Shakespeare für Genießer

Hat er so viel Glück verdient? Claudio (Joseph Wicks, vorne) darf mit Leonatos Segen (Richard Clodfelter, hinten) Hero (Laura Huxley) heiraten, an der er zuvor gezweifelt hat. Foto: Eckstein

Als echte Bereicherung des Spielplans hat sich die Reihe fremdsprachiger Dramen im Stadttheater erwiesen. Mit der Inszenierung von William Shakespeares „Much Ado about Nothing“ hat das TNT Theatre Britain aus Exeter am Donnerstag einen neuen Höhepunkt gesetzt.

„Much Ado about Nothing“ (deutscher Titel „Viel Lärm um nichts“) bedeutet eine Herausforderung für jeden Regisseur: nicht nur, dass dieses Stück eines der meistgespielten des großen Meisters aus Stratford ist, nicht nur, dass die Bilder der wunderbaren Verfilmung von Kenneth Branagh im Hintergrund lauern, nein, dieses Stück entzieht sich auch der klassischen Definition. Ist es eine Komödie mit ernsten Elementen, eine Tragödie mit Happy End, oder nichts von alldem? Zu plötzlich der Umschwung von temperamentvollem Wortwitz zum düsteren Drama und umgekehrt, zu nah liegen Trauer, Rache und Vergnügen beieinander. Das nur sechsköpfige Ensemble um die Regisseure Paul Stebbings und Christian Flint umschiffte diese Klippen scheinbar mühelos. Spielfreude, Leichtigkeit, ein virtuoser Umgang mit Shakespeares Blankversen (ein Genuss im Original!) und nicht zuletzt grandiose schauspielerische Leistungen, gepaart mit großer Wandlungsfähigkeit, spielte doch jeder der Darsteller mehrere Rollen. Immer wieder witzig die Wortduelle zwischen Beatrice (Louise Lee) und Benedick (mit Kenneth-Branagh-Frisur: Andrew Goddard), Claudio (Joseph Wicks) als verliebter Trottel, David Chittenden verkörperte sowohl Don Pedro als auch den „bösen“ Bruder Don John. Leonato (Richard Clodfelter) berührte gerade in den tragischen Momenten. Laura Huxley blieb als Hero etwas blass, stellte aber ihr beachtliches musikalisches Talent unter Beweis. Das gilt auch für den Rest der Truppe, der immer wieder mit Gesang Atmosphäre zauberte. Auch die typischen shakespeareschen Klamaukszenen sorgten für viel Heiterkeit, wenn auch die großen Momente der Inszenierung eher in den tragischen Szenen lagen. Sehr berührend der Zusammenbruch der bislang immer heiteren Beatrice und ihre Forderung an den ausnahmsweise ernsten Benedick „Kill Claudio“. Einen Toten gab es dann (nach Heros „Auferstehung“) doch noch auf der Bühne: Während Shakespeare das Ende des intriganten John der Phantasie der Zuschauer überlässt, zieht Claudio eine Pistole und richtet ihn hin. Hero darf hier mal nicht nur sanft sein, stupst die Leiche ihres Feindes noch mit dem Fuß an, bevor der Hochzeitstanz beginnt. Für die nächste Spielzeit hat Theaterleiter Florian Werner schon die Inszenierungen von „Christmas Carol“ und „Macbeth“ angekündigt. Man darf sich also schon einmal freuen…

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