Ausnahmsweise nagelneu

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Weihwasser statt Löschwasser: Pfarrer Thomas Wagner segnete das neue Tragkraftspritzenfahrzeug der Kaltenberger Feuerwehr.

Kaltenberg – Wer wollte, konnte das als gutes Omen deuten: Exakt in dem Moment, als Pfarrer Thomas Wagner zur Segnung des neuen Kaltenberger Tragkraftspritzenfahrzeugs (TSF-W) schritt, kam die Sonne zwischen den grauen Wolken hervor. Für die Feuerwehr des Geltendorfer Ortsteils war der Tag ein ganz besonderer, denn erst zum zweiten Mal in ihrer 140-jährigen Geschichte kann sie ein fabrikneues Fahrzeug ihr eigen nennen.

Eine solche Anschaffung mache man nicht jedes Jahrhundert, scherzte Kommandant Bertram Böhm in seiner Ansprache vor dem voll besetzten Festzelt. Das erste und bis zum vergangenen Jahr letzte Mal, dass die Wehr ein nicht gebrauchtes Fahrzeug erhielt, war 1875. Ab da wurde gespart, repariert, gebraucht gekauft. 

Das war nicht unbedingt so gedacht. 1912 kam der damalige Gemeinderat auf die Idee, zugunsten der Feuerwehr einen Malz- und Bieraufschlag von den Bürgern zu erheben. Der Plan scheiterte am Einspruch des Innenministeriums. So tat die zweirädrige Saugdruckspritze der Anfangstage Dienst bis 1957. Bis vor gut 20 Jahren war die Wehr bei jedem Einsatz darauf angewiesen, dass ihr Löschgerät von einem Bulldog an den Einsatzort gezogen wurde. 

In Gestalt eines betagten Ford Transit, Baujahr 1975, stand dann endlich die erste eigene Motorisierung an. Mit einem weiteren gebrauchten LF8, das man von der Nachbarwehr in Hausen übernahm, kam die Truppe über die Runden, bis der Geltendorfer Gemeinderat grünes Licht für die Anschaffung des neuen TSF-W mit 600-Liter-Wassertank, Atemschutz- sowie analoger und digitaler Funkausrüstung gab. Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, übernahm ein Ausschuss der Feuerwehr die Recherche nach dem geeignetsten Fahrzeug und erstellte auch die Ausschreibung selbst, so dass kein externer Planer hinzugezogen werden musste. 

Rund 25 Prozent der 117 000 Euro Anschaffungskosten erhielt die Gemeinde in Form eines Zuschusses vom Freistaat zurück. Die Kosten für ein Notstromaggregat übernahm der Feuerwehrverein. Kreisbrandinspektor Peter Kawohl hofft, dass das Fahrzeug weitere Aktive in die Mannschaft locken wird. 31 sind es derzeit. Tatsächlich will Böhm demnächst verstärkt in die Nachwuchswerbung gehen. Bürgermeister Wilhelm Lehmann sah die Anschaffung unter anderem durch die vielen Unwetterereignisse der letzten Jahre gerechtfertigt und erinnerte an den Tornado im schwäbischen Affing vor wenigen Tagen. „So weit ist das nicht weg.“

Ulrike Osman

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