Nächstes Jahr wieder in Landsberg:

Von Snowdance-Premiere total beeindruckt

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Nächstes Jahr wieder bei Snowdance in Landsberg (von links): Regisseur Nikolai Müllerschön, Organisator Tom Bohn und Schirmherr Heiner Lauterbach.

Landsberg – Das beschauliche Landsberg und die teilweise schräge Independent-Filmszene – ob das passt? Es passte, und wie: „Das Feedback der Teilnehmer war sagenhaft, alle waren beein­druckt, wie offen und positiv sie in Landsberg aufgenommen wurden“, sagt Organisator Tom Bohn nach dem „Snowdance Film Festival“ am Wochenende.

Locker und enstpannt, wie das Festival selbst: Schirmherr Heiner Lauterbach (links) und Snowdance-Organisator Tom Bohn haben viel Spaß im Olympia-Filmtheater.

Dass das Festival überhaupt in die Lechstadt kam, war durchaus nicht selbstverständlich. In Reihen der Veranstalter plädierten viele für Berlin oder München, „auch in Thüringen wollte man es machen und hätte uns sogar noch Geld angeboten“, erzählt Bohn. Die Entscheidung, mit dem ersten Festival nach Landsberg zu gehen, dürfte allerdings kaum jemand bereut haben. Bereits ab Dienstag herrschte jeden Abend reges Treiben in der Licca Lounge. „Wir sind zwar eigentlich ein Langfilm-Festival, aber wir wollten auch den Kurzfilmern eine Chance geben, beschreibt der Regisseur und Drehbuchautor. Das zahlte sich aus, sogar bei der Wiederholung der Kurzfilme am Freitag Nachmittag fand sich erneut eine stattliche Besucherzahl im Olympia-Filmtheater ein.

Auffällig war dabei – wie am gesamten Wochenende – die lockere und positive Grundstimmung des teilweise weit angereisten Publikums. Draußen wurde zwar auch viel über Kult-Schrott wie „Surf Nazis must die“ und „Shark Zone“ gefachsimpelt, in den Vorführsälen war dann aber vorwiegend hohe bis höchste Qualität zu sehen, wenn auch mit einer breiten formalen und inhaltlichen Streuung.

Außer Konkurrenz

Allerdings konnten die restlichen Teilnehmer sich glücklich schätzen, dass „Harms“, der Außer-Konkurrenz-Beitrag von Schirmherr Heiner Lauterbach lief, denn gegen dieses dunkle Gangsterepos hätte vermutlich keiner der anderen Filme eine Chance gehabt.

Professionell und auskunftsfreudig präsentierte Lauterbach seinen Knüller im Kino und machte sich anschließend mit Bohn („Ich bin gut mit Heiner befreundet, aber offensichtlich wohl nicht gut genug, sonst hätte er den Film mit mir gedreht.“) auf den kurzen Weg ins Stadttheater. Auch dort: guter Besuch, gute Stimmung und guter Film („The Queen of Versailles“).

Volles Programm mit acht Filmen, davon vier parallel, gab es am Sonntag, bis zum Abend wurde die 2000-Zuschauer-Marke getoppt. Dabei hätten es durchaus noch mehr sein können, wie Tom Bohn selbstkritisch sagt: „Beim nächsten Mal werden wir viel mehr Filme in die Wiederholung nehmen, es konnten leider nicht alle sehen, was sie interessiert hätte. Aber wir waren vom großen Interesse total überrascht.“

Das Publikum in Landsberg nahm dabei fast alles offen an: Neben geradlinigen Produktionen wie „Harms“ fanden – wie es sich für ein Independent-Festival gehört – auch Nischenfilme Interesse. Das verstörende Drama „Die Reise des Astronauten“ war dabei ebenso sehenswert wie „Berlin Junction“, dessen Konzept Regisseur Xavier Agulo so erläutert: „Wir haben in Berlin mit Leuten ge­- dreht, die wir zufällig auf der Straße angesprochen haben. Sie haben ihren Text bekommen und mussten sofort improvisieren.“ Auch der Venezolaner war von der Atmosphäre in Landsberg angetan, „ein tolles Festival, wir genießen es seit der ersten Minute“.

Ohne Plakate

Auch der zweifelsohne provokanteste Film des Wochenendes fand sein Publikum. „Der böse Onkel“ von Urs Odermatt greift in schriller Weise das Thema des Sexuellen Kindesmissbrauchs auf und war dabei allerdings in der Ankündigung explizit: „In dieser Stadt dürfen die Plakate für meinen Film nicht hängen“, so der Regisseur, „vermutlich wegen der Pimmel und Mösen, die darauf abgebildet sind.“

Ansonsten ging es deutlich züchtiger zu, was dem Vergnügen aller Beteiligten keinen Abbruch tat. Nur die Band „Crutch“ hatte am Samstag nicht richtig Spaß, da sie fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Sportzentrum auftrat. „Das Rockkonzert wurde leider nicht angenommen, das haben wir gelernt“, sagt Bohn.

Die nächste Veranstaltung dieser Art findet deshalb auch auf St. Pauli statt. Dort können die Filme für das Snowdance Film Festival 2015 eingereicht werden. Es findet vom 30. Januar bis 1. Februar statt – natürlich in Landsberg.

Christoph Kruse

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