Wichtig für den Fall der Fälle

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Präsentierten die neue Notfallmappe in Schondorf: Notar a. D. Dr. Manfred Rapp, Bürgermeister Alexander Herrmann, Erwin Ehle und Reinhard Moser vom Seniorenbeirat (v. links).

Schondorf – Ein trauriges Szenario, wie es täglich vielfach passiert: Nachbarn hören aus einer Wohnung Wimmern und Stöhnen, auf Klingeln und Klopfen wird nicht geöffnet. Man ruft die Polizei, die die Wohnung öffnen lässt. Die betagte Dame liegt am Boden, ist verwirrt und kaum ansprechbar. Der Notarzt lässt sie sofort ins Krankenhaus bringen. Und jetzt beginnen die Probleme. Welche Medikamente nimmt die Patientin, ist sie Diabetikerin, hat sie einen Herzschrittmacher, welche Angehörigen müssen verständigt werden usw. In der Wohnung gibt es außer einem Arzneisammelsurium keine Hinweise, die Nachbarn kennen die Verwandten nicht.

Hier würden Daten aus einer Notfallmappe helfen, wie sie jetzt in Schondorf vorgestellt wurde. Die Aula der Grundschule war restlos überfüllt, so groß war das Interesse. Eingeladen hatten die Seniorenbeauftragten Erwin Ehle (Schondorf), Reinhard Moser (Eching) und Bürgermeister Alexander Herrmann. Sie präsentierten die brandneue 3+1-Notfallmappe des Landkreises Landsberg, ein 90-seitiges Kompendium für alle Notfall- und Vorsorgefälle. Es wurde in akribischer Arbeit von Reinhard Moser in Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle „Seniorenpolitisches Gesamtkonzept“ des Landratsamtes zusammengestellt, wobei Notar a. D. Dr. Manfred Rapp als fachlicher Berater fungierte. Bürgermeister Herrmann zeigte sich begeistert von der Schondorfer Sonderausgabe: „Ich habe schon viele solcher Mappen studiert. Aber hier wurde das Beste und Wichtigste von allem komprimiert und übersichtlich dargestellt. Nicht nur Senioren, jeder über 50 sollte sich damit beschäftigen.“

Im Notfallteil geht es praxisorientiert zur Sache. Hier findet man Notfallkarten und eine medizinische Datensammlung zum Ausfüllen und Bereitlegen für den Rettungsdienst sowie einen Notfallausweis für die Brieftasche, wenn unterwegs etwas passiert. Wichtige Daten wie Krankenkasse, Versicherungsnummer oder Hausarzt werden hier eingesetzt und natürlich Verwandte und Personen, die verständigt werden müssen. Es folgen Daten und Hinweise für Angehörige bei Krankenhausaufenthalt oder Tod. Wo zum Beispiel werden Heiratsurkunde oder Stammbuch aufbewahrt? Hat man sich bei Lebzeiten schon um das Thema Bestattung gekümmert? Wer ist Vermieter oder Hausverwalter, wer hat einen Wohnungsschlüssel?

Der Vorsorgeteil, vorgestellt von Dr. Manfred Rapp, enthält Checklisten zur Bestandsaufnahme aller relevanten Daten, die zum Beispiel bei Tod oder im Koma- oder Demenzfall von Anderen benötigt werden. Man sollte den Vorsorgeleitfaden laut Dr. Rapp als „roten Faden“ benutzen, um sicher zu stellen, an alles Wichtige für den Fall der Fälle gedacht zu haben. Oder als Arbeitsunterlage, um längst fällige Abklärungen in der Familie, bei Erbangelegenheiten, Vollmachten und dergleichen anzugehen. Zugang zum ausgefüllten Vorsorgeteil samt Unterlagen sollte nur eine Vertrauensperson haben, die in der Lage ist, die gewünschten Aktionen in die Wege zu leiten bzw. durchzuführen. Da müssen zig­fache Dinge erledigt werden, von der Abmeldung des Autos, der Kündigung von Daueraufträgen, Versicherungen und Abos bis hin zur neuen Unterbringung des Haustieres.

Sogar an den „Digitalen Nachlass“ wurde gedacht, da immer mehr Senioren mit Computer, Tablet oder Smartphone fit sind. Um bestehende Accounts bei Banken, Google-Mail oder facebook zu löschen, müssen Benutzernamen und Passwörter hinterlegt werden. Schließlich sind auch die Aufbewahrungsorte für Immobilien-, Vermögens-, Renten- oder Steuerunterlagen zu benennen. Ebenso Vorsorge-, Gesundheits- oder Patientenverfügungen. Wenn ein Testament gemacht wurde, sollte der Aufbewahrungsort notiert werden. Die Rubrik „Gut zu wissen“ komplettiert die Mappe und gibt wertvolle Hinweise für alle Notfall- und Vorsorgesituationen bis hin zur Erbregelung.

Wer Hilfe beim Ausfüllen der Mappe braucht, kann sich vertrauensvoll an die Seniorenbeiräte in Schondorf und Eching wenden, ebenso an den Verein Gemeinsam. Die Mappe kann zum Selbstkostenpreis von 3,50 Euro im Rathaus Schondorf erworben werden. Kostenlos gibt es sie als Download auf der Gemeindewebseite www.schondorf.de. Die Downloadversion kann am Computer ausgefüllt, ausgedruckt und auch abgespeichert werden. 

Dieter Roettig

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