Snowdance-Nachlese:

Die Filmstadt Landsberg gedeiht

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Brauchen jetzt erst mal einen Pause: die Snowdance-Macher Jürgern Fahrenholtz (links) und Tom Bohn. Im Sommer legen sie dann wieder los für Snowdance 2016.

Landsberg – Der Nachhall des 2. Snowdance-Filmfestivals hält immer noch an – vor allem auf nationaler und internationaler Ebene. Christoph Kruse sprach für den KREISBOTEN mit den Direktoren Tom Bohn und Jürgen Farenholtz. Sie zogen dabei eine detaillierte Bilanz und reden offen über ihre Pläne für die Snowdance-Zukunft.

Wie bewerten Sie die Aufmerksamkeit für Ihr Festival im zweiten Jahr?

Tom Bohn: „Wir hatten eine sehr gute Resonanz in Landsberg und eine hervorragende im Rest der Republik und im Ausland. Auf der Berlinale wird viel über Snowdance gesprochen, auch, wie professionell, herzlich und engagiert es hier zuging. Daraus ergibt sich für uns schon die Ausrichtung für nächstes Jahr, wir wollen noch mehr die deutsche und internationale Filmszene nach Landsberg holen.“

Jürgen Farenholtz: „Es hat sich gezeigt, dass es richtig war, mit dem Veranstaltungsort Landsberg ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. In Landsberg selbst hat sich viel getan, es kann aber auch noch ein bisschen mehr passieren. Gerade der Einzelhandel konnte sich trotz mehrfacher Angebote von ihrer Seite letztlich nicht einigen, wie er mit dem Festival umgehen soll.“

Wie geht’s da weiter?

Bohn: „Wir haben im nächsten Jahr auf jeden Fall einen massiven Wandel in der Ausrichtung. Wir kümmern uns nicht mehr um die Belange des Einzelhandels.“ Farenholtz: „Letztlich machen wir ein Filmfestival und kein Stadtmarketing. Wenn jemand eine Idee hat und zu uns kommt, helfen wir selbstverständlich auch weiterhin gerne.“

Bohn: „Der Zuspruch aus dem externen Bereich für Snowdance war riesig, das steht ein bisschen im Gegensatz zur Skepsis und zum Abwartenden in Landsberg selbst.“

Steht der Veranstaltungsort damit infrage?

Farenholtz: „Nein, wir haben ein klares Bekenntnis zur Stadt. Wichtig ist, dass Landsberg der Magnet ist und bleibt. Es ist eine sensationell schöne Kulisse und die füllen wir. Damit schaffen wir auch einen großen Ima­gegewinn für die Stadt. In den Berliner Zeitungen steht sonst wahrscheinlich nicht so oft etwas über Landsberg.“

Was sorgte denn diesmal für das beste Feedback?

Bohn: „Die Podiumsdiskussion im Rathaus wurde intensiv auf der Berlinale besprochen (die Veranstaltung wurde komplett aufgezeichnet und ins Internet gestellt; Anm. d. Red.). Diesen Bereich werden wir im nächsten Jahr auf jeden Fall verstärken, wie auch die Seminare, die sehr gut angenommen wurden.“

Was dürfen wir da erwarten?

Bohn: „Wir sind unter anderem in Gesprächen mit dem Los Angeles Film Forum, die sind sehr interessiert. Generell wird es beim Snowdance noch sehr viel mehr Kontakte und Get-Togethers geben, wir denken neben dem Speedcasting auch an eine Art Speedfinanzierung, wo sich Regisseure, Produzenten, Banken zusammen­setzen.“

Wie geht es mit den anderen Elementen des Festivals weiter?

Bohn: „Die ,Electro Night‘ wird wieder stattfinden, wir werden sehen, an welchem Ort. Die Technikshow wird es nicht mehr geben, die hat sich nicht bewährt. Mit der Piratabus-Bar wollten wir eine etwas andere, schräge Gastronomie anbieten. Dort ist es aber erst voll geworden, als die internationalen Festival-Teilnehmer angereist sind; von den Landsbergern wurde das überhaupt nicht angenommen. Das hat uns finanziell richtig reingerissen, wir werden das nicht wiederholen. Wir werden aber wie- der einen zentralen Anlaufpunkt in der Stadt schaffen.“

A propos Finanzen: rechnet sich Snowdance denn schon?

