Selbstjustiz am Biberdamm

Die ausgeräumten Biberdämme wurden am Ufer des Rottbachs liegen gelassen. Foto: Schmid

Der Biber fühlt sich wohl am Rottbach zwischen Birkland und Apfeldorf: Denn dort, an der Grenze zwischen dem Landkreis Weilheim-Schongau und dem Kreis Landsberg, findet er ideale Bedingungen vor. Doch besonders den Grundstückeigentümern ist das Tier ein Dorn im Auge: Immer wieder klagen Landwirte über die Vernässung ihrer Wiesen. Unbekannte haben jetzt wohl einfach zur Selbstjustiz gegriffen: In einer illegalen Aktion wurden auf rund einem Kilometer Länge zehn Biberdämme zerstört. Die unbekannten Täter waren offensichtlich mit dem Bagger angerückt, wie die Spuren zeigten.

Die ausgeräumten Biberdämme wurden einfach am Ufer abgelagert: Teils liegen ganze Haufen herum, teils lauter Hölzer mit spitz oder schräg angenagten Enden. Ebenso fiel ein Rohr, das vor zwei Jahren zur Regulierung des Wasserstandes eingebaut wurde, den Baggern zum Opfer. Was Helmut Hermann vom Bund Naturschutz (Kreisgruppe Weilheim-Schongau) wütend macht, ist aber nicht nur die Aktion an sich: Er sieht vor allem beim bayerischen Umweltministerium und auch beim Landratsamt Weilheim-Schongau Handlungsbedarf. Seiner Ansicht nach gebe es Möglichkeiten, alle Interessen – die des Bibers und die der Landwirte – unter eine Hut zu bringen, „doch es fehlt am Willen und am Geld“, schimpft Hermann. Das Problem in Bayern sei, dass die Landwirte nicht ordentlich entschädigt würden, erklärt der Naturschützer. Stattdessen würde die Regierung mit „völlig ausuferndem Bürokratentum“ den Naturschutz verhin-dern. „Es ist völlig klar, dass bei solchen staatlichen Praktiken die Bauern zur Selbstjustiz greifen“, folgert Hermann. Aber auch das Landratsamt sieht er in der Pflicht: Die Biberberater bekämen nur eine Ehrenamtsentschädigung von ein paar hundert Euro im Jahr. Außerdem müsste es mehr Berater geben, meint Hermann. „Dass Naturschutz Geld kostet, will man in der Politik nicht wahrhaben, aber letztendlich spart sich die Gesellschaft dadurch Folgekosten“, sagt Hermann. So würde der Biber kostenlos Ökosystemdienstleistungen erbringen. „Insbesondere Hochwasserschutz und Artenschutz, für die sonst viel Geld investiert werden müssten, gibt es umsonst – inklusive Biotopverbund in der Fläche“, erklärt der Naturschützer. „Man darf beim Biber nicht die Einzelfläche und das Einzeltier betrachten, sondern muss das große ganze im Blick haben“, so Hermann. Die Zerstörung des Biberparadieses am Rottbach gab auch in der jüngsten Apfeldorfer Gemeinderatssitzung Anlass zur Diskussion. Auslöser der Debatte im Gemeinderat waren die Äußerungen von Bürgermeister Georg Epple: Dieser hatte sich in der Presse öffentlich auf die Seite der Landwirte geschlagen und hatte festgestellt, dass der Biber ja die Landschaft kaputt gemacht habe und das Wasser des Rottbachs jetzt wieder eine normale Fließgeschwindigkeit hätte. Diese Aussagen fanden aber nicht alle Gemeinderäte so vorteilhaft. Ratsmitglied Robert La Rosa meinte: „Die Gemeinde sollte sich klar davon distanzieren, wenn illegale Sachen gemacht werden“. Egal wie groß der Schaden an der Wiese sei, so gebe es doch ganz klare gesetzliche Richtlinien, und die Kommune sollte die Täter nicht noch unterstützen, legte La Rosa seine Ansicht dar. Gemeinderat Heinrich Keller fürchtete, dass durch die illegale Aktion jetzt auch nicht mehr so leicht legale Beseitigungsaktionen möglich wären – dafür würde die Gemeinde jetzt wohl nicht mehr so leicht eine Genehmigung bekommen. Epple hielt dagegen, dass schließlich auch die Rohre zur Wasserstandsregulierung verbaut worden seien, ohne dass die Gemeinde als Grundeigentümerin (ein Teil des Rottbachs gehört zu Apfeldorf) überhaupt gefragt worden sei. Biberberater Hubertus Wenderoth hatte die Vorrichtung mit Hilfe von Helmut Hermann eingebaut. Dies sei in Absprache mit den Landwirten geschehen, und diese seien mit der Regulierung auch zufrieden gewesen, berichtete Wenderoth. Dass das Rohr samt Biberdämmen nun entfernt wurde, stimmt Ex-Biberberater Hubertus Wenderoth traurig: „Ich habe dort sehr viel Herzblut eingebracht, um das Biberparadies zu erhalten – und jetzt ist es kaputt.“

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