Seestücke werden zu Sehstücken

„Dschunke West“ und „Dschunke Ost“ heißen zwei Ölbilder von Manfred Hinkel, an denen der Blick beim Rundgang durch die Ausstellung „Seestücke“, die vor Kurzem im Kulturforum Dießen eröffnet worden ist, gewiss hängenbleibt. Gezeigt werden Arbeiten von Andrea Kreipe (Böbing), Annunciata Foresti (Dießen), Manfred Hinkel (Bernried) und Wolf Schindler (Weilheim).

In fast monochromem Rot die Schiffe, dunkel der Umriss, weiß grundiert wie ein noch unbeschriebenes Blatt die Leinwand, schwarz der Rahmen - so haben die Dschunken, die sich aufeinander zu bewegen, etwas Bedrohliches. Eine politische Allegorie? Doch wie am Meer, so wechseln auch im Ausstellungsraum die Stimmungen schnell, von Tiefgründigkeit zu Heiterkeit, von der seemännischen Sehnsucht nach fernen Ufern zum Wunsch nach Geborgenheit im heimischen Hafen. Nur wenige Meter weiter rollt eine Atlantikwelle, bestehend aus den kraftvollen Pinselstrichen von Annunciata Foresti, die eine großartige Brandung verspricht, auf den Strand zu. „Windstärke 9“ nennt die Künstlerin ein weiteres großes Format, das die Gischt, das Tosen und Brausen in großartiger malerischer Qualität zum alleinigen Thema macht. Die fünf Künstler, die gemeinsam die Ausstellung „Seestücke“ arrangiert haben tauchen tief in das Element Wasser ein. Sie haben mit ihren Mitteln erforscht was aus Wasser entstand, was im, auf und am Wasser geschieht und zu welchen Emotionen Wasser die ihm verbundenen Menschen hinreißen kann. Eine gewisse Distanz zum nassen Element glaubt man allerdings bei Brigitte Kirchner zu spüren. Die Bildhauerin aus Altenstadt hat ihre aus Gips, Papier und Holz modellierte Flotte mit großer Freude auf dem trockenen Fußboden ausgestellt, und jedes einzelne Boot, oder auch die Anordnung der Schiffe zueinander erzählt dem Betrachter Geschichten: „Unflott“ nennt die Künstlerin ein Boot, dass im Röhricht stecken geblieben ist. Kess überholt an anderer Stelle ein Dampfer einen Ruderer, der mit seinem Boot derweil im Untergrund versinkt. „Wenn ich Boote modelliere, geht es mir eigentlich nie um das reale Schiff“, sagt sie. „Für mich ist dieses Behältnis ein Bild, zum Beispiel für Sicherheit auf unsicherem Grund, dafür muss nicht zwingend Wasser dargestellt werden.“ Zugleich drücken Boote oder dynamische Dampfer für die Bildhauerin eine „Beziehungsqualität des Menschen zu seiner Umwelt aus.“ Ästhetik und Farbharmonie, Ruhe und Klarheit vermitteln die Meeresstimmungen von Wolf Schindler aus Weilheim. Arbeiten des so wortgewandten Künstlers, zu deren Erläuterung es eigentlich keiner Worte bedarf. Besonders schön: Die beiden Hochformate „Ohne Titel“ an der Stirnseite der Säulenhalle, die in einem tiefgründigen Dialog zu stehen scheinen. Zu den Gewässern, die die Bildhauerin Andrea Kreipe inspirieren gehört auch die Ammer bei Böbing. Hier findet sie Fundstücke aus der Natur an denen eine Geschichte, ein Prozess der Umwandlung und Gestaltung durch natürliche Vorgänge abzulesen ist. Vorgänge, die sie zu ihren Arbeiten inspirieren. Möglicherweise ist sie dort auch den Nixen begegnet, deren wunderschöne Häute aus Bronze man nun im Kulturforum bewundern kann: Zauberhafte, verlassene Hüllen, deren Bewohnerinnen bereits auf dem Weg zu neuen Ufern sind. Die Ausstellung „Seestücke“ ist noch (bis zum 9. Mai) jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

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