Farenholtz: „Wir haben wieder eine schwarze Null geschrieben, das ist in Ordnung. Allerdings arbeiten wir beide im Moment noch monatelang umsonst.“

Bohn: „Man kann die Zahl ruhig sagen, wir haben 1850 Euro Gewinn gemacht, weil wir wesentlich mehr Kinokarten verkauft haben als wir dachten. Dass ich mehrere Projekte sausen lasse, während ich für Snowdance tätig bin und dass Jürgen in dieser Zeit seine Mitarbeiter weiter auf der ,payroll‘ hat, ist da natürlich nicht berücksichtigt.“

Wie geht es denn dann mit dem Snowdance-Festival weiter? Und bleibt der Standort erhalten, wenn mit der ehemaligen Pflugfabrik in den nächsten Jahren ein möglicher Spielort verschwindet?

Farenholtz: „Wir haben immer gesagt, dass wir ein klares Bekenntnis zu Landsberg abgeben, solange die Bedingungen passen. Klar ist, dass wir wachsen werden und dass es in ein paar Jahren schwierig wird, wenn wir keine zusätzliche Spielstätte haben.“

Bohn: „Es wird im nächsten Jahr schon eng, wir werden auf keinen Fall mehr Filme zeigen können, eher einige weniger, wenn wir nicht beispielsweise die Säulenhalle dazu nehmen können oder vielleicht die VR-Bank. Wir sind auf jeden Fall auf der Suche nach Locations.“

Es geht also sicher weiter mit Snowdance?

Farenholtz: „Das steht außer Frage. Den Slogan ,Landsberg wird Filmstadt‘, den wir uns auf die Fahnen geschrieben haben, wollen wir Stück für Stück ausbauen. Es gibt ein riesiges Potenzial, hinter dem Schlüsselloch-Mainstream öffnet sich ein Ballsaal, keine Besenkammer. Unsere Idee ist, in zehn Jahren eine dauerhafte Filmakademie hier etabliert zu haben.“

Bohn: „Sag' ruhig, in fünf Jahren. Das schaffen wir.“

Der Termin für das nächste Festival steht sicher auch schon?

Farenholtz: „Natürlich, 29. bis 31. Januar 2016. Und in den Tagen vorher gibt es wieder Kurzfilme in der Licca Lounge.“

Bohn: „Aber jetzt brauchen wir, ehrlich gesagt, erst einmal eine Pause, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Im Sommer legen wir wieder los.“

Hauptsponsor Sky ist zufrieden

Landsberg – Das 2. Snowdance-Filmfestival in Landsberg stand auch unter genauer Beobachtung durch Hauptsponsor „Sky Deutschland“. Auch dort zeigt man sich mit der Veranstaltung zufrieden.

Sky-Sprecher Ralph Fürther zu Snowdance: „Wir haben einen sehr guten Eindruck gewonnen.“

Auf Anfrage des KREISBOTEN sagt Sky-Pressesprecher Ralph Fürther: „Wir haben einen sehr guten Eindruck gewonnen. Es ist noch nicht die Berlinale, aber das war vorher klar. Die Idee, so ein Festival in einer Stadt aufzubauen, die nicht von Anfang an für Filmkompetenz steht, ist absolut großartig.“ Landsberg sei als Austragungsort die richtige Wahl, „es ist nicht eine der Städte, die sonst immer genommen werden und trotzdem in der Nähe zur großen Metropole München.“ In welchem Umfang es mit dem Sky-Engagement von Sky bei Snowdance weitergeht, will man zunächst mit den Veranstaltern selbst besprechen, „das haben wir bis jetzt noch nicht getan. Aber wir sind positiv beeindruckt, das kann ich sagen.“

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