Kreative suchen Finanzierung

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Auf der Suche nach der Finanzierung von Independent-Filmen (von links): Produzent Michael Souvignier, Crowd-Finanzierer Markus Brandmair, Regisseur Tom Bohn, Filmemacherin und Snowdance-Preisträgerin Tini Tüllmann und Schauspieler Ismail Sahin.

Landsberg – Nach acht Tagen Snowdance Independent Filmfestival hat so mancher Teilnehmer Ideen für einen neuen Film. Jetzt geht es nur noch um die Frage, wie man ihn finanziert. Wer die Podiumsdiskussion beim Festival im Stadttheater besuchte, hat gelernt: Dazu gibt es mehrere Wege. Aber nur einer funktioniert ganz bestimmt.

Wenn die es nicht wissen, wer dann: Moderator (und Tatort-Regisseur) Tom Bohn hatte mit Michael Souvignier („Zeitsprung“) einen erfahrenen und erfolgreichen Film- und Fernsehproduzenten eingeladen, mit Ismail Sahin einen Schauspieler („Soko Leipzig“), Regisseur („Nicht schon wieder Rudi“) und Filmverleiher („Macchiato Pictures“), mit Tini Tüllmann eine Nachwuchs-Filmemacherin („Freddy Eddy“) und mit Markus Brandmair („Cinedime“) einen Filmschaffenden, der Produktionen mit Crowdfunding finanzieren will. Das Ergebnis ihrer Diskussion: Nicht jede Option steht Jedem zur Verfügung. Und es gibt eine gewaltige Kluft zwischen Etablierten und Newcomern.

Wie finanziert man einen Film? Option 1.Im Senderauftrag: Ein Sender beauftragt und bezahlt das Projekt, das dann im Kino und im Fernsehen gezeigt wird. „Ohne einen solchen Auftrag kann man heute kaum noch einen aufwändigen Film machen“, sagt Souvignier. Wenn ARD und ZDF einen Vorschlag ablehnen, komme allenfalls noch eines der „Studios“, etwa Warner oder Universal, in Frage. Vom deutschen Unternehmen Constantin abgesehen, würden die aber nicht so viel Geld in deutsche Filme stecken. Auch für Souvignier, den erfolgreichen Produzenten von „Das Wunder von Lengede“, „Contergan“ und „Das Tagebuch der Anne Frank“, sei Produzieren schwieriger geworden, zumal die Sender an der Kostenschraube drehten und immer mehr Rechte für sich beanspruchten.

• Option 2. Mit Filmförderung: Staatliche Filmförderung. Aber: „Wenn man keinen Sender oder Verleih im Paket hat, bekommt man eigentlich keine Förderung“, so Tini Tüllmann. Da sie einen „Genre“-Film, einen Psycho-Thriller, machen wollte, hätten alle gesagt: „Das wird nix, das will keiner sehen“. Ismail Sahin ist mit seinen Ideen gar nicht erst zur Filmförderung gegangen: „Ich wusste, was sie sagen werden“. Ein zusätzliches Problem: Wenn der Produzent keine Filmförderung bekommt, dann bekommt der Verleiher meist auch keine Verleihförderung. Ohnehin ist Filmförderung, so Michael Souvignier, oft Wirtschaftsförderung: Der Staat gibt Geld aus, damit Produzenten im Land noch mehr Geld für die Produktion ausgeben. Tom Bohn schlug vor, dass es auch Förderung für bereits fertig gestellte Filme geben sollte; dann sei es vielleicht einfacher, Mittel zu erhalten.

• Option 3. Durchs Finanzamt: Steuerersparnis. In Frankreich und England sind Ausgaben für Filme bis zu einem Drittel sofort von der Steuer abziehbar. Ist die Steuerlast nicht so hoch, gibt es sogar eine Auszahlung in bar. Alle auf dem Podium waren sich einig: Das wäre eine ideale Filmförderung, ohne „Seilschaften“ und fragwürdige Erfolgsprognosen. Aber in Deutschland gibt es das (noch) nicht.

• Option 4. Mit Fremdmitteln: Filmemacher suchen sich private Investoren oder nutzen die Cinedime-Plattform zum Crowdfunding. Wobei Markus Brandmair klarstellte: In der Regel kommen diejenigen, die für einen Film Geld geben, aus dem Umfeld der Filmemacher; Cinedime wickelt den Prozess nur treuhänderisch ab. Noch sei man dabei als Startup unterwegs; die bislang eingesammelte Summe betrage erst 60.000 Euro. „Schwarmfinanzierung“ ist also noch in den Anfängen.

• Option 5.Auf eigene Rechnung: Eigenmittel. Dieser Weg funktioniert natürlich immer, aber er ist schmerzhaft. Tini Tüllmann hat 75.000 Euro in „Freddy Eddy“ gesteckt, aus Eigenmitteln sowie Darlehen ihres Bruders und ihrer Eltern. Alle, auch die Schauspieler, hätten für null Euro gearbeitet – „auf Rückstellung“, wie es in der Filmbranche heißt. Bei Ismail Sahins Film war es ähnlich; 70.000 Euro besorgte er sich privat „bei Kontakten“. „Hast Du das Geld wieder reinbekommen?“ will Moderator Tom Bohn wissen, „nein“, sagt er, im Gegenteil: Da er keinen Verleih fand, gründete er selbst einen und schaffte es, mit „viel viel viel Arbeit“, den Film in 80 Kinos zu zeigen. Auch Tini Tüllmann hofft, noch einen Verleiher zu finden – sie will eigentlich Filme machen und nicht Kinos abklappern.

Souvignier zollte beiden Respekt, fügte allerdings hinzu: „Ich habe auch so angefangen“. Keinen Verleiher zu finden, sei auch großen Filmen wie „Ziemlich beste Freunde“ und „Slumdog Millionaire“ passiert. Deswegen seien Festivals wie Snowdance so wichtig. Für Tini Tüllmann hat sich das schon bestätigt: Sie gewann einen der begehrten Preise, wodurch sich ihre Einnahmen um 2.000 Dollar auf rund 17.000 Euro erhöhen. Immerhin.

Werner Lauff

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