Barrierefreiheit auf dem Abstellgleis!

Seit zwei Jahrzehnten: Stolperfalle Bahnhof Kaufering

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Irgendwie ist die Zeit stehen geblieben, was die Barrierefreiheit am Kauferinger Bahnhof angeht. Nun verschiebt sich der Ausbau um weitere zwei Jahre. Fertigstellung Ende 2024 – frühestens.

Kaufering – Es ist ein Trauerspiel mit der Barrierefreiheit am Kauferinger Bahnhof. Bis zum Herbst vergangenen Jahres ging man in der Marktgemeinde noch davon aus, dass der Ausbau nach mehrmaliger Verschiebung 2023 abgeschlossen sei. Nun verschiebt er sich erneut. Baubeginn ist frühestens 2023 und der neue Fertigstellungstermin Ende 2024 – vielleicht auch später.

Diese Auskunft erhielt 2. Bürgermeisterin Gabriele Triebel (GAL) in ihrer Funktion als Landtagsabgeordnete. Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigten für den Freistaat Bayern, schrieb ihr auf Anfrage: „Aufgrund der Maßnahmen rund um die Ausbaustrecke München – Lindau – Grenze Deutschland/Österreich wurde aus baubetrieblichen Gründen der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Kaufering verschoben“. Aktuell sei vorgesehen, bis Ende des 1. Halbjahres 2020 den Antrag auf planrechtliche Zulassung beim Eisenbahn-Bundesamt einzureichen und 2023 mit den Baumaßnahmen zu beginnen. „Die Inbetriebnahme der kompletten Verkehrsstation ist derzeit bis Ende 2024 eingeplant“.

Triebel betonte auf Anfrage des KREISBOTEN: Das alles sei ärgerlich, „weil wir seit fast zwei Jahrzehnten hinsichtlich des barrierefreien Ausbaues vertröstet werden“. Die Grünen-Abgeordnete betonte, sie habe bereits 2011 zusammen mit der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Barbara Juchem, eine Petition an den Landtag gestellt. Sie war nicht die einzige Politikerin, die sich um die Barierrefreiheit bemühte. Schon seit 2003 hatte Kauferings damaliger Bürgermeister Dr. Klaus Bühler mit der Bahn über den barrierrefreien Ausbau verhandelt.

Nicht locker lassen

Auch Thomas Salzber­ger hatte sich schon lange vor seiner Wahl zum Rathauschef für die Barrierefreiheit engagiert. 2015 fand auf seine Initiative hin eine große Unterschriftensammelaktion der SPD am Bahnhof statt. Ihm hatte die Bahn damals versprochen, dass der Bahnhof 2018 barrierefrei umgebaut sein sollte. Nun wird Salzberger Ende Januar 2020 wieder mit der Bahn sprechen, dieses Mal in neuer Funktion – als Bürgermeister. Er werde nicht locker lassen, betont Salzberger.

Derzeit werden Unterschriften im ganzen Landkreis Landsberg gesammelt, denn Kaufering ist, ähnlich wie Geltendorf, ein großer Pendler-Bahnhof. Die Unterschriften will der Rathauschef in einer öffentlichen Aktion dem Verkehrsminister oder gar Ministerpräsident Markus Söder übergeben. „Das erhöht den Druck.“ Die Unterschriften können noch bis Ende April in allen Rathäusern im Landkreis oder auch via Internet abgegeben werden.

Ob sich die Bahn davon beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten. Unterstützung in jeder Hinsicht versprach Landrat Thomas Eichinger (CSU). Er sagt: „Es ist natürlich sehr ärgerlich, dass sich der so wichtige Umbau zu einem barrierefreien Bahnhof noch einmal um zwei Jahre verschieben soll. Der Landkreis unterstützt die Bemühungen der Marktgemeinde Kaufering, den ursprünglichen Zeitplan (2023) einzuhalten“.

VdK-Protestnote

Auch Eichingers Vorgänger meldete sich zu Wort. Altlandrat Walter Eichner als Vorsitzender des VdK-Kreisverbandes Landsberg und sein Stellvertreter Rainer Schwarzer reagierten in einer Presseerklärung mit Unverständnis auf die Verzögerung. Die Situation für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Behinderung oder Eltern mit Kinderwagen bleibe nun für fünf weitere Jahre unzumutbar

Eichner und Schwarzer forderten die Bahn auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Der Bahnhofsumbau in Kaufering dürfe nicht das bayerische Gegenstück zum Berliner Flughafen werden“. Daher unterstütze der VdK auch die Petition der Gemeinde Kaufering. Er bittet seine Mitglieder und alle anderen Landkreisbürger, sich in die Liste einzutragen, die in den Rathäusern ausliegt.

