessant ist, sondern auch Landsbergern ganz neue Seiten ihrer Stadt nahebringen und „Viertel, die man sonst nicht unbedingt sieht“, genau, wie Sieglinde Soyer vorher versprochen hatte. Informationen gibt es im Internet unter www.landsberger-stadtfuehrungen.de.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Kaltenbergs "letzter Ritter"
Kaltenbergs "letzter Ritter"
Umzug startet mit Schreck
Umzug startet mit Schreck
Tempo 30 in der Münchener Straße
Tempo 30 in der Münchener Straße

Kommentare