Snowdance ohne Glanz & Gloria – "American Pets" sorgt für Diskussionen

Eröffnung des Indie-Filmfestivals

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Independent Musiker spielen beim Independent Filmfestival auf. Tom Bohn kündigt hier gerade das Duo "A Story For Reflection" an.

Landsberg – Es war ein Start ohne Glanz und Gloria. Man könnte auch sagen, zurück zu den Wurzeln des Indie-Films. Denn zu diesem speziellen Genre der bewegten Bilder passen weder roter Teppich noch Sekt und Häppchen. Also gab es zum Auftakt der fünften Auflage des Snowdance Independent Filmfestivals nur „Film pur“ im Stadttheater und in der zum Leben erweckten Säulenhalle. Regisseur und Darsteller des amerikanischen Eröffnungsfilms „American Pets“ waren nicht angereist und sogar der neue Festival-Schirmherr, Schauspieler Götz Otto, grüßte lediglich per Videobotschaft. Die Wahl des Startfilms wurde nicht von allen Zuschauern als besonders glücklich empfunden und kontrovers diskutiert.

Dabei begann der Abend sehr verheißungsvoll mit dem grandiosen Kurzfilm „Cold Storage“ von Thomas Freundlich aus Finnland. Ein einsamer Eisfischer findet seinen tiefgefrorenen prähistorischen Seelenbruder. Mit viel Bier verschmelzen Zeit und Wirklichkeit, was in einer virtuosen und akrobatischen Tanznummer der beiden Männer und einem sehr überraschenden Finale gipfelt.

Zum Independent Film passt auch ein Independent Musiklabel. Und so präsentierten die Festivalmacher das blutjunge Musikerduo „A Story For Reflection“ vom Ammersee. Jakob Muehleisen und Maxi Aldinger begeisterten zwischen den Filmen und später in der Säulenhalle mit mitreißend frischem Indie-Pop-Rock. Die Songwriter wollen karrieremäßig hoch hinaus, wie der gerade auf dem eigenen Label veröffentlichte Song „Higher“ beweist. Übrigens auf allen Internet-Plattformen von Amazon bis iTunes erhältlich.

Der offizielle Eröffnungsfilm „American Pets“ hatte im Vorfeld viel Neugier geweckt, spielt er doch im dekadenten Nobelviertel hoch in den Bergen von Hollywood. Tod und seine Schwester Lani leben in der Villa ihrer Großmutter sorglos in den Tag hinein. Die ehemalige Filmdiva jobbt bei einem Shoppingsender, während Nichtsnutz Tod ihr Geld mit vollen Händen ausgibt. Mehr aus Versehen erschießt er seine Großmutter, die nun entsorgt werden muss. Nach ihrem Auffinden lenkt er erfolgreich den Verdacht auf Jakob, einen Allroundhandwerker und Liebhaber seiner Schwester.

Das Musikduo "A Story Of Reflection" im Rahmenprogramm war eines der Highlights beim Start des Snowdance Independent Filmfestivals. Unser Bild zeigt sie bei der Party in der Säulenhalle.

Klingt alles sehr spannend, gefiel aber nicht allen Besuchern. So wurde der Film im Originalton mit zum Teil „vernuschelten“ Englisch gezeigt. Was aber auf jedem Filmfestival der Welt so ist, wie Tom Bohn auf einem facebook-Beitrag rechtfertigt. Englisch sei nun mal die Hauptsprache beim Film, ob im Originalton, als Untertitelung oder als Sprache im Dialog mit den oft internationalen Filmemachern. Das sei in jeder Filmfestivalstadt so. Im übrigen sei der letztjährige Eröffnungsfilm „Freddy Eddy“ auf Deutsch gelaufen. Und auch da hätten Dutzende von Leuten empört den Saal verlassen. Dazu die Festivalmacher auf facebook: „Über Geschmack kann und sollte man sich nicht streiten. Filmtempo, Einstellungslängen und musikalische Untermalung sind sehr oft der einzigartigen Persönlichkeit der Macher oder deren kulturellem Hintergrund geschuldet.“ Schade nur, dass weder Hauptdarsteller Rhys Wakefield noch Regisseur Robert Logevall da waren, um persönlich zu ihrem Film Stellung zu beziehen. So wie im letzten Jahr Tini Tüllmann, die Entstehungsgeschichte und Machart ihres Schockers „Freddy Eddy“ erklärte.

Den Veranstaltern des Landsberger Snowdance-Festivals kann es eigentlich nur Recht sein, dass der Eröffnungsfilm breit diskutiert wird und damit für Gesprächsstoff sorgt. Besser so als ein sang- und klanglos braver Streifen, den man abnickt und vergisst. Tom Bohn und Jürgen Farenholtz haben zudem ein spezielles Rezept für die Besucher ihres Festivals: „Vom Zuschauer wird erbeten, dass er nicht nur brav wartet, ob der gezeigte Film zu ihm kommt und ihn anspricht. Es ist vielmehr ein beiderseitiges Vergnügen. Bei Filmfestivals muss sich auch der Zuschauer bewegen und auf den Film zugehen. Und dadurch seine angestammte Position einmal verlassen. Das macht ja für viele Besucher den besonderen Reiz des Festivals erst aus.“ Aufgrund dieser Offenheit, Toleranz und Kreativität der Landsberger sei Snowdance so erfolgreich geworden.

Der zweite Festivaltag brachte für Bohn, Farenholtz & Co. eine sehr positive Überraschung. Die Säulenhalle war bei dem Dokumentarfilm „Malishan“ proppenvoll. Regisseur Moritz Sonntag war persönlich anwesend und diskutierte mit dem Publikum über seine Canyonning Expedition, die mit atemberauben­den Bildern einer fremden exotischen Welt überzeugte. Das Festival läuft noch bis Sonntag, 4. Februar. Ein detailliertes Programm finden Filmfreunde ­unter www.snowdance-filmfestival.de im Internet.

Dieter Roettig

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