Shakespeare im Stadttheater Landsberg:

Macht, Intrigen, Königsmord

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Gekrönt, aber ihrer Macht nicht sicher: Macbeth (Benjamin Plath) und Lady Macbeth (Elisabeth Milarch)

Landsberg – Wer sich am vorvergangenen Sonntag einen Spaß daraus gemacht hat, die Leichen im jüngsten „Tatort“ zu zählen (der ja ebenfalls aus dem Shakespeare-Fundus schöpfte), hätte am Mittwoch darauf im Stadttheater seine helle Freude gehabt: Die Berliner Shakespeare-Company zeigte mit „Macbeth“ eine turbulente, blutspritzende, schrille, aber durchaus überzeugende Version des berüchtigten „schottischen Stücks“.

Entsetzen nach dem Königsmord: Benjamin Plath als Macbeth.

Da spitzt das Theaterblut aus Spielzeugpistolen, werden durchgeschnittene Kehlen mit Lippenstift angemalt, tummeln sich die sechs in Military-Green gewandeten Schauspieler in einem wahren Waffenarsenal, blitzen Schwerter neben Maschinengewehren. Mit dem Anspruch der Katharsis räumt Regisseur Uwe Cramer gründlich auf: ein Schild „Theater“ über der kargen Bühne lässt keinen Moment vergessen, dass alles nur Spiel ist, keiner der überzeichneten Charaktere lässt so etwas wie Mitleiden aufkommen – sogar die Ermordung von Mutter und Sohn Macduff wird ins Groteske gezogen. Macbeth Visionen kommen aus einer Jahrmarkts-Schaukiste, die Hexen werden zu bloßen Hirngespinsten.

Und doch funktioniert das Ganze. Wie schon im „Sommernachtstraum“ wirbeln die Akteure durch die zahlreichen Rollen, illustrieren die Handlung durch schaurig-atonale Musik, die an ein Moritatendrama erinnert. Der sächselnde Than of Rosse (Erik Studte), den jeder nur am Akzent erkennt, sorgt für komische Momente. Einem antiken Chor gleich verstärkte die Truppe die inneren Monologe Macbeth (Benjamin Plath), die Darstellung seiner Gewissensqualen zählte zu den intensivsten Momenten des Abends. Ebenfalls überzeugend das Zusammenspiel Macbeth-Lady Macbeth als intrigantes Mordpaar.

Rollentausch

Doch während Macbeth mehrere Facetten der Gefühlsskala bedienen darf, bleibt Lady Macbeth (Elisabeth Milarch) seltsam eindimensional: ehrgeizig, machtbesessen, kalt berechnend – noch verstärkt durch den Regieeinfall des Rollentausches in der zweiten Hälfte. Von der Figurenkonzeption her durchaus einleuchtend, beraubt er doch die Charaktere ihrer Entwicklung. Macbeth schrubbt im Hintergrund die Bühne, während Lady Macbeth verzweifelt ihre Macht verteidigt. Fallende Standarten symbolisieren das Ende des Tyrannen. Aber wozu? Der vermeintlich Gute Malcolme (Stefan Plepp) ist auch nicht besser, wird bald gestürzt durch eine lange Reihe weiterer Tyrannen, die sich gegenseitig meucheln, begleitet von einem Exkurs über die Krise der Demokratie.

Laut, schrill, überzeichnet zeigt die Inszenierung der Shakespeare Company Berlin doch, dass „Macbeth“, in einer finsteren und blutigen Zeit geschrieben, von nahezu beängstigender Aktualität ist.

Patricia Eckstein

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