Ein Badestrand für Alle

Bekommt St. Alban bald eine öffentliche Badestelle?

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Auf diesem Gelände südlich des Seerestaurants St. Alban soll noch dem Willen der Marktgemeinde Dießen ein öffentlicher Badestrand mit Grünfläche entstehen. Gegen die erlassene Satzung klagt die Segelgemeinschaft Augsburg, die Mieter einer Teilfläche ist.

Dießen – Da haben sich die Ereignisse überschnitten! Während eine Dießener Gruppierung Bürgermeister Herbert Kirsch eine Petition mit der Forderung nach einem für Alle frei zugänglichen Ammersee-Strand überreichte, ging im Rathaus ein lang erwartetes Schreiben vom Landratsamt Landsberg ein, das dieser Forderung einen ersten Schritt entgegen kommt: Der Bereich südlich des Seerestaurants Pavic in St. Alban könnte bald eine öffentliche Badestelle werden.

Auslöser für die Bürger-Petition unter der Leitung von Peter Augsdörfer und Claudio Franchi war der Beschluss des Marktgemeinderates, die Schlüssel für das Strandbad St. Alban einzuziehen. Mit den Schlüsseln hatten rund tausend Dießener die Möglichkeit, hier außerhalb der normalen Öffnungszeiten früh morgens und spät abends baden zu gehen. Man hatte sich zum unpopulären Schritt der Einziehung entschieden, weil die Haftungsfrage bei Unfällen ohne Badeaufsicht geklärt werden muss. Wie übrigens derzeit auch beim Strandbad Utting.

Bis dato gibt es für Dießen noch keine rechtsverbindliche Klärung. Obwohl Geschäftsleiter Karl Heinz Springer bei diversen Fachanwälten, Verwaltungsstellen und dem Kommunalen Unfallversicherungsverband vorgesprochen hat. Im Grunde hat die Gemeinde laut Bürgermeister Kirsch jetzt drei Möglichkeiten: Das Strandbad St. Alban kann nur wie gehabt während den offiziellen mit dem Pächter vereinbarten Öffnungszeiten besucht werden. Oder aber man dehnt diese Zeiten von früh morgens bis spät abends aus, was aber zusätzliche Badeaufsichten voraussetzt, verbunden mit erheblichen Personalkosten. Schließlich könne man St. Alban auch zu einer „öffentlichen Badestelle“ ohne Eintrittsgebühren und ohne Badeaufsicht machen. Dann allerdings müssten Badefloß, Rutsche und Spielplatz abgebaut werden.

Woanders geht´s auch

In der Bürgerpetition mit 150 Unterschriften wird bemängelt, dass Dießen mit seinem circa acht Kilometer langem Uferabschnitt „die einzige Gemeinde nicht nur am Ammersee, sondern im ganzen Fünfseenland ist, die über keinen für alle Bürgerinnen und Bürger frei zugänglichen Strand verfügt“. Die Strandbäder St. Alban und Riederau hätten nur an fünf Monaten im Jahr von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Viele Menschen aber wollen gerade im Hochsommer am frühen Morgen und spät abends baden gehen und die Atmosphäre am See genießen.

Im Übrigen solle der Badebetrieb vom Kioskbetrieb getrennt werden. Das öffentliche Interesse der Bürger am Seezugang könne nicht vom geschäftlichen Interesse der Pächter abhängen: „Das Strandbad muss auch dann geöffnet sein, wenn der Kioskbetrieb aus Sicht des Pächters nicht rentabel ist.“

Bürgermeister Kirsch zeigte angesichts der Petition Verständnis für den Wunsch der Bürger nach frei zugänglichen und kostenlosen Badestränden. Allerdings bemühe sich die Marktgemeinde schon seit dem Jahr 2008, das etwa 9.000 Quadratmeter große Strandgelände des ehemaligen Campingplatzes und der Segelgemeinschaft Augsburg südlich des Seerestaurants St. Alban als öffentliche Badestelle für Jedermann zu erschließen. Das Gelände gehört der Stadt Augsburg, von der es die Gemeinde Dießen kaufen oder pachten will. Was sich angesichts der komplizierten Innenverhältnisse bislang als schwierig erwies. Die Stadt Augsburg hat einen Teil des Geländes an die Segelgemeinschaft vermietet, den anderen Teil an den Landkreis Landsberg. Der wiederum hat das Grundstück an die Restaurantbetreiber-Familie Pavic vermietet und die einen Teil davon an einen Campingplatz-Betreiber.

Trotzdem erließ die Marktgemeinde Dießen im August 2015 eine Satzung zur Herstellung einer Grünfläche für öffentlichen Bade- und Erholungsbetrieb auf dem gesamten Gelände. Dagegen klagte wiederum die Segelgemeinschaft Augsburg beim Verwaltungsgericht München. Dieses Urteil steht noch aus und bis dahin sind der Gemeinde Dießen die Hände gebunden.

Hoffnung auf einen positiven Ausgang für Dießen machte das eingangs erwähnte Schreiben der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes Landsberg. Darin wird die Gemeinde davon in Kenntnis gesetzt, dass die Segelgemeinschaft Augsburg mit sofortiger Wirkung das Grundstück räumen muss. Campingwagen, Bootsanhänger, Zelte etc. dürfen nicht mehr abgestellt werden.

Sowohl die Bürgerpetition wie auch der Entscheid des Landratsamtes sorgen wieder für Diskussionsstoff in der Marktgemeinde. In der Petition heißt es: „Ein frei zugänglicher Badestrand gehört in einer Kommune dieser Größenordnung zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Wir erwarten deshalb von Ihnen als verantwortliche Kommunalpolitiker, dass Sie in diesem Sinne aktiv werden.“ Bürgermeister Herbert Kirsch und der Gemeinderat aber müssen sich diesen Schuh nicht anziehen. Sie kämpfen seit Jahren schon für den öffentlichen Badestrand in St. Alban. Dass hier nichts vorangeht, liegt allein am Verwaltungsgericht, das immer noch kein Urteil gesprochen hat.

Dieter Roettig

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