Seit drei Jahren Land unter

Zwei Monate nach der Einweihung des Anbaus am Heilig-Geist-Spital wies BAL-Stadtrat Reinhard Skobrinsky mit der Wasserwaage auf die Mängel in den Bädern hin. Foto: Schwaiger

Lange Zeit, vielleicht zu lange, hat sich die Stadt als äußerst geduldiger Auftraggeber erwiesen: Drei Jahre ist es nun her, dass der Anbau des Heilig-Geist-Spitals eingeweiht wurde und noch immer sind die festgestellten Baumängel nicht beseitigt. Es mutet wie eine Posse an, ist aber Realität: In den Duschen der Senioreneinrichtung läuft das Wasser nicht zum Abfluss hin, sondern von diesem weg und zum Teil in Richtung Zimmerflure. Jetzt beschreitet die Stadt den Klageweg.

Bereits im November 2009, also zwei Monate nach der Einweihung des 3-Millionen-Euro-Projektes – 540000 Euro davon steuerte der Landkreis Landsberg bei – wies BAL-Stadtrat Reinhard Skobrinsky öffentlich auf den Missstand hin. Davon habe er nur durch Zufall erfahren und in der Folge von der Bauverwaltung „keine ausreichende Auskunft“ dazu erhalten. Der Rüffel folgte auf den Fuß: Derlei Vorgänge gehörten nicht in die Öffentlichkeit, erbosten sich Ex-OB Ingo Lehmann (SPD) sowie CSU-Frak­- tionschef Helmut Weber, „reine Verwaltungssache“. Auf Anfrage des KREISBOTEN sagte Lehmann zunächst, dass die Nachbesserungen der Duschen bereits in Auftrag gegeben und „in den nächsten zwei Wochen erledigt“ seien. Die Kosten trage der Architekt. Wenige Tage später war dann die Rede von einer „Probe-Nachbesserung“ in einem der Bäder im zweiten Obergeschoss. Aufgeklebte Zusatzfliesen schufen eine sogenannte „Brausetasse“, doch darin lief das Wasser wieder nicht ab, schwappte beim Duschen gar über die Keramikschwelle und hätte vom Personal mittels eines Schiebers in den Gully befördert werden müssen – inakzeptabel. Der Neubau des Heilig-Geist-Spitals verfügt über 24 Zimmer, für jeweils zwei ist ein mittig angelegtes Badezimmer eingerichtet. „Barrierefrei“, war die Vorgabe, also Bodenduschen. Bei der Ausführung darf getrost von „Pfusch“ gesprochen werden, ein erstes Beweisverfahren förderte falsche Höhelagen der Abläufe, zu knapp bemessene Konstruktionshöhen sowie zu knapp bemessene Gefälle zutage – das Duschwasser konnte gar nicht ablaufen. Die Hauptschuld an dem Schlamassel trügen Architekt, Bauüberwacher und Sanitärfachplaner, der Fliesenleger habe nur zu einem geringen Teil dazu beigetragen. Da eine weitere Nachbesserungsvariante nicht den „Regeln der Technik“ entspräche, steht die „Totalsanierung“ im Raum. In seinem Ergänzungsgutachten ermittelte der Sachverständige rund 240000 Euro für den Rückbau sämtlicher Bodenbeläge und der Fußbodenheizungen in allen Stockwerken des Neubaus. Nur so sei in den Bädern das erforderliche Gefälle für die nötige Barrierefreiheit herzustellen – im Zusammenspiel mit den angrenzenden Zimmern und Fluren. „Reine Verwaltungssache“ ist der Vorgang seit der jüngsten Stadtratssitzung nicht mehr, allerdings nach wie vor nicht öffentlich. Das Plenum beauf­- tragte die Verwaltung einstimmig, den Klageweg gegen die drei Hauptbeschuldigten zu beschreiten. Und dabei geht es nicht nur um die 240000 Euro für die Totalsanierung, sondern auch noch um 33000 Euro für den Nachbesserungsversuch sowie um die Prozess- und Gutachterkosten.

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