Die Botschaft der Ente

+
Bissig, witzig, hammerhart: Andreas Rebers am Sonntag im s’Maximilianeum.

Landsberg – Ein verblichener Gobelin mit „Röhrendem-Hirsch“-Motiv verdeckt ein Keyboard, davor sitzt Andreas Rebers alias Reverend Revers und verkündet in „Predigt erledigt“ die Botschaften der Religionsgemeinschaft der schlesischen Bitokken. Falsche Veranstaltung? Nein, aber Kabarett in Spitzenform.

„Ich bin links und reich, ich muss das hier nicht machen“, stellt der vielfach dekorierte Kabarettist zu Anfang fest. „Mir geht es um die Botschaft“. In ironisch-salbungsvollem Ton zelebriert der Wahl-Münchner den kleinen und großen Wahnsinn des Alltags, erzählt von den Konflikten mit der alleinerziehenden Lehrerin von Nebenan (von der Vegetarier- Front), vom Amoklauf bei Tengelmann, der sich am Konflikt um einen Pfandbon, dem „Börsengang des kleinen Mannes“ entzündet, von selbstgerechten Radfahrern und von der richtigen Erziehung von Kindern („Junge Menschen brauchen Ziele, aber bewegliche!“).

Auch die Helden der Kindheit werden wieder hervorgeholt: Ben Cartwright sei immerhin auch alleinerziehender Biobauer gewesen, aber: er war bewaffnet. Wichtig! Und wer Micky Maus gelesen habe, der wisse, dass Kater Karlo nicht resozialisierbar sei und habe von der Panzerknacker-AG, der ersten organisierten Verbrecherbande, alles gelernt, was man über Aktiengesellschaften wissen müsse. Lebensweisheiten, Philosophien, religiöse und gesellschaftliche Dogmen – Rebers macht vor nichts und nie­- mandem Halt.

Bissig, ironisch, feinsinnig und meistens hammerhart. Dazwischen kleine praktische Tipps für den Alltag: Kombizange mit in die U-Bahn nehmen, um dem Kopfhörerterror der Jugendlichen ein Ende zu machen. Oder: Rentner zusammen mit Leopard-Panzern zu exportieren. „Dann haben die in der Wüste gleich welche, die die Dinger bedienen können“. Dazwischen Rebers berühmt-berüchtigte Arbeiter- und Liebes­lieder.

„Wisst ihr, was mir Angst macht? Dass mir sowas einfällt“. Rebers variiert seine Stimme virtuos mit Hitler-Sprachduktus, Donald-Duck-Imitation und den Gesängen der Wale. Mit der Botschaft, die er einer Kochsendung entnommen hat endet der schlesisch-bitokkische Gottesdienst: „Die Ente ist weiter“. Was das bedeuten mag, bleibt der Phantasie der Zuschauer überlassen: Predigt erledigt.

Patricia Eckstein

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Ein Rezept für das Miteinander
Ein Rezept für das Miteinander

Kommentare