"Die Aufregung ist umsonst"

So soll’s werden: Diese Draufsicht der städtischen Bauverwaltung zeigt den Sichtschacht (braun) am Marienbrunnen mit dem tastbaren „Blindenmodell“ (links) und der Glasscheibe (grün), die den Blick auf Reste des alten Rathauses ermöglicht.

Landsberg – Etwa 80 Zentimeter hoch, aus grauem, kahlen Beton ragt seit Kurzem neben dem Marienbrunnen am Hauptplatz ein Schacht heraus. Schön sieht er nicht gerade aus, ganz Landsberg diskutiert über den „Betonklotz“, manche nennen ihn „Sarg“ oder gar „Sarkophag“.

Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) kann die ganze Aufregung nicht verstehen, schließlich ist die Präsentation der archäologischen Funde noch nicht ganz fertig. Hauptattraktion soll ein „Blindenstadtmodell“ sein, und das brauche den Schacht als Sockel.

Nachdem bei den Umbauarbeiten am Hauptplatz Teile des alten Rathauses und weitere interessante Fragmente gefunden und freigelegt wurden, entschied sich die Stadt, diese auch sichtbar zu machen. „Die Idee hat dem Stadtrat gut gefallen“, erinnert sich Neuner. Das Bauamt hat dann ausführlich erarbeitet, wie zumindest ein Teil des Gewölbes nahe des Marienbrunnens präsentiert werden kann.

„Die erste Überlegung war es, ebenerdig eine Glasplatte über den Funden anzubringen.“ Allerdings sei hierbei die Rutschgefahr für die Besucher der Innenstadt zu groß gewesen. Die zweite Variante war es, so Neuner, die Ansicht so zu gestalten, dass sie auch als Sitzbank genutzt werden könne. Dann habe der Rotary Club Landsberg angeboten, der Stadt ein Blindenmodell zu schenken – um dieses anzubringen, bedürfe es aber eines stabilen Sockels. „Wenn die Rotarier uns so ein teures Geschenk machen, dann bauen wir ihnen auch den Sockel dafür“, betont Mathias Neuner.

Der nun entstandene Sichtschacht bildet die Basis für das Modell der Altstadt. Von oben gesehen ist gut die Hälfte des Schachts mit einer Glasplatte abgedeckt, die andere Hälfte ist für das Modell vorgesehen (siehe Bild). Der Beton werde laut Neuner noch verkleidet, die Funde beleuchtet und an der Seite ein kleines „Sichtfenster für Kinder“ eingebaut. „Glas­platte, Verkleidung und Beleuchtung werden demnächst angebracht“, verspricht das Stadtoberhaupt, einen genauen Zeitplan kenne er aber noch nicht. 

Insgesamt habe die Errichtung des Schachtes durch den Bauhof rund 5000 Euro gekostet. Das mit Abstand teuerste ist das Blindenmodell, die Glasplatte möchte möglicherweise der Historische Verein stiften. „Dazu haben wir bisher nur eine mündliche Zusage, denn es hat wegen der Pflasterarbeiten etwas pressiert“, räumt das Stadtoberhaupt ein. Man habe wohl schon miteinander über einen Zuschuss geredet, meint die 2. Vorsitzende des Historischen Vereins, Ingrid Lorenz. „Aber entscheiden darf das nur der Beirat. Und der tagt erst im Herbst wieder.“

„Die ganze Aufregung ist umsonst“, findet das Stadtoberhaupt. Schließlich stehe im Mo­ment nur das Fundament der Präsentation. „Wenn erst einmal alles fertig ist, wird es wunderschön.“ Bei dem Blinden­stadtmodell handle es sich um ein schönes Geschenk und auch für Touristen in der Lechstadt sei es toll. „Die Besucher können sich dann an dem Modell einen Überblick über die Altstadt verschaffen“, meint Mathias Neuner.

Janina Bauch

Sarkophag ist "unhaltbar"

Landsberg – „So gut die ursprüngliche Idee war, so unbefriedigend ist die Ausführung“, findet SPD-Fraktionschef Dieter Völkel mit Blick auf den „Sarkophag“ vor dem Marienbrunnen. Der jetzige Zustand sein unhaltbar, eine alsbaldige Korrektur unumgänglich. Völkel fordert OB Neuner auf, die Sache so rasch wie möglich im Stadtrat zu behandeln.

Stadtmodell in Goldbronze

Landsberg – Wer jemandem eine Freude machen möchte, der spricht nicht gerne übers Geld. So hält man es auch beim Rotary Club Landsberg. Mit seinem rotarischen Hilfswerk e.V. wollen die Rotarier der Stadt das Blindenstadtmodell für den Sichtschacht vor dem Marienbrunnen am Hauptplatz schenken.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass uns von Seiten der Stadt ein Standort am neu gestalteten Hauptplatz angeboten wurde und aufgrund umsichtiger Planungen dort wohl auch verwirklicht werden kann“, so Rotary-Präsidentin Silke Anderie. Wegen „besonderer statischer Gegebenheiten“ werde das Modell mit dem Geländeprofil der Lechstadt im Maß­stab 1:800 (1,30 x 1 Meter) in „Goldbronze“ hergestellt. Silke Anderie geht davon aus, dass die Anfertigung im Wachsausschmelzverfahren etwa zehn Monate dauern werde. Angaben zu den Kosten wolle sie auch deshalb nicht machen, weil man noch mit dem Künstler verhandle.

Toni Schwaiger

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