Für den Stadtneurotiker

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Tom Lass erhielt für seinen Beitrag „Kaptn Oskar“ den ersten Preis, eine stilisierte Schneeflocke.

Landsberg – Eine „unangepasste, spröde, kraftvolle Liebesgeschichte“ hat Platz 1 des Snowdance Independent Film Festivals belegt. Regisseur und Hauptdarsteller Tom Lass erhielt dafür am Sonntag im Stadttheater die „Schneeflocke“ von den Veranstaltern Tom Bohn, Jürgen Fahrenholz und Schirmherr Heiner Lauterbach.

„Kaptn Oskar“, so der Titel des Siegerfilms, erzählt vom Aufeinandertreffen zweier Außenseiter, des verschrobenen Oskar (Tom Lass), der sich von seiner Freundin Alex, die mal eben seine Wohnung abfackelt und ihn beim Liebesspiel schlägt, getrennt hat und Masha (Amelie Kiefer), die wie eine übermütige Elfe durch Berlins Großstadtdschungel hüpft und ihre Einsamkeit mit One-Night-Stands bekämpft. Poetische, intensive Bilder, skurrile Dialoge und eine schräge, außergewöhnliche Lebensgeschichte. Und obwohl es Lass kurios findet, aus einer solchen Auswahl verschiedenster Filme einen Sieger auszuwählen, freute er sich sichtlich über den Preis „Ja, dann ist man halt der Sieger“.

Doch leicht hatte es sich die Jury (Dr. Torben Schiller, Beate Maes, Corinna Dietz-Heyne, Claudia Raeder und Kurt Tykwer) nicht gemacht. Lobend erwähnt wurden auch das „etwas andere Road Movie“ „Il cuore in mano, i piedi sulla strada“ von Uli Möller und „Funerale Fericite – Happy Funerals“ von Horatiu Malaele.

Bereits am Samstag hatten die Zuschauer in der Licca Lounge den besten Kurzfilm auswählen dürfen. Da es neben „Momentum“ von Boris Seewald einen zweiten 1. Platz gab, wurde dieser noch im Stadttheater gezeigt: „Weißt du, was ich mir wünsche?“ von Irina Arms. Eine intensive Geschichte zweier Kinder im besetzten Russland des Jahres 1943, die Waffen und Munition sammeln, um ihr Haus und ihre Mutter verteidigen zu können. Als zwei Wehrmachtssoldaten ins Haus kommen, ist die Anspannung, die Angst greifbar, der Zuschauer hält den Atem an. Einer der Soldaten (grandios: Tatort-Ermittler Martin Wuttke) zwingt das stumme Mädchen ans Klavier, nötigt sie, die „Internationale“ zu spielen. Eine Falle? Die Spannung löst sich schließlich im zweisprachigen Singen. Eine eindrucksvolle Szene, laut Vorspann nach einer wahren Begebenheit.

Auch die Sieger des Speed-Castings wurden geehrt: die Schauspielerin Laura Antonella Rauch und (in Abwesenheit) Murali Puromal. Doch auch die Initiatoren des Festivals fühlten sich als Gewinner, so Bohn: „Mein Herz ist übervoll nach diesem tollen Festival“. Rund 2000 Besucher und eine Zusage der Stadt Landsberg für eine Fortsetzung. Und das Statement von Oberbürgermeister Mathias Neuner? „Das wollte ich schon immer mal sagen: And the winner is Landsberg!“

Patricia Eckstein

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