Blick in die Zukunft

"GERT" macht alt

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Mit GERT, dem Gerontologischen Testanzug, fühlte sich Josef Dahlmann vom Seniorenkreis Eching gleich um 20 Jahre älter und dementsprechend eingeschränkt. Beim Anlegen halfen ihm Life Kinetik-Trainerin Rita Jochum und Pajam Rais-Parsi von der Koordinationsstelle Seniorenpolitisches Gesamtkonzept im Landratsamt Landsberg.

Eching – Wie fühlt es sich an, wenn man in wenigen Minuten um Jahrzehnte altert? Dies wurde beim Seniorentreffen im Echinger Gasthof Eberhardt eindrucksvoll vorgeführt. Josef Dahlmann ließ sich in einen Gerontologischen Testanzug namens GERT stecken. Der Alterssimulator vermittelt einen Eindruck von den nachlassenden Kräften im Alter und der Einschränkung von Beweglichkeit, Hör- und Sehvermögen. Mit einer 20 Kilogramm schweren Weste, Gewichten an Händen, Knien und Füßen, Gehördämpfer und einer Spezialbrille konnte Josef Dahlmann in die tägliche Erfahrungswelt von betagten Menschen eintauchen.

Pajam Rais-Parsi von der Koordinationsstelle „Seniorenpolitisches Gesamtkonzept“ im Landratsamt Landsberg hatte GERT mitgebracht. Er wird in der Regel bei der Ausbildung von Pflegekräften oder pflegenden Angehörigen eingesetzt, um die Sensibilität im Umgang von Senioren zu steigern. Aber auch Vereine, Institutionen oder Gewerbetreibende können GERT im Rahmen von Schulungen und Workshops anfordern, um mehr Verständnis und Geduld für ältere Mitbürger zu trainieren.

Ein wichtiges Thema, denn laut dem aktuellen Demographie-Spiegel wird allein im Landkreis Landsberg der Anteil der über 65-Jährigen bis zum Jahr 2030 auf 26,4 Prozent steigen. Davon werden 7,7 Prozent über 80 sein. Laut Pajam Rais-Parsi stellt das den Landkreis vor gewaltige Herausforderungen. Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird laut Prognose von derzeit 2.300 Personen auf 3.610 steigen. Um die Versorgungslücken zu schließen, müssten bis 2030 noch 420 Vollzeitkräfte für Alten- und Krankenpflege eingestellt werden.

Zentraler Punkt in Rais-Parsis Vortrag war die Zunahme von Demenzerkrankungen auch im Landkreis Landsberg. Von derzeit rund 2.000 diagnostizierten Demenzfällen wird die Zahl auf mindestens 3.300 im Jahr 2032 steigen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Da die entsprechenden Heime im Landkreis nahezu ausgelastet sind, sei die Pflege der Patienten im gewohnten häuslichen Umfeld oft die einzige Lösung. Hierzu würden Workshops für die passiv Betroffenen (Demenz als „Krankheit der Angehörigen“) angeboten und die Helferkreise beim Aufbau unterstützt. Hier kooperiert der Landkreis mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, da Alzheimer die häufigste Form der Demenz sei. Details sind in der Fachstelle für pflegende Angehörige im AWO-Zentrum Landsberg (Lechstraße 5) zu erfragen. Zur weiterführenden Information empfahl Pajam Rais-Parsi den „Wegweiser für Senioren“ und den „Ratgeber Pflege“, die im Landratsamt, in den Gemeinden oder bei den Seniorenkreisen erhältlich sind.

Um Demenz und Alzheimer vorzubeugen, sollten die Senioren auf jeden Fall aktiv bleiben und unter Menschen gehen, Alkoholgenuss mäßigen und das Rauchen einstellen. „Das in der Werbung so groß propagierte Ginko können sie ruhig weglassen“, so Rais-Parsi. „Das ist ein Placebo und hat keinerlei Wirkung auf ihr Gedächtnis.“ Viel wichtiger sei „Gehirnjogging mit Bewegung“, zu dem die Life Kinetik-Trainerin Rita Jochum vor den Echinger Senioren referierte.

„In Deutschland erkranken täglich 800 Senioren über 65 an Alzheimer“, so Rita Jochum, die auf Life Kinetik als Vorbeugung schwört. Mit ihren speziell für Senioren ausgearbeiteten Kursen würden durch ungewohnte Bewegungskombinationen neue Verbindungen zwischen den Gehirnzellen geschaffen, die den Handlungsspielraum in allen Lebensbereichen der Senioren erhöhen. Life Kinetik hat übrigens der Echinger Sportwissenschaftler Horst Lutz erfunden. Es regt neuronale Lernvorgänge an, bindet neue Gehirnzellen ein, verzögert dementielle Symptome, verbessert die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und steigert das visuelle System. Speziell für die Echinger Senioren organisiert Rita Jochum Ende September je einen Anfänger- und Fortgeschrittenen-Kurs im Albertussaal.

Das nächste Highlight im Programm des rührigen Echinger Seniorenkreises ist am 18. September ein Vortrag zum Thema „Jung bleiben“ mit der Ex-Schauspielerin und Ärztin Marianne Koch. Die agile 85-Jährige war bereits einmal in Eching zu Gast und kam so gut an, dass sie der Seniorenbeauftragte Reinhard Moser nochmals eingeladen hat. Wegen des zu erwartenden großen Andrangs empfiehlt Moser eine Platzreservierung unter Telefon 08143/997750 oder E-Mail moserreinhard@t-online.de. 

Dieter Roettig

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