Siegfried-Meister-Konzert 2019

Klassik in Rational-Werk 3: Meisterliche Reise nach Wien

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Dirigent Azis Sadikovic und Klarinettist Christoph Moser begeisterten mit dem Orchester Symphony Prague beim siebten Siegfried-Meister-Konzert im Werk 3 von Rational.

Landsberg – Nicht umsonst gibt es in der Musik eine Stilrichtung, die sich „Wiener Klassik“ nennt. Zahlreiche Komponisten hatten in der österreichischen Metropole ihr Domizil. Beethoven wohnte in der Mölker Bastei, die Domgasse Nr. 5 bot Mozart ein Zuhause und das „Rauchkuchl“ in der Nussdorfer Straße war Schuberts Heimat. Am Sonntagabend bot das Rational-Werk 3 den drei Komponisten eine Heimat: beim siebten Siegfried-Meister-Konzert. Erneut mit dem Orchester Symphony Pra­gue. Und einem mit 1.500 Zuschauern ausverkauften Werkssaal.

Nicht nur die Komponisten stehen für Wien: „Auch Der Soloklarinettist und der Dirigent des heutigen Abends kommen aus Wien“, fügt Rational-Vorstandsvorsitzender Peter Stadelmann an. Selbst den Bogen zum Prager Orchester könne man schlagen. Denn in Prag sei Mozarts Klarinettenkonzert uraufgeführt worden. Als Dirigent steht der gerade mal 36-jährigen Azis Sadikovic dem Rational-Stammorchester vor – das er mit Leichtigkeit und großer Eleganz zu einem perfekt harmonierenden Klangkörper eint.

Mit Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur – dessen Adagio laut Autorin Tania Blixen sogar wilde Tiere in Afrika zum Zuhören angeregt hat – und Beethovens Symphonie Nr. 7 in A-Dur erklingen zwei bei Rational erprobte Komponisten. Mozart-Solist ist der 37-jährige Christoph Moser, der das Ende des 18. Jahrhunderts noch neue Instrument mit weichem Klang darbietet – passend zu Mozarts liedhafter Melodie. Beethovens Werk ist auch als Siegessymphonie bekannt, mit der der Komponist den Triumph über Napoleon feierte. Bei der von ihm selbst dirigierten Uraufführung 1813 und auch später wurde sie stets zusammen mit der ‚Schlachtensymphonie‘ „Wellingtons Sieg“ aufgeführt. Dem vierten Satz der tänzerisch anmutenden A-Dur-Symphonie bescheinigte Clara Schumanns Vater Friedrich Wieck indessen eine gewisse „Trunkenheit“ – die bekanntlich nicht nur tumb macht, sondern auch Genialität hervorlocken kann.

Den Erlös des Siegfried-Meister-Konzerts überreichte Rational-Vorstandsvorsitzender Peter Stadelmann (links) an den Vorsitzenden des Ruethenfestvereins, Tobias Wohlfahrt.

Premiere im Werk 3 hat Franz Schubert. Sechs Jahre nach Mozarts Tod geboren, starb der Beethoven-Fan bereits mit 31 Jahren. Zwar sei er lebensfroh gewesen, berühmt wurde Schubert aber erst nach seinem Tod: „Geld hatten wir keins – aber wir waren selig“, wird später ein befreundeter Maler berichten. Dass Schubert auch die düstere Seite des Lebens kannte, lässt seine siebte Symphonie in h-moll vermuten. Die „Unvollendete“ in der seltenen Grundtonart wabert zwischen düsterer Spannung und liedhaften Melodien: Neue Klangwelten wechseln mit Walzerseligkeit, säuselnde Bläser werden von rumorenden Streichern abgelöst. Dennoch, die Symphonie ist ein Gassenhauer. Vor allem das zweite Thema des ersten Satzes: der eingängige Ländler, Sinnbild für Leichtigkeit und Hoffnung, wird in der Werbung verheizt, während der bedrohliche Aspekt als Musikthema für den bösen Schlumpf Garga­mel herhalten muss. Was jedoch dem Live-Erlebnis keinen Abbruch tut: Schuberts Werk wurde zwar erst 1865, 43 Jahre später in Wien uraufgeführt. Aber schon sein erster Biograph Heinrich Kreißle attestierte ihm „hohe Schönheit“.

Ob unvollendet oder nicht, darüber gibt es Theorien und Streitereien. Ein Bekannter habe das Werk unter Verschluss gehalten. Schubert habe Satz 3 und 4 wütend zerrissen. Oder gar das Werk absichtlich nicht vollendet – zwecks dem dann gesteigerten Interesse. Wie auch immer, es gibt erste Takte des dritten Satzes. Und viele haben Schuberts Werk versucht zu vollenden. Jüngst sogar eine künstliche Intelligenz: ein Smartphone. Dennoch, Allegro und Andante zeugen von Schuberts Kunst. Vollendung unnötig.

21.000 Euro-Spende

Als Zugaben gibt es wiederum Wien: Robert Schumanns „Träumerei“ und das beinaktivierende „Sphärenklänge“ vom Walzerkönig-Sohn Josef Strauss. Der 21.000-Euro-Erlös des Konzerts für die Landsberger und zu Ehren Siegfried Meisters geht heuer an den Ruethenfestverein.
Susanne Greiner

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