Der Bundestagsabgeordnete und der Bürgermeister müssen die Bahnkessel auf Hochdruck bringen

Kaufering – Der KREISBOTE hat die im Gemeinderat vertretenen Fraktionen um eine Stellungnahme zum barrierefreien Ausbau des Kauferinger Bahnhofes gebeten. Wir fragten auch, ob es nicht sinnvoll sei, die geplante Rampe vorzuziehen, für die die Marktgemeinde zuständig ist.

Dr. Thomas Harbich (CSU): „Für die CSU sind die Pläne der Bahn nicht akzeptabel“, betonte der Kauferinger Fraktionssprecher. Die erneuten Pläne einer Verschiebung widersprechen auch dem Vorhaben, die Bahn attraktiver zu machen und damit unter anderem den Klimaschutz zu stärken. Harbich sagte, die CSU werde daher ihre guten und engen Kontakte, die über den Bundestagsabgeordneten Michael Kießling in Berlin bestehen, nutzen, um auf diesem Wege den Bahnausbau für 2023 doch noch zu realisieren.

Sascha Kenzler (UBV): Der Fraktionsvorsitzende erklärt mündlich: Die UBV sei sehr enttäuscht von der erneuten Verschiebung. Seine Fraktion unter­stütze Bürgermeister Thomas Salzberger zusammen mit allen anderen Fraktionen mit allen Kräften bei seinen Bemühungen um einen baldigen Baubeginn für den barrierefreien Bahnhof.

Thomas Wiechmann (SPD): „Wir sind natürlich enttäuscht, dass die Zusagen der Bahn wiederholt verschoben werden sollen. Auch der Unmut und das Unverständnis der rund 1.200 (täglichen) Pendler sowie der Kauferinger Bürger, die nicht regelmäßig die Bahn nutzen, steigt verständlicherweise“.

Der SPD-Fraktions-Chef lehnt einen vorzeitigen Bau der Rampe ab. Dies müsste in Abstimmung mit der Bahn erfolgen, außerdem sei eine gemeinsame Durchführung der Baumaßnahmen sinnvoll um Beeinträchtigungen zu minimieren. „Durch den Bau der Rampe vorab, wird das Problem nur verlagert. Wir bekommen zwar die Zuggäste in den ,Tunnel‘ aber deswegen nicht auf den Bahnsteig und schon gar nicht vom Bahnsteig in den Zug“.

Andreas Keller (GAL): „Wir von den Kauferinger Grünen wissen, dank einer Anfrage unserer Landtagsabgeordneten Gabi Triebel, bereits seit September 2019 von den Verzöge­rungen bis Ende 2024 beim barrierefreien Bahnhofsausbau Bescheid. Da wir uns sehr für den Ausbau des Schienenverkehrs einsetzen, waren wir damals schon über diese Ankündigung der Bahn sehr verärgert. Daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Wer jedoch die Planungs- und Bauabläufe bei der Bahn kennt, weiß dass sich an diesem, jetzt vorliegenden Terminplan nicht mehr viel ändern lässt. Wir sind daher der guten Hoffnung, dass dieser Verzug im barrierefreien Ausbau des Kauferinger Bahnhofs, die letzte Verzögerung gewesen sein wird“.

Interessant sei, dass die Information über den erneuten Ausbauverzug bereist seit Oktober 2019 auch im Rathaus vorliege. „Die jetzt seitens des Bürgermeisters zur Schau getragene Überraschung, ist uns daher nicht ganz verständlich, jedoch möglicherweise mit dem anstehenden Wahlkampf erklärbar.“ Eine Rampe vorzeitig zu bauen, lehnt Keller nicht zuletzt wegen der dann zweimaligen baubedingten Behinderung ab.

Manfred Huber (Kauferinger Mitte): Der Fraktionsvorsitzende verwies darauf, dass Dr. Klaus Bühler bereits im April 2003 mit der DB ein entsprechender Bau- und Finanzierungsvertrag abgeschlossen habe. Der Zuwendungsbescheid liege seit September 2008 vor

Die aktuelle Unterschriftensammlung für einen barrierefreien Bahnhof seit gut, werde aber aus Sicht der Kauferinger Mitte den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs nicht entscheidend beschleunigen. Huber sprach sich für den Bau der Rampe auf der Nordseite des Bahnhofs und für den barrierefreien Zugang von der Südseite des Bahnhofs aus, sofern diese Maßnahmen im Einklang mit dem späteren Einbau von Aufzü­gen stehen. Dies könnte die Bahn unter Zugzwang setzen.

Einen weiteren interessanten Aspekt bringt Huber in die Diskussion: „Weiterhin wird das Vorhaben aus unserer Sicht nur das persönliche Engagement des 1. Bürgermeisters (unter anderem durch Herstellen des persönlichen Kontakts mit den entsprechenden Mitarbeitern der DB und regelmäßigen Austausch) entscheidend voranbringen“.
Siegfried Spörer

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