"In einen Trend gepiekst"

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„Landsberg wird Filmstadt“ steht auf dem Transparent: Etwa 30 Gewerbetreibende diskutierten mit den Festivalmachern und informierten sich jetzt über die Veranstaltung.

Landsberg – Der Landsberger Einzelhandel hatte eine schöne Einladung bekommen – die er aber nur in Teilen annahm. „Was können wir für euch tun?“ hatten Tom Bohn und Jürgen Farenholtz vom „Snowdance Film Festival“ gefragt und ins Historische Rathaus gebeten. Die rund 30 Gewerbetreibenden, Gastronomen und Nachwuchs-DJs, die sich dort zur Diskussion und Information einfanden, stehen jetzt in der Kooperation mit den Festivalmachern ganz vorne.

„Wir schlagen niemandem die Tür vor der Nase zu“, stellte Farenholtz auf Nachfrage des KREISBOTEN klar. „Aber die, die jetzt schon mit uns arbeiten, werden natürlich auch in Zukunft bevorzugt berücksichtigt.“ 

Darüber freut sich unter anderem Manuela Sauter, die die „Sonderbar“ betreibt und beim nächsten „Snowdance“ schon ein größeres Rad als bei der Premiere dreht. Diesmal wird das Inselbad mit einer „Electro Night“ zur Partyzone, „ich freue mich riesig, dass ich wieder mit euch arbeiten darf, das macht mich total stolz“, so Sauter. Tom Bohn setzt auf Loyalität und blickt in die Zukunft: „Du bleibst bei uns solange im Boot, wie du das machen willst“, versprach er. 

Auch den anwesenden Einzelhändlern – vertreten waren hauptsächlich der Hauptplatz und die Alte Bergstraße – wurde eine attraktive Perspektive aufgezeigt. „Wer jetzt in der frühen Phase mitmacht und vielleicht auch sponsert, wird das auch in der absehbaren Zukunft zu den gleichen Konditionen tun können“, so Farenholtz. 

Die Aussichten für das Festival sehen in der Tat mehr als gut aus, auch wenn mancher Landsberger offenbar noch nicht erkannt hat, welches Potenzial für die Stadt im „Snowdance“ steckt. „Wir sind das erste und einzige Independent-Festival für Langfilme in Deutschland“, sagt Farenholtz „und wir sehen an der Zahl der Filmeinreichungen, dass wir in einen großen Trend hineingepiekst haben.“ Mit den Filmen selbst beschäftigt sich im Moment Tom Bohn, über 200 liegen bereits auf seinem Server, 100 weitere werden bis zum 10. Dezember wohl noch dazu kommen. „Das geht schon an die Grenzen“, gibt der Regisseur und Filmemacher zu, zumal nicht alles für das Festival in Frage kommt. „Manches ist dabei, da muss man sagen, 'das kannst du deiner Oma zeigen'.“ Anderes sei zu sehr experimentell: „Wenn man eineinhalb Stunden auf den nackten Hintern der Protagonistin geschaut hat und es ist rein gar nichts passiert, wird’s dann schon irgendwann schwierig.“ 

Über 200 Filme 

Sorgen um das Niveau beim „Snowdance“ muss man sich aber nicht machen, aus 26 Ländern wurden teilweise exzellente Filme eingereicht, die dann an drei Tagen in Landsberg gezeigt werden. Als „warm-up“ werden in den Tagen zuvor auch diesmal wieder zahlreiche Kurzfilme in der Licca-Lounge vorgeführt; dort findet parallel dazu ein Wettbewerb mit Nachwuchs-DJs statt, der sich spontan aus der Infoveranstaltung ergab. 

Auch die Einzelhändler, die gekommen waren, steuerten bereits einige Ideen bei, unter anderem will man bei der Verwaltung nach Genehmigung einer langen Einkaufsnacht am Samstag (31. Januar) nachfragen. „Das ist eine gute Idee. Beim letzten Mal waren Abends so viele Leute aus ganz Deutschland in der Stadt unterwegs, haben die schönen Geschäfte gesehen und hätten gerne eingekauft“, berichtete Farenholtz. Und es ist damit zu rechnen, dass die Zahl von 2500 Besuchern diesmal bereits deutlich übertroffen wird. Für die Filmfans gibt es 2015 auch einen zentralen Anlauf- und Informationspunkt („wir wissen, dass das beim letzten Mal gefehlt hat“): Auf dem Flößerplatz wird die „Piratabus“-Strandbar aus Formentera aufgebaut, womit das Gelände am Lech schon ab Wochenbeginn zur Partyzone wird. „Die kommen mit Sack und Pack aus Spanien hierher und ein Landsberger Gastronom winkt bei der Bewirtung ab, weil er Angst hat, dass er auf 400 Euro Kosten sitzenbleibt“, wunderte sich Bohn. 

Tatsächlich könnte sich das Festival in den nächsten Jahren auch zum Wirtschaftsfaktor entwickeln. „Landsberg wird Filmstadt“ heißt es auf dem Transparent, das für „Snow- dance“ wirbt. „Da wollen wir hin“, gibt Tom Bohn die Richtung vor. „In Hof laufen jedes Jahr 50 Filme, bei uns werden es jetzt schon 20 sein. Und dort kommen inzwischen auch 30000 Leute in die Stadt, Hof wäre ohne die Filmfestspiele nur die Hälfte wert.“ 

Ideales Areal 

Während im Einzelhandel offenbar noch nicht alle die Chancen erkannt haben, ist man in der Verwaltung schon deutlich aufgeschlossener. „Die Unterstützung seitens der Stadt ist einfach großartig“, berichtet Farenholtz, „wir haben da offene Türen eingerannt.“ Davon konnten sich auch die Manager von Sky Deutschland – inzwischen Hauptsponsor des Festivals – bei ihrem Besuch vor Ort überzeugen. 

Neben einer Visite bei OB Mathias Neuner stand ein ausführlicher Rundgang durch die Stadt auf dem Programm, die Medienmacher zeigten sich höchst angetan. Farenholtz: „Sie waren von der Stadt begeistert. Wenn man sich ein Festival-Areal neu bauen müsste, würde ungefähr so etwas wie Landsberg herauskommen.“ Auch deshalb will Tom Bohn weiter an der Verankerung des „Snowdance Independent Film Festival“ in Landsberg arbeiten. „Das Festival ist für Landsberg, für euch alle“, sagt der Regisseur. „Viele Bürger wissen noch nicht, was das heißt. Aber wenn wir irgendwann einmal im Jahr 20000 Leute nach Landsberg bringen können, wäre das doch richtig geil.

Christoph Kruse

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