Ein traumhafter Shakespeare-Abend

+
Oberon (Michael Günter) und Titania (Kim Pfeiffer) im „Sommernachtstraum!“.

Landsberg – Mit einem Ausrufezeichen hatte die Shakespeare Company Berlin den Titel der berühmten Komödie versehen: „Sommernachtstraum!“. Und damit gleich den Focus auf das gelegt, das man bei manchen Inszenierungen angesichts der Bedeutung und der „Wichtigkeit“ des Stückes leicht vergisst: den Traum.

Und so malen die Berliner unter der Regie von Doris Harder gleich eine surreale Szenerie: Stoffbahnen und Kostüme in einem hellen Beige, das je nach Beleuchtung grünlich-flirrend, rosa oder rot erscheint und wunderbare Bilder entstehen lässt (Bühnenbild: Coco Ruch, Kostüme: Gabriele Kortmann). Vieles ist der Fantasie überlassen, die Atmosphäre trägt. Ein Requisit, der Fächer, wird abwechselnd zum Schwert, zur Percussion, zum Versteck. Frech, witzig, tragisch, poetisch und mit einer wunderbaren Leichtigkeit wirbeln die sechs Akteure durch die Handlung, wechseln Figuren und Ebenen scheinbar mühelos, Wanderer zwischen den Welten. Der Hof des Königs Theseus, die tapsigen Handwerker und die mystisch-schräge Elfenwelt, alles ist lebendig, greift ineinander. Kim Pfeiffer wird von der animalisch-schrillen Titania zur zickigen Hypolita, zum dusseligen Handwerker und einem Teil des mit zwei Personen besetzten Puck. Vera Kreyer ist eine herzzerreißend unglückliche Helena, der Giftzwerg Quenz und Elfe, Elisabeth Milarch der brüllende Löwe, Elfe und verliebte Hermia. 

Ebenso wandlungsfähig die Männer: Michael Günter dominiert als Oberon mit hellen Fledermausflügeln, als Theseus und gibt als Handwerker die lispelnde Thysbe. Aus dem Verführer Lysander (Oliver Rickenbacher) wird der zweite Teil von Puck, ein Elf, ein Handwerker und der Mann im Mond, während Erik Studte dessen Gegenspieler Demetrius darstellt, den Handwerker Botten mit Starallüren und den Pyramus. Zwischendurch wird musiziert, gesungen, durch den Zuschauerraum gestürmt, immer fesselnd, immer interessant, niemals langatmig, trotz der realen Länge keine gefühlten Längen. Ein wahrhaft „traumhafter“ Shakespeare. Schön, dass die Berliner im Herbst mit „Macbeth“ wieder in Landsberg sein werden. Eine Begegnung zwischen Mensch und Geisterwelt gab es übrigens schon im Foyer des Theaters: von der Galerie aus blickte ein Elf auf die Menschen herab. Ein Portrait der Künstlerin Katinka Schneweis, das sie anlässlich des Gastspiels gemalt hatte.

Patricia Eckstein

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See
Kaltenbergs "letzter Ritter"
Kaltenbergs "letzter Ritter"

Kommentare