Die "fesche Brünhild"

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, Brünhild (Simone Mutschler) und der Schwan, am Piano Christian Fiedler – hier bei der Vorstellung in Raisting.

Landkreis – Zunächst ist da nur Irritation: „Was hat ein Schwan auf meiner Bühne zu suchen?“ Doch bald schon „schwant“ der arroganten Tingeltangel-Chanteuse und dem jüdischen Hinterhoftenor die Wahrheit. 

Sie sind auf der Veranstaltung des Musikvereins „Walhalla Wippelsdorf“ gelandet. Fatal, wenn es das Jahr 1935 ist und beide Künstler das Auftrittsverbot missachten.

Wie die beiden Künstler versuchen, die Situation (und sich selbst) zu retten und buchstäblich um ihr Leben spielen, kann man in der musikalischen Revue „Mein lieber Schwan“ erleben, mit der die im Landkreis Landsberg lebenden und bekannten Schauspieler Simone Mutschler und Konstantin Moreth (auch Regie) zurzeit unterwegs sind. Nach Auftritten in Dießen, Hechenwang, Schwifting und Raisting steht der nächste Termin im Augustinum Dießen am 28. Mai an. „Doch wir fangen gerade erst an“, meint Moreth, „es werden wahrscheinlich noch mehr Termine auch hier im Umkreis dazukommen.“ Musikalisch begleitet werden die wunderbaren Lieder von Friedrich Hollaender, Ralph Benatzky und Oscar Straus von Christian Fiedler am Piano. 

Warum die beiden Schlager-Künstler mit zwei nordisch-arischen Kammersängern verwechselt werden, bleibt unklar. Ein Versehen oder gar böse Absicht ihres Agenten? Wie auch immer: Erwartet werden Arien aus Wagners „Ring“, keine Schlager. Was tun? Schnell fliehen? Das geht dem Tenor gegen die Ehre, ist die Gage doch schon kassiert. Der erlösende Gedanke: Wer einen Schwan als Requisit für den „Ring“ auf die Bühne stellt, kann kein echter Wagner-Kenner sein. Also improvisieren die beiden eine eigene Version des Rings, gewürzt mit ihrem Standardprogramm. Da bekennt Wellgunde „Ich bin von Kopf bis Flosse auf Liebe eingestellt“, erfährt man Sieglindes geheime Gedanken, wird aus dem bösen Alberich ein Monsterschwan. Ein verbitterter Wotan, angetan mit Wikingerhelm und Augenklappe singt „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ und ein Siegfried im Liebeszweifel beklagt „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“. Originell, hinreißend komisch, wenn die Diva auf dem Schwan (aus der Werkstatt der Erpftinger Künstlerin Christina Burde) reitend, die „Fesche Brünhild“ zum Besten gibt und die vier Teile des Rings im Zeitraffer erzählt werden. 

Doch gar so ignorant sind die vermeintlichen „Flachland-Wagnerianer“ dann doch nicht. Gerade als das Duo auf der Bühne so richtig aufdreht, tauchen immer mehr Uniformierte im Saal auf. Mutschler und Moreth spielen virtuos mit dem Gegensatz zwischen Bühnenpersönlichkeit und „privater“ Angst, lassen die gefühlte Bedrohung eskalieren, während sie weiter fröhliche Schlager schmettern. Schließlich, als die Gefahr übermächtig wird, beendet der Tenor die „Show“ mit einem eindrucksvollen verzweifelt-zornigen „S‘ ist einmal im Leben so“. Das Licht geht aus, das Schicksal des Duos bleibt offen. Großer Applaus im Otto-Hellmaier-Haus in Raisting. „Mein lieber Schwan“, wird am Mittwoch, 28. Mai, um 19.30 Uhr, im Augustinum Dießen gezeigt.

Patricia Eckstein

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