Senioren ohne Engagement

Das war’s dann: Bürgermeister Herbert Kirsch (links) bedankte sich vergangene Woche beim Seniorenbeirat rund um seinen Vorsitzenden Werner Forstner (stehend rechts) und entließ die Damen und Herren mit je einem neuen Landkreis-Buch aus ihren Ämtern. Foto: Robert

Der Seniorenbeirat hatte vergangene Woche die traurige Aufgabe, sich zu verabschieden: Nachdem sich nur sechs Kandidaten für das laut Satzung siebenköpfige Gremium gefunden hatten, wurde die Wahl des neuen Beirates seitens der Gemeinde abgesagt – rund 3000 Dießener ab 60 Jahren stehen damit offiziell ohne Vertreter da.

Wie groß, oder eher wie gering in der Marktgemeinde offensichtlich das Interesse an einem Gremium für die Älteren ist, ließ sich mehr als deutlich an der Zahl der Anwesenden im Gasthof Unterbräu ablesen: Gerademal 20 Senioren plus Beiratsmitglieder waren gekommen, um der vorerst letzten Sitzung des Seniorenbeirates beizuwohnen. „Ich hatte erwartet, dass Sie hier heute in großer Zahl vertreten sind und ich mich vor Ihnen rechtfertigen muss, warum es keinen Beirat mehr geben wird“, zeigte sich nicht nur Bürgermeister Herbert Kirsch enttäuscht über das mangelnde Interesse. So antwortete er auch konkret auf eine Bürgeranfrage, wie viele Unterschriften denn für eine Wiederbelebung des Beirates notwendig seien: „Dazu braucht es schon Engagement.“ Zuvor hatte Beiratsvorsitzender Werner Forstner sein Bedauern ausgedrückt, zumal gerade im Hinblick auf andere Veranstaltungen, wie etwa dem Seniorennachmittag beim Seefest, die ältere Generation sehr wohl zu mobilisieren sei. Etwa 600 Mitbürger – Rentner und Senioren – fanden sich zuletzt an diesem Nachmittag in den Seeanlagen ein. Weniger aktiv Offiziell gewählt wurde der Seniorenbeirat in dieser Form vor sechs Jahren – seit dieser Zeit hatte auch Forstner die Vertretung geleitet. Doch die Aktivitäten, diese große Bevölkerungsgruppe zu unterstützen, gehen zurück: Schon Botho Peine von der Arbeiterwohlfahrt war seit 1993 mit dem Segen der Marktgemeinde aktiv gewesen, nach seinem Tod hatte kurzfristig Annemarie Apadula die Leitung übernommen. Diverse Themen waren aktiv angegangen worden, die beiden wichtigsten bleiben den Dießenern aufgrund des nach wie vor vorhandenen Engagements erhalten: Unter der Regie von Werner Forstner und Werner Lampert wird die Wertstoffsammelstelle am Bahnhof hauptsächlich für die nicht mobilen Mitbürger weitergeführt. Seit Mai 2006 sind immerhin 514 Öffnungstage zusammengekommen – ehrenamtlich, ohne Bezahlung. 100 Unterschriften Gleichzeitig hat sich Gemeinderätin und Seniorenbeauftragte Antoinette Bagusat bereit erklärt, die monatliche Senioren­- sprechstunde weiterzuführen – sie wird regelmäßig frequentiert. Eben in diesen Sprechstunden sollen dann auch Unterschriftenlisten für die Einrich­- tung eines neuen Beirates ausliegen, wobei Kirsch deutlich machte, dass es mindestens 100 Unterschriften benötige, bis der Marktgemeinderat in die Diskussion für einen neuen Beirat einsteige. Kirsch deutete an, dass es bei der Aufstellung der Kandidaten Schwierigkeiten gegeben habe: Wegen Aussagen wie „Ich kandidiere nur, wenn der andere nicht kandidiert“ hatte die Gemeinde schließlich die Bewerberliste für den Seniorenbeirat unter Verschluss gehalten, was vielleicht den ein oder anderen Mitstreiter, der persönliche Animositäten hegte, abhielt. Vom amtierenden Beirat hatten fünf der sieben Mitglieder wegen zu vieler weiterer Aktivitäten aufgehört. Bürgermeister Kirsch hatte zuvor die Überlegung angestellt, dass es in Dießen wohl viele sehr aktive ältere Mitbürger gebe, die wissen würden, wo sie hingehen müssten – aber auch allen anderen müsse man die Hand reichen. Der Rathauschef wünschte sich Unterstützung unter anderem für die Sprechstunden, die auch unter wechselnder Leitung geführt werden könnten. Grundsätzlich könne aber jeder ins Rathaus kommen, der ein Anliegen habe – ob Senior oder nicht.

Auch interessant

Meistgelesen

Penzinger Feld gewinnt das Tauziehen
Penzinger Feld gewinnt das Tauziehen
40 Mal direkt in die Lehre
40 Mal direkt in die Lehre
Neue Könige der Gesellschaft?
Neue Könige der Gesellschaft?
Eresing zelebriert sein 950-Jähriges
Eresing zelebriert sein 950-Jähriges

Kommentare