Von wegen "Männersache"

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Das Bayerische Rote Kreuz Landsberg im Wandel der Zeit: 1968 bei einem Krankentransport. In diesem Jahr feiert der Kreisverband sein 150-jähriges Bestehen.

Landsberg – „Helfen mit Tradition“ – das ist derzeit als eine Art Motto auf den Internetseiten des Bayerischen Roten Kreuzes zu lesen. Diese Tradition wird einem auch bewusst, wenn man auf die mittlerweile 150-jährige Historie des BRK-Kreisverbandes in Landsberg zurückblickt. Doch die Geschichte des Verbandes beginnt bereits früher und anders, als man lange Zeit vermutete. Und machte in den letzten Jahren eine Wandlung durch.

Die Chronik in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Roten Kreuzes in der Lechstadt berichtet, dass es sich dabei zunächst um eine „reine Männersache“ handelte. Dringt man aber tiefer in die Historie des Kreisverbandes ein, wird klar: Das ist so nicht richtig. Denn bereits 1866 – nur etwa zwei bis drei Jahre nach der Gründung des „Roten Kreuzes“ durch Henry Dunant nach der Schlacht von Solferino – taten sich in Landsberg einige Frauen zusammen. Sie bildeten eine Zweigstelle des „Hauptvereins bayerischer Frauen und Jungfrauen zur Beschaffung von Verbandmitteln für das vaterländische Heer“. Und diese Frauen sind der Grund dafür, dass der Landsberger Kreisverband in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag feiern kann.

Heute verlagern sich die Aufgaben des BRK immer mehr.

Lange Zeit war diese Tatsache aber völlig unbekannt. Denn man ging davon aus, dass dies die Geschichte der Gründung des Landsberger BRK darstellt: Am 22. Juli 1889 gründete der Korpsarzt der Freiwilligen Feuerwehr Landsberg Dr. Redenbacher die Sanitätskolonne Landsberg „unter dem Zeichen des Roten Kreuzes“. Bei der Gründungsversammlung im Saal des Gasthauses Kristeiner meldeten sich rund 50 Mitglieder an. Doch dann machte der ehemalige Oberbürgermeister und langjährige Vorsitzende des BRK Landsberg Franz Xaver Rößle in den Stadtarchiven eine Entdeckung: Ein Vermerk über die Frauen, die sich bereits 1866 zusammengefunden haben. Allerdings schweigen die Akten danach bis zum Gründungsdatum der Sanitätskolonne 1889.

Seither waren Frauen und Männer lange Zeit streng in den Sanitätskolonnen und Frauenbereitschaften getrennt aktiv. Erst 1993 wurde diese Trennung aufgehoben und beide Gliederungen zur Sanitätsbereitschaft zusammengefügt. Doch das ist nicht die einzige Neuerung, die sich in der 150-jährigen Geschichte des Landsberger BRK geändert hat: Der Sanitätsdienst ist natürlich das Feld, aus dem sich der Verband entwickelte. Trotzdem macht das BRK im Laufe der Zeit eine Entwicklung hin zum Wohlfahrtsverband durch. Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner bezeichnet es als „Gemischtwarenladen“.

Vom rein ehrenamtlichen fand eine Entwicklung immer mehr zum hauptamtlichen Verband statt. Momentan stehen 1.116 ehrenamtliche 251 hauptamtlichen Mitarbeitern im Kreisverband Landsberg gegenüber. Das Aufgaben­spektrum reicht dabei von Sanitätsdienst, Rettungsdienst und Katastrophenschutz über den Ambulanten Pflegedienst, Betreutes Wohnen oder Selbsthilfegruppen. Diese Entwicklung schreibt Lehner im Gespräch mit dem KREISBOTEN vor allem der demografischen Entwicklung zu. So nimmt nicht nur der Pflegebereich einen immer größeren Raum ein, auch die Kinderbetreuung wächst – in Landsberg vor allem seit das BRK im Januar die Trägerschaft für die Kindergärten in Prittriching und Scheuring übernommen hat.

Astrid Erhard

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