Charme versus Funktionalität

Sieht so Landsbergs neues Inselbad aus?

Sanierung Inselbad Landsberg
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So stellen sich die Planer das neue Inselbad vor.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg - Das neue Inselbad soll so sein wie das alte. Eine Sanierung im Bestand, die den besonderen Charme der Örtlichkeit erhält – das wünschen sich die Landsberger und in weiten Teilen auch der Stadtrat. Der in der jüngsten Gremiumssitzung vorgestellte Entwurf entsprach allerdings eher einer modernen, funktionellen Weiterentwicklung des Bades. Nun soll der Planer eine Alternative erarbeiten, die sich stärker am Bestand orientiert.

Das vom Architekten Hagen Pohl vorgelegte Konzept sieht zwar auftragsgemäß den Erhalt aller Becken vor, doch würden diese anders angeordnet – nämlich auf einer großen befestigten Badeplatte. Pohl sprach von einer Zonierung des Areals und einer altersgestaffelten Nutzungsverteilung, vom Kleinkinder- über den Nichtschwimmer- hin zum Schwimmer- und Sportbereich. Als zusätzliche Attraktion soll es im Kleinkinderbereich eine Dreifachrutsche geben, außerdem eine Großwasserrutsche im Familienbereich und einen Sprungturm am Sprungbecken.

Das Gebäude würde zurückgesetzt werden und durch einen langgestreckten schmalen Neubau an der nordöstlichen Grundstücksgrenze ersetzt. So ließe sich laut Pohl die Liegefläche optimieren und eine Abgrenzung zum Außenbereich schaffen, der ja durch den Lechsteg erheblich stärker frequentiert werde. Es sei also wichtig, die Privatsphäre der Badegäste zu schützen.

„Es entsteht ein völlig neues Inselbad“, bilanzierte OBin Doris Baumgartl (UBV) nach der Vorstellung der Planung. Diese stelle eine funktionelle Weiterentwicklung des Geländes dar und würde den Betriebsablauf optimieren, werde aber den Charakter des Bades verändern. Die Frage sei, ob man das wolle.

Die Landsberger zumindest wollen es nicht, erinnerte Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) an die Ergebnisse der Bürgerbefragung von 2017. „Das hier ist eine komplett neue Gestaltung.“ Ursula Schaller (SPD) kritisierte die Planung als austauschbar „mit jedem anderen Ort“. Tom Bohn (FDP) betonte, es gebe „etwas anderes als Funktionalität, nämlich Originalität“, und gerade die mache das Inselbad zum Juwel. Alexa Dorow (CSU) erklärte, ihr Kopf sage „ja“ zu der Planung, „aber mein Herz sagt nein“.

Am Tag vor der Stadtratssitzung hatte der Gestaltungsbeirat zu der Planung Stellung genommen und einen Aspekt ins Spiel gebracht, den bis dahin offenbar niemand auf dem Schirm gehabt hatte, nämlich den architektonischen Wert des Bestandsgebäudes. Es handele sich um ein klassisches Typologiegebäude der 1970er Jahre und sei als solches geglückt, bedeutsam und erhaltenswert, wurde das unabhängige Sachverständigengremium zitiert.

Ein Grund mehr also für eine Sanierung möglichst nah am Bestand? Harry Reitmeir (CSU) widersprach. „Ich finde das alte Gebäude nicht wirklich spektakulär.“ Fraktionskollege Christian Hettmer gab zu bedenken, dass mehr Platz gebraucht werde, unter anderem ein größerer Keller für die Technik. Ulrike Gömmer (Grüne) erklärte, wenn eine Ganzjahresgastronomie gewünscht sei (die im folgenden Tagesordnungspunkt diskutiert wurde), „können wir das alte Gebäude vergessen“.

Petra Ruffing (CSU) kritisierte die in ihren Augen viel zu späte Einbindung des Gestaltungsbeirats und das Fehlen von Alternativvorschlägen, wie sie zum Beispiel durch einen Wettbewerb hätten generiert werden können. Baumgartl räumte ein, ein Wettbewerb wäre „wahrscheinlich sinnvoller“ gewesen. Sie sei aber den Stadtwerken dankbar, dass sie die Planung endlich in Angriff genommen hätten.

Einstimmig beschloss der Stadtrat, dass der Planer zumindest eine zusätzliche Alternative entwerfen soll, die das alte Gebäude einbezieht. Die Kosten für diesen zweiten Entwurf übernimmt die Stadt. Sobald er vorliegt – Baumgartl geht davon aus, dass dies im September der Fall sein wird -, werden sich Stadtrat und Verwaltungsrat in einem Workshop mit beiden Entwürfen beschäftigen. Im Anschluss sollen die Ergebnisse den Bürgern vorgelegt und deren Rückmeldung eingeholt werden.

Der Technische Leiter der Stadtwerke Landsberg Gerald Nübel, der gestern ebenfalls anwesend war, äußerte sich gestern nicht bezüglich Des Zeitplans. Heute schickte er eine Stellungnahme: „Um den Baubeginn im September 2022 und Eröffnung in der Saison 2023 halten zu können, muss die Genehmigungsplanung wie vorgesehen im Oktober dieses Jahres eingereicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Planungen inklusive Ganzjahresgastronomie abgeschlossen sind. Spätestens bei der Verwaltungsratssitzung am 5. Oktober muss der Verwaltungsrat die Ausführungsplanungen genehmigen.“

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