Sicherheit geht vor!

Achtung, Straße bei Dienhausen wegen Drückjagd gesperrt

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Max Dosch aus Landsberg bringt die Wildursprungsmarken an einem Reh an.

Denklingen/Dienhausen – Das gibt es auch nicht alle Tage: Wegen einer Drückjagd wird mal schnell eine Verbindungsstraße komplett gesperrt. So geschehen jüngst zwischen Dienhausen und Osterzell für gut zwei Stunden. Auf den Waldwegen im festgelegten Bereich nördlich des Sachsenrieder Forstes ging ebenfalls nichts mehr. „Es wird scharf geschossen“, warnten die Bayerischen Staatsforsten, „eine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern sollte verhindert werden.“

An diesem Samstagmorgen möchte man eigentlich keinen Hund vor die Haustüre setzen. Novemberwetter wie aus dem Bilderbuch: Trüb und nebelig die Sicht, unangenehm feucht die Luft. Eigentlich müsste man sich die Bettdecke nochmals über die Ohren ziehen und weiterschlafen. Gilt nicht für Moritz Klein aus Rettenbach. Für ihn und seine Hunde heißt es raus aus den Federn. Das Herrchen-Hunde-Team nimmt an diesem Morgen an der von den Bayerischen Staasforsten organisierten und groß angesetzten Drückjagd teil. „Für meine Hunde ist dieser Tag eine Belohnung“, erzählt Moritz. Denn die Hunde wollen sich bewegen. Gestatten: Eik, fünf Jahre alt, Deutscher Wachtelhund, sowie Kvika, sechs Monate und noch in der Ausbildung, Westsibirischer Laika.

Treffpunkt für eine der vier teilnehmenden Jägergruppen ist der Parkplatz am Dienhauser Weiher. Dort halten der Landsberger Forstbetriebsleiter Robert Bocksberger und sein Stellvertreter Peter Graser die Morgenparole ab. Militärisch formuliert. Das heißt, hier werden die Aufteilungen festgelegt. Das Gebiet, das an diesem Morgen für die Drückjagd festgelegt ist, erstreckt sich über 4.000 Hektar an einem Stück. Graser bezeichnet es als größtes Zusammenhängendes Waldstück im Alpenvorland.

„Ich verspreche mir heute Einiges“, sagt Graser sehr optimistisch und locker. Schwenkt aber sofort danach um in Richtung Sicherheitseinweisung. Die wird von ihm ganz groß geschrieben. „An dieser Jagd nehmen um die 85 Jäger teil, da hat Sicherheit oberste Priorität: Sie schießen nur, wenn Sie wissen, worauf Sie schießen“. Na, da bin ich als Reporter ja beruhigt. Dennoch: Gut dass ich meine gelb leuchtende Sicherheitsweste am Körper trage. Aber warum tragen die anderen alle orangefarbene Jacken und Hosen? Des Rätsels Lösung gibt Leonhard neben mir preis: „Die Tiere können diese Farbe nicht wahrnehmen, erkennen nur Blau.“ Wieder was gelernt.

Ganz langsam

Meine Schulstunde ist noch nicht zu Ende. Was ist eigentlich eine Drückjagd? Die Erklärung bekomme ich vom Forstdirektor selbst. „Die Drückjagd ist eine Bewegungsjagd“, erklärt er. Im Klartext: Das Wild wird von Treibern wie Moritz Klein und seinen Hunden aus der Deckung „gedrückt“ – langsam in Richtung der zuvor positionierten Jäger. Alles soll, im Gegensatz zu einer Treibjagd, bewusst langsam ablaufen, um am Ende einen sicheren Schuss zu ermöglichen.

In zwei Stunden hat Moritz Klein mit seinen Hunden Eik und Kvika 6,8 Kilometer durch den Wald zurückgelegt.

Und wieder ein Punkt in Sachen Sicherheit. „Achten Sie, dass ein natürlicher Kugelfang im Hintergrund ist“, tönt es aus Richtung Forstoberrat Graser. Und noch in Kurzform: „Sicherheit vor Strecke.“ Mein ungläubiges Gesicht fordert Klartext: „Lieber auf den Schuss verzichten, als einen Treiber zur Strecke bringen.“ Passt, hab ich jetzt auch kapiert.

Die Ansteller stehen bereit. Sie haben die Aufgabe, die jeweiligen Jäger zu ihren Hochständen zu bringen. Jeder Hochstand hat eine Nummer, die wiederum in einem Verzeichnis eingetragen ist. „So kann bei einem Unfall schnelle Hilfe zu so einem Punkt gebracht werden“, erklärt mir mein Nebenmann. Und Bocksberger: „Wir jagen nach der Zeit.“ Will heißen: Um Punkt 9.45 Uhr darf mit dem Schießen begonnen werden und um 11.45 Uhr Schluss ist. Keine Minute später. „Zeitvergleich!“ Die Uhren sind gecheckt, die Jagd kann beginnen.

Fast drei Stunden später. Treffpunkt ist die Kniehütte mitten im Forst. Jäger und Treiber trudeln langsam ein. Die Ausbeute wird vor der Hütte abgelegt. Sechs Rehe, drei Wildschweine. Mehr nicht. Trotzdem ist Peter Graser mit der Aktion zufrieden. „Wir wollen damit auch den Landwirten zeigen, dass wir uns um den Beschuss kümmern.“

Den erlegten Tiere widmet sich jetzt Max Dosch. Der Landsberger füllt die Begleitscheine aus. Alles wird exakt vermerkt. Von der Wildeingangsnummer bis hin zum Erlegungs- und Verkaufsgewicht. Dann werden die Begleitscheine an den erlegten Tieren befestigt. Das war´s für heute. Und für mich auf alle Fälle ein aufschluss- und erlebnisreicher Vormittag im Staatsforst. Waidmanns Dank!
Hans-Helmut Herold